Bis das Blut gefriert

Filmposter Bis das Blut gefriert

6/10

Originaltitel: The Haunting
USA | 1963 | 107 Min. | FSK: ab 16
Thriller, Horror, Romanadaption
Regie: Robert Wise
Drehbuch: Nelson Gidding
Besetzung: Julie Harris, Claire Bloom, Richard Johnson, Russ Tamblyn u.a.
Kinostart: 03.01.64
DVD/Blu-Ray VÖ: 18.09.03

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Um die Existenz des Übernatürlichen zu belegen, untersucht Dr. John Markway ein abgelegenes Anwesen namens Hill House, dessen Vergangenheit von mysteriösen Todesfällen überschattet ist. Verstärkung holt er sich vom unbeeindruckten nächsten Erben sowie von zwei ungleichen Frauen, die beide empfänglich für Übersinnliches zu sein scheinen. Schon in der ersten Nacht, die das Quartett im sagenumwobenen Haus verbringt, geschieht Merkwürdiges…

Wie ist der Film?

Es ist einer der beliebtesten alten ‚Haunted House‘-Filme. Seine größte Stärke ist gleichzeitig auch seine größte Schwäche: „Bis das Blut gefriert“ bleibt konsequent erklärungslos. Waghalsige Twists, explizite Gewaltdarstellungen, kuriose Monsterfratzen, und was das Erlebnis sonst noch durch enttäuschte Erwartungen zerstören könnte, umgeht der Film elegant. Regisseur Robert Wise („Der Tag, an dem die Erde stillstand“) liefert hier einzig eine Atmosphäre-Fingerübung.

Zweifellos: Aus herzlich wenig (von den prunkvollen Kulissen abgesehen) holt „Bis das Blut gefriert“ viel heraus. Eine gekonnte, teils experimentierfreudige Kameraführung und Lichtsetzung sowie ein bisschen Lärm schaukeln das Ding fast alleine. Es ist der Horror, der sich in den Köpfen abspielt, wie man so schön sagt. Nur leider fühlt es sich an, als würde der Film eine Belohnung versprechen, die niemals eintrifft. Das vielleicht noch größere Problem sind die Charaktere. Während man sich auf die Protagonistin, die einem nahe gebracht wird (mit zu viel Off-Kommentar und vielleicht etwas zu manieriert verkörpert von Julie Haris), aus gutem Grund nicht so ganz einlassen will, bleiben die weiteren Figuren eher distanziert, sodass ein klarer Bezugspunkt fehlt und die entscheidende Empathie ein Stück weit flöten geht.

„Bis das Blut gefriert“ ist geschickt inszenierter Grusel mit simplen Mitteln und ein paar schönen Einfällen, dessen Handlung aber leider auf zu viel Geschwafel und zu wenig Ergebnis kommt. Der reißerische deutsche Titel ist dann doch zu viel des Guten. Eine ernsthafte Gefahr für die Venen und Arterien besteht beim Anblick des soliden Handwerks nicht. Die namhaft besetzte Neuverfilmung „Das Geisterschloss“ von 1999 fährt optisch übrigens einiges mehr auf, gilt aber dennoch als gescheitert.

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3 Kommentare

  1. Stimme Dir zu!
    Allerdings ist mir beim ersten mal anschauen, das Blut wirklich fast gefrohren. Man muss diesen Film (vor allem beim erstmaligen Ansehen)in der richtigen Atmosphere genießen, wie damals nachts, alleine und mit sturmfreier Bude. Dann kanns richtig abgehen!

    Greetz

  2. Ich habe den Film selbst erst vor wenigen Tagen das letzte Mal gesehen. Beim ersten Gucken hat er mir richtig Angst gemacht. Wer bei den „zu vielen“ Off-Kommentaren nicht zuhört, wird die Geschehnisse in „Bis das Blut gefriert“ sicherlich als erklärungslos betrachten. Sicherlich ist er kein typischer Film für heutige Sehgewohnheiten, aber erzähltechnisch und psychologisch stimmt alles. „Bis das Blut gefriert“ ist kein Hinhaltefilm ohne Auflösung, ganz im Gegenteil, er ist sehr gehaltvoll. Allerdings wird vom Zuschauer Aufmerksamkeit erwartet, damit er die Dinge selber erkennt. Robert Wise erklärt uns am Ende nicht, was wir längst selbst entdecken mussten. Das macht man nur bei simplen Unterhaltungsfilmen, deren Niveau „Bis das Blut gefriert“ locker übersteigt.

    • Was ich mit „zu viel Off-Kommentar“ meinte ist, dass man die darin enthaltene Information auch eleganter in die Erzählung hätte einbetten können, denn so wirkt es etwas plump. Nicht, dass ich das als Blabla abgetan hätte. Wobei ich da nach wie vor nicht allzu viel Notwendigkeit und tiefen Sinn ausmache.

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