12 Years a Slave

Filmposter 12 Years a Slave

7/10

Originaltitel: 12 Years a Slave
USA, GB | 2013 | 134 Min. | FSK: ab 12
Drama, Biopic
Regie: Steve McQueen
Drehbuch: John Ridley
Besetzung: Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Benedict Cumberbatch, Paul Dano, Paul Giamatti, Lupita Nyong’o u.a.
Kinostart: 16.01.14
DVD/Blu-Ray VÖ: 16.05.14

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © TOBIS Film

Worum geht’s?

1841. Solomon Northup lebt als freier Afroamerikaner mit Ehefrau und zwei Kindern in New York und verdient sein Geld als Geigenspieler. Nach einer als Auftragsarbeit getarnten List findet sich Northup ohne Vorwarnung in Ketten gelegt wieder und wird in den Süden des Landes geschifft, um in die Sklaverei verkauft zu werden. Niemanden interessiert sein Hintergrund. Zwölf Jahre lang kämpft er unter seinen Meistern um seine Würde und sein Leben.

Wie ist der Film?

Der wichtigste Verdienst von Steve McQueens drittem Film nach „Hunger“ (2008) und „Shame“ (2011) ist, dass er das viel zu unbekannte autobiografische Buch, auf dem er basiert, wieder zurück ins Bewusstsein der Leute brachte. McQueen selbst vergleicht es mit dem Tagebuch der Anne Frank, nur eben für den amerikanischen Kontinent, was im Hinblick auf Solomon Northups Geschichte, wie wir sie durch die Leinwandadaption erfahren, nicht weit hergeholt wirkt. Die Geschichte macht eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheit – die Sklaverei an sich – hautnah erfahrbar; die Verfilmung allerdings schreckt in Hollywood-Manier vor der vollen emotionalen Breitseite zurück.

Szenenbild 12 Years a Slave„12 Years a Slave“ ist nicht der erste Film über den Schrecken der Sklaverei in den USA, und auch nicht der ultimative, denn dafür ist er zu bequem zu goutieren und zu versöhnlich erzählt. Letzteres liegt in der Vorlage begründet, aber auch so hätten Kamera und Erzählweise gerne noch gnadenloser und tiefer in all die Grausamkeiten und die afroamerikanische Kultur eintauchen können, ohne dadurch gleich sadistisch anzumuten. „12 Years a Slave“ macht betroffen, aber wahre Größe besäße der Film, wenn er ein echter Schlag in die Magengrube wäre, denn anders lassen sich solch wichtige Themen kaum wirklich durchdringen. McQueens ästhetischer Regiestil ist spannend, steht hier allerdings der Kraft des Plots im Weg.

Das größte Manko an „12 Years a Slave“: Die zwölf Jahre sind nicht nachzuempfinden. Erst im Schlussakt sieht der Protagonist plötzlich gealtert aus. Mehrere Zeitsprüngen zurück und nach vorn bereiten den langen Leidensweg relativ kurzweilig auf – normalerweise ein willkommener dramaturgischer Kniff, um eine Geschichte spannender zu erzählen, hier jedoch Indikator für eine gewisse Distanz zur Handlung, womit McQueen und sein Autor sich keinen Gefallen tun. Sehr lange Einstellungen unterbrechen öfter den sonst recht flotten Schnitt und sind einerseits eindrucksvoll, andererseits doch nur formale Spielereien um ihrer selbst willen.

Einige Superstars wie Benedict Cumberbatch („Star Trek Into Darkness“) und Brad Pitt („World War Z“), der den Film auch produzierte, geben sich in hübschen Kurzauftritten die Klinke in die Hand; richtig entfalten kann sich eigentlich nur McQueens Stammschauspieler Michael Fassbender, der seine Rolle des von Selbsthass zerfressenen Sklaventreibers natürlich locker meistert. Wobei, auch Paul Dano („Prisoners“) brilliert mal wieder in seiner ewigen Paraderolle des Widerlings. Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor („2012“) erobert nicht unbedingt die Publikumsherzen, doch ist es faszinierend anzusehen, wie seine Figur permanent darum ringt, die eigene Würde zu bewahren.

„12 Years a Slave“ ist ein formal interessantes, stark besetztes und gut gespieltes Drama, mit überraschend experimentierfreudiger, wenn auch nicht gerade feinsinniger Musik von Meister Hans Zimmer. Es gibt ein paar intensive Momente und einen detaillierten Einblick in den amerikanischen Sklavenhandel des 19. Jahrhunderts. Nur ist die etwas zu glatte und zerstückelte Geschichte eben nicht ganz so ergreifend, wie es der Erfolg in der Filmpreis-Saison verspricht. Eine doch beachtlich weiße Sichtweise für einen schwarzen Regisseur. Quentin Tarantino war eigentlich nicht viel weiter weg vom Thema.

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