Black Swan

Filmposter Black Swan

6/10

Originaltitel: Black Swan
USA | 2010 | 107 Min. | FSK: ab 16
Mystery, Thriller, Horror, Drama
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Andres Heinz, Mark Heyman
Besetzung: Natalie Portman, Vincent Cassel, Mila Kunis, Barbara Hershey, Winona Ryder u.a.
Kinostart: 20.01.11
DVD/Blu-Ray VÖ: 10.06.11

Links zum Film:
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Worum geht’s?

Balletttänzerin Nina trainiert mit eiserner Disziplin für die Hauptrolle im „Schwanensee“ – die Geschichte einer Prinzessin, die durch bösen Zauber zum Schwan wird und nur durch wahre Liebe wieder zurückverwandelt werden kann. Sie bekommt die Rolle. Der strenge Regisseur Thomas liebt Ninas „weißen Schwan“, doch ist noch unzufrieden mit ihrer zweiten Rolle des „schwarzen Schwans“, welcher den Prinz im Stück verführt. Auf der Suche nach dem schwarzen Schwan in sich fühlt Nina sich mehr und mehr bedroht…

Wie ist der Film?

Dass Perfektion ein Paradoxon ist, weil der Mensch längst irre ist, wenn er glaubt, die Perfektion erreicht zu haben, zeigt Darren Aronofsky („Requiem For A Dream“) mit „Black Swan“, welcher auf der inszenatorischen Ebene den Stil seines vorangegangenen „The Wrestler“ fortführt. Die Kamera klebt förmlich an den Charakteren und geht gerne mal ein Weilchen hinter ihnen her. Diese besondere Nähe zu den Figuren ist ein interessanter Handgriff, doch wird sogleich fragwürdiger, wenn die betreffende Figur den Verstand verliert.

Hungerhaken Natalie Portman („Hautnah“) erweist sich als Idealbesetzung für die Protagonistin und beeindruckt, ähnlich wie Kollegin Mila Kunis, mit überaus mühsam antrainierten, authentischen Tanzfähigkeiten, sodass Doubles nur selten eingesetzt werden mussten. Dafür treibt sie es mit ihrem permanenten Welpenblick aber auch sehr weit und sorgt schließlich dafür, dass kein wahrer Sympathieträger mehr übrig bleibt. Auch die anderen größeren Rollen sind allesamt ein wenig überzeichnet. Es bleibt die Frage, ob der Film auch ohne diesen Umstand funktioniert hätte.

Aronofsky badet selbstbewusst in Klischees und zeigt mit seinem fünften Spielfilm eine nicht gerade subtile Metapher für den inneren Kampf mit sich selbst, stark dramatisiert mit brutalen Soundeffekten, bis er sich am Ende in die totale Verwirrung flüchtet, die das Publikum betäuben und berauschen soll. Das alles ist zuweilen furios anzusehen – auch unterstützt durch die leidenschaftliche Schwanenseemusik – aber auch wenig glaubwürdig, da kaum begründet, und vorhersehbar.

„Black Swan“ zelebriert den Paranoia-Thriller in Tradition von Roman Polanski – allerdings ohne wirkliche Aufklärung – wärmt das Thema des menschlichen Wahnsinns irgendwo zwischen „Alles über Eva“, „Shining“, „Fight Club“ und „Die Fliege“ mit einigen Horrorelementen nochmal auf und will dabei auch noch richtig sexy sein, ist in entsprechenden Momenten aber oft mehr lachhaft als erotisch. Der Film ist etwas Vertrautes und doch sehr Eigenes; seine Schwäche liegt wohl in seiner Zügellosigkeit. Lieber konsequent schlicht bleiben und dafür eine richtige Geschichte erzählen, wie eben die des gefallenen Wrestlers.

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13 Kommentare

  1. „Das alles ist zuweilen furios anzusehen – auch unterstützt durch die leidenschaftliche Schwanenseemusik – aber auch wenig glaubwürdig, da kaum begründet, und vorhersehbar.“

    Hm, eine Begründung für Ninas Seelenpein hat mir nicht gefehlt – schließlich erklärt sich der Erfolgsdruck, unter dem sie steht, aus ihrer Rolle (der Hauptrolle!) im Ballett.

    „seine Schwäche liegt wohl in seiner Zügellosigkeit“ Ja, das sehe ich ähnlich. Einiges ist dann doch zu dick aufgetragen, aber Natalie Portmans Leistung und viele gelungene Wahn-Sequenzen machen diese Schwäche imo wieder wett.

    • Mir gefällt es eben nicht, dass es automatisch so hingestellt wird, als würde eine wichtige Hauptrolle direkt geisteskrank machen, und als bestünde das Stück nur aus der Hauptrolle, da die zahlreichen NebendarstellerInnen ihre ganzen Schritte irgendwie schon von allein beherrschen.

      Die Portman ist stark, aber eben hauptsächlich im Tanzen. Schauspielerisch ist sie weit weniger vielseitig, als es ihr immer wieder unterstellt wird, also was diesen Film betrifft. Der Film ist an sich stark gemacht, aber die aktuelle Euphorie um ihn ist mir dann doch deutlich zu groß, und das will ich ein bisschen bremsen.

      • Die Portman ist nicht stärker als das, was man von einer hochbezahlten Schauspielerin zu erwarten hat. Ganz gut und angemessen, mehr nicht.

    • Eine wichtige Hauptrolle macht automatisch geisteskrank? Das sagt der Film doch an keiner Stelle. Sie KANN eine Geisteskrankheit bewirken, wenn ein labiler Mensch mit ihr belastet wird (und dass Nina vorher schon psychische Probleme hatte, wird angesprochen).

      Dass das Training der anderen Tänzerinnen und Tänzer nicht groß zu sehen ist, liegt wohl einfach daran, dass der Film sonst überladen wäre. Ninas Erlebnisse können aber durchaus als beispielhaft verstanden werden, denke ich.

      So besonders vielseitig ist Natalie P. in „Black Swan“ nicht, das sehe ich auch so. Muss sie aber auch gar nicht sein. Die Labilität ihrer Figur bringt sie sehr gut rüber, und die Ballettszenen meistert sie noch dazu.

      • Okay, nochmal zum Thema unzureichende Begründung: Ein passenderes Stichwort ist wohl Charakterzeichnung – die Charaktere werden kaum gezeichnet, sondern einem einfach so hingeworfen, mit einer guten Portion Klischee.

        • Ja, eine gute Portion Klischee ist bei einigen Figuren dabei. Hat mich aber auch angesichts der Stärken des Films nicht groß gestört. Es wäre imo sogar die Interpretation möglich, dass die teils klischeebeladenen Figuren absichtlich so angelegt wurden, damit sie dem Dualismus aus Schwanensee entsprechen (weißer Schwan vs. schwarzer Schwan). Wie auch immer. Zum Thema „Charakterzeichnung“: Meine, dass die Charaktere jeweils gut genug ausgearbeitet wurden, um ihre Funktionen erfüllen zu können. Wenn Du unter „Charakterzeichnung“ eine Entwicklung verstehst – die macht Nina ja durch. Vielleicht sind mir die Protagonisten aus „Black Swan“ aber auch deswegen vertrauter, weil ich selbst einige Jahre getanzt habe (obgleich auch kein Ballett)… 😉

  2. So ein belangloser Mist! Genre und Plot hätten mich warnen sollen, aber da die Presse ausnahmslos begeistert berichtete wähnte ich den Film schon zur Allgemeinbildung gehörig und sah ihn mir an. Und es kam nicht mehr raus als was ich befürchtet habe; Bilder für pubertierende Mädchen, die ein bißchen (trendy!) Lesben-Sex sehen und sich ein wenig gruseln wollen… Ein komplett durchkalkulierter Film ohne Seele. Pure Zeitverschwendung. Das einzige was hängen bleibt ist die Frage, was der Filmverleih mit all den Kritikern gemacht hat, die plötzlich uni sono für Scheiße schwärmen…

      • juhu endlich einer meiner meinung, ich versteh auch nicht warum alle kritiker auf den film so steil gehen,

        ich fand die schocker szenen teilweise übermässig brutal, vieles (zu viel) bleibt ungeklärt, irgendwie n bisi ballett wie früher bei „anna“ und bisi schocker aber an sich meiner meinung nach keine grosse story, kein film der bewegt, verschwendete zeit und nicht sehenswert

  3. Hallo,

    habe den film gesehen und bin nicht besonders begeistert von der einseitigen darstellung natalie portmans´. schüchtern, frigide, wenig erwachsen…das kann man alles vielseitiger zeigen als durch große augen und leises sprechen. das fand ich etwas lahm und unglaubwürdig. mit der hauptdarstellerin tut sich der film, meiner meinung nach, kein gefallen.

  4. @Purzel:

    Was? Lesben-Sex mit Natalie Portman und ich habe den Film noch nicht gesehen?
    Dann muss ich das ganz schnell nachholen, schließlich werden wir heiraten. Irgendwann.

  5. Meine Kollegin fand den im Kino ganz toll. Also DVD geliehen. Mich nach 20 Minuten gefragt was der Sch… soll und ausgemacht. Es gab nichts (erst Recht nicht der ganze Hype darum) was mich festhielt, und ich schaue mir ’ne ganze Menge an, querbeet. Sogar durch Monsters habe ich mich gequält (okay mit Vorspulen) 🙂

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