Barry Lyndon

Filmposter Barry Lyndon

7/10

Originaltitel: Barry Lyndon
GB | 1975 | 184 Min. | FSK: ab 12
Drama, Romanadaption
Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick
Besetzung: Ryan O’Neal, Marisa Berenson, Hardy Krüger u.a.
Kinostart: 17.09.76
DVD/Blu-Ray VÖ: 23.08.01

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

18. Jahrhundert: Der irische Jüngling Redmond Barry tritt, enttäuscht von der Liebe und auf der Flucht vor dem Gesetz, eine weite Reise an. Seines ganzen Geldes beraubt, meldet er sich als Freiwilliger in der britischen Armee. Durch eine Reihe von Tricks, Schwindeleien und Zufällen gelingt es ihm jedoch, von der Armee zu flüchten und schließlich sogar in den englischen Adel einzuheiraten, wo er den Namen Barry Lyndon erhält. Doch auch in seinem neuen Leben hat er mit Feinden und Schicksalsschlägen zu kämpfen.

Wie ist der Film?

„Barry Lyndon“ lässt sich als „der Stanley Kubrick Film ohne Aufreger“ bezeichnen. Es gibt – im Gegensatz zu seinen anderen (Farb-) Filmen – weder heikle Themen oder auch nur einen bissig kritischen Unterton noch offensichtlich bahnbrechende Techniken zu entdecken (abgesehen vielleicht vom erfolgreichen Filmen bei reinem Kerzenlicht). Es ist eine Art Ersatz für Kubricks schon viele Jahre zuvor angestrebten Film über Napoleon Bonaparte, den er nie verwirklichte, u.a. weil ihm jemand zuvor kam. Der – erneut lose auf einem Roman basierende – „Barry Lyndon“ ist das geradlinige Portrait eines gewieften Abenteurers an der Schwelle zur Französischen Revolution.

Diese Aufstieg-und-Fall-Geschichte wurde in ihren Grundzügen später noch oft erzählt. Kubrick breitet sie in aller Ruhe aus. Am Ball bleibt man durch die höchst akkurate Inszenierung und die hohe Authentizität der Zeitreise ins 18. Jahrhundert. Lichtsetzung, Kostüme, Requisiten, Sprache, Drehorte, Erzähler und Schauspieler – alles stimmt, wenn Hauptdarsteller Ryan O’Neal mit seinen traurigen Augen auch eine für Kubrick-Verhältnisse ungewöhnliche Besetzung ist, die vielleicht eine gewisse Eingewöhnungszeit erfordert. Darüber hinaus konnte der Autor, Regisseur und Produzent hier natürlich ganz besonders seiner Vorliebe für klassische Musik nachgehen: Perfekt abgerundet wird die Atmosphäre in Barrys Welt durch eingängige Themen von Bach, Schubert, Mozart & Co.

Dass „Barry Lyndon“ die recht offensichtlichen Oscars für Art-Direction, Kamera, Kostüme und Musik abräumte, Kubrick selbst aber wieder mal leer ausging, beschreibt die Verhältnisse recht treffend: „Barry Lyndon“ ist ein durchweg gelungener, sehr sorgfältiger, gut recherchierter Kostümfilm über das abenteuerliche Lebensdrama eines Antihelden. Kubricks technische Markenzeichen blitzen immer wieder durch, auch mag sicherlich hier und da ein feinsinniger Denkanstoß zwischen den Zeilen versteckt sein, doch hält der Filmemacher sich hier mit Spielereien zurück und lässt der minutiös ausgestatteten Erzählung den klaren Vortritt. Es ist sein mitunter unspektakulärster Film; dafür aber wohl sein in sich stimmigster.

Ähnliche Filme

Die Duellisten
Vanity Fair – Jahrmarkt der Eitelkeiten

1 Kommentar

  1. Ich muss ebenfalls sagen, dass die Filmmusik in „Barry Lyndon“ sehr gut zur Handlung passt, vor allem das Hauptthema (Sarabande – Händel). Ich bekomme immer eine Gänsehaut, wenn ich diese Musik höre… 😉

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*