Ben Hur

Filmposter Ben Hur

8/10

Originaltitel: Ben-Hur
USA | 1959 | 214 Min. | FSK: ab 16
Drama, Action, Abenteuer, Romanadaption
Regie: William Wyler
Drehbuch: Karl Tunberg
Besetzung: Charlton Heston, Jack Hawkins, Haya Harareet, Stephen Boyd, Hugh Griffith u.a.
Kinostart: 14.10.60
DVD/Blu-Ray VÖ: 25.10.01/30.09.11

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Im Jahre 26 nach Christi Geburt: Der wohlhabende Prinz Judah Ben-Hur trifft nach langer Zeit wieder auf seinen alten Freund Messala, der inzwischen eine hohe Position im römischen Reich innehat. Ben-Hur ist Jude, somit wird sein Volk von den Römern unterdrückt. Als Ben-Hur sich weigert, die aufständischen Juden zu verraten, werden die beiden Freunde plötzlich zu Rivalen. Messala nutzt seine Macht, um Ben-Hur und seine Familie gefangen zu nehmen. Ben-Hur schwört Rache.

Wie ist der Film?

„Ben Hur“ ist vor allem eines: lang. Richtig lang. So lang, dass man die DVD nach zwei Dritteln umdrehen muss, um den ganzen Film sehen zu können. „Ben Hur“ will hauptsächlich so episch wie möglich sein, und das ist auch gelungen. „Ben Hur“ ist eines der ultimativen Epen. Es gibt nur selten Ausschweifungen und trotzdem lässt sich der Film viel Zeit um seine majestätische Wirkung zu entfalten. Allein die sechsminütige Ouvertüre zu Beginn, ohne bewegte Bilder, nur mit Musik. Das gehört scheinbar zum Genre und dient zur Einstimmung. Zwei Minuten hätten es aber auch getan, zumal im Anschluss auch erst noch der Prolog kommt, bevor es dann so richtig los geht. Doch ist man wach und hat die Zeit, darf man in eine Welt der Superlative eintauchen.

William Wylers weltberühmter Monumentalfilm beruht auf einem bereits 1880 erschienenen Roman, welcher zunächst für die Theaterbühne und 1907 für einen nicht einmal fünfzehnminütigen Film adaptiert wurde. Der erste Film verlor einen Urheberrechtsstreit und wurde 1925 von einer weiteren Verfilmung abgelöst. Jener Stummfilm glänzte bereits mit einer sensationellen Ausstattung und kann es durchaus mit Wylers Version von 1959 – die heute mit Abstand berühmteste – aufnehmen. Für uns ist Ben Hur Charlton Heston, wobei vor ihm sehr viele andere Schauspieler im Gespräch waren. Heston mag mit Recht den Oscar gewonnen haben, doch auch mit einem anderen Star wäre der Film geworden, was er heute ist. Denn „Ben Hur“ ist Ausstattungskino.

Eine Massenszene voller sorgfältig kostümierter Menschen jagt die nächste. Dabei bleiben die Spezialeffekte inmitten der kolossalen Sets nahezu unsichtbar, da alles nach rein handgemachten Bauten aussieht, was man dem Film hoch anrechnen muss. Es ist eine Augenweide, angetrieben und umrahmt von der ausgeklügelten, abwechslungsreichen, einfach epischen und unübertrefflichen Musik aus der Feder von Miklós Rózsa („Das verlorene Wochenende“). „Ben Hur“ bedeutet spektakuläre Szenen und die passenden Klänge dazu. Einzig bei der berühmten Wagenrennen-Szene, deren Hype tatsächlich noch legitim ist, entfaltet sich die beste Wirkung ohne ein begleitendes Orchester. Das Problem ist, dass man sich durch die mehr als stolze Laufzeit an den bombastischen Charakter des Films gewöhnt, was es mühsam machen kann, konstant dran zu bleiben.

Produzent Sam Zimbalist starb während der Dreharbeiten an einem Herzinfarkt und man munkelt, dass der Druck durch das monumentale Projekt sicherlich mitverantwortlich war. Damals hatte der Film die große (sehr erfolgreich gelöste) Aufgabe, die Produktionsfirma MGM vor dem Ruin zu bewahren. „Ben Hur“ setzte schließlich auch zahlenmäßige Maßstäbe in Sachen Budget, Sprechrollen, Merchandise und Oscars. Bei zwölf Nominierungen staubte „Ben Hur“ elf Goldjungen ab, die vor allem in den technischen Kategorien bis heute nicht anzuzweifeln sind (wobei der Schnitt einige Anschlussfehler aufweist, zumindest in der aktuellen DVD-Version). Nur beim Drehbuch blieb es bei der Nominierung, was auf hässliche Streitigkeiten hinter den Kulissen zurück zu führen ist, da am finalen Skript weit mehr Autoren beteiligt waren, als nur der eine, der offiziell gelistet wird.

„Ben Hur“ verlangt also sowohl den Machern, als auch dem Publikum einiges ab. Letzteres wegen der Flut von Eindrücken und der allgemeinen Länge, nicht zuletzt jedoch auch wegen des fast schon kontroversen religiösen Aspekts. Die Lebensgeschichte des fiktiven Ben-Hur kreuzt sich immer wieder mit der von Jesus Christus. Gegen Ende, als die Geschichte von Ben-Hur so langsam zu Ende erzählt scheint, widmet man sich weitgehend dem Messias und dessen Kreuzigung (deswegen kommt der Film immer zu Ostern im Fernsehen!). Um zu einem schönen Schluss zu kommen, muss schließlich ein wortwörtliches, nicht rational erklärbares, christliches Wunder herhalten, was dem Film in gewisser Weise einen Teil seiner Kraft raubt, und das noch in den letzten Minuten.

Die Art und Weise, in der in „Ben Hur“ christliche Werte propagiert werden, bleibt leider recht schwammig und ist den Atheisten und Agnostikern, die sich einfach auf Krieg und Charakterstudie im alten Rom freuen, eine Dornenkrone im Auge. Es handelt sich um einen Monumentalfilm, aber keinen Bibelfilm, doch letztlich irgendwie doch. Komisch, da ist etwas nicht ganz gar. Alles in allem ist „Ben Hur“ eine handwerklich meisterhafte Geschichte um Freundschaft, Rache, Vergebung und Bekehrung, ordentlich gespielt aber vor allem ein Fest aus prächtigen Bildern und Musik. Ein (historisch eher unkorrektes) Epos, oft arg ausführlich aber doch nicht künstlich gedehnt, mit zu vielen diskutablen Abschnitten um auf ganzer Linie vom Hocker zu reißen, aber insgesamt ein Spektakel für die Ewigkeit.

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