American Sniper

Filmposter American Sniper

5/10

Originaltitel: American Sniper
USA | 2014 | 132 Min. | FSK: ab 16
Kriegsfilm, Drama
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Jason Dean Hall
Besetzung: Bradley Cooper, Sienna Miller u.a.
Kinostart: 26.02.15
DVD/Blu-Ray VÖ: 25.06.15

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit

Worum geht’s?

Der Texaner Chris Kyle wollte eigentlich Cowboy sein, doch sein Beschützerinstinkt verschlägt ihn zu den United States Navy SEALs. Während eine besorgte Frau auf ihn wartet, wird Kyle bei seinen Einsätzen im Irak zu einer Legende unter den Scharfschützen. Kyle dient seinem Land voller Hingabe, doch zurück zu Hause zeigt der Krieg seine traumatisierenden Spuren.

Wie ist der Film?

Mal abgesehen von seinem kurz zuvor erschienenen Musikfilm „Jersey Boys“, der völlig in der Belanglosigkeit unterging, hat Hollywood-Veteran Clint Eastwood mit „American Sniper“ einen Schritt zurück getan. Nicht nur, dass „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ ähnliche Themen weniger kontrovers behandelte. Sogar Eastwood selbst hat Heldentum im Krieg schon wesentlich reflektierter seziert, nämlich 2006 in seinen zusammengehörigen Epen „Flags of Our Fathers“ und „Letters from Iwo Jima“, die eine wichtige Schlacht im Zweiten Weltkrieg von beiden Seiten aus erzählen. „American Sniper“ ist zwar schön inszeniert, scheitert aber grandios an seiner angeblichen Anti-Kriegs-Botschaft.

Bereits der Filmtitel kündigt einen schalen Beigeschmack an. Kritische Stimmen ziehen zu Recht den Vergleich mit „Stolz der Nation“ – der Film im Film „Inglourious Basterds“, in dem es ebenfalls um einen Rekordschützen geht. Doch wo Quentin Tarantino mittels Nazi-Propaganda beißende Satire übt, meint Eastwood die amerikanische Vaterlandsliebe ernst. Ein Eingehen auf die Opfer innerhalb der irakischen Bevölkerung wird angedeutet, aber im Keim erstickt; Momente des Zweifels ordnen sich dem Stolz der US-Nation unter. Auswirkungen des Krieges verwechselt „American Sniper“ mit Mitgefühl für SEALs.

Der Regisseur („Gran Torino“, „Der Fremde Sohn“) hätte das Projekt gar nicht erst annehmen sollen. Er selbst steuert wie üblich seinen sauberen Altherren-Stil bei, der dem Film auch gut steht. Das Problem liegt in Jason Dean Halls Drehbuch, welches wiederum auf Chris Kyles Bestseller-Autobiografie basiert. Durch einen für den Film frei erfundenen ‚Endgegner‘ verstärkt sich Kyles beschränktes Feindbild sogar noch. (In seinem Buch werden die Iraker ‚Wilde‘ genannt.) Parallel zu den stoischen Tötungskommandos ist Kyles Familiengründung zu sehen, deren Banalität auch die Zeitsprünge nicht vertuschen. Viele kompetent nach Handbuch inszenierte Spannungsmomente verlieren ihre Wirkung, weil Klischeehaftigkeit oder erzkonservatives Pathos mitschwingen. Wenn am ungeschickten Ende dann buchstäblich die US-Flaggen wehen, ist das Maß voll.

Bradley Cooper („American Hustle“, „Silver Linings“) hat für seine Hauptrolle nicht nur reichlich Masse aufgebaut, sondern spielt sie auch sehr gut. In kleinen Gesten drückt er viel aus. An seiner Seite meistert Sienna Miller („Foxcatcher“, „Factory Girl“) ihre noch undankbarere Rolle. Die Zutaten stimmen, doch manövriert sich „American Sniper“ in patriotische Ödnis. Ein bedenklicher Kriegsfilm mit wenig Pfiff und viel Werbung für die Republikanische Partei.

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Flags of Our Fathers

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