Blancanieves – Ein Märchen von Schwarz und Weiß

Filmposter Blancanieves

8/10

Originaltitel: Blancanieves
BE, ES, FR | 2012 | 109 Min. | FSK: ab 12
Drama, Fantasy, Märchen
Regie: Pablo Berger
Drehbuch: Pablo Berger
Besetzung: Maribel Verdú, Daniel Giménez Cacho, Ángela Molina, Inma Cuesta, Macarena García u.a.
Kinostart: 28.11.13
DVD/Blu-Ray VÖ: 30.05.14

Links zum Film:
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Worum geht’s?

Südspanien in den 20er Jahren: die kleine Carmen hat ihre Mutter bei der Geburt verloren und lebt bei ihrer bösen Stiefmutter, die sie schuften lässt und von ihrem Vater, einem früheren Stierkämpfer mit gebrochenem Herzen, fernhält. Als sie bei einem Mordanschlag dem Tod nur knapp entrinnt, landet die inzwischen erwachsene Carmen bei einer Gruppe kleinwüchsiger Toreros.

Wie ist der Film?

Szenenbild Blancanieves2012 war ein Schneewittchen-Jahr, denn im Schatten von „Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte über Schneewittchen“ und „Snow White and the Huntsman“ erschien auch Pablo Bergers „Blancanieves“. Nicht nur inhaltlich, auch formal kam dem armen Spanier jemand zuvor: Nachdem sein Stummfilm jahrelang in der Finanzierungsphase festgesteckt war und schließlich kurz vor der Fertigstellung stand, kam wie aus dem Nichts „The Artist“ und räumte einen Preis nach dem anderen, sogar den Oscar für den besten Film ab. Ein Schlag ins Gesicht für Berger, der sich mit der 20er-Jahre-Machart seines Films einen großen Überraschungseffekt versprach. Doch wahrscheinlich war „The Artist“ auch eine Hilfe, hat er das Publikum doch wieder mehr für den Stummfilm sensibilisiert.

Gerade weil Berger ein Märchen als Grundlage wählte, vermag sein „Blancanieves“ sogar noch mehr zu verzaubern als „The Artist“ und geht als origineller hervor. Beide Filme sind eine liebenswerte Kinohommage und stecken voller Anspielungen auf alte Klassiker, doch „Blancanieves“ beschränkt sich nicht auf den Hollywood-Kosmos. Berger benutzt die Form des schwarzweißen Stummfilms, um große Gefühle zu transportieren, die im Zusammenhang mit den Fantasy-Anleihen wahrscheinlich kitschig gewirkt hätten, handelte es sich um einen Tonfilm. Mit der altgedienten Ästhetik zieht „Blancanieves“ in eine eigene, bezaubernde Welt. Fast nur die rasanten Schnitt-Spielereien entlarven ihn als einen Film aus dem neuen Jahrtausend; es regiert durchweg ein nostalgischer Charme.

„Blancanieves“ ist eine einzigartige Mischung aus Grimmschem Märchen und archaischem Spanienurlaub mit Flamenco und Toreros, ein Film der starken Emotionen ohne halbe Sachen, über herzerwärmende Güte und abgrundtiefe Bosheit. Das sehenswerte Ensemble mit vielen spanischen Schauspielgrößen, angeführt von der hinreißenden Neuentdeckung Macarena García, bewahrt trotz Melodram eine angenehme Natürlichkeit und reduziert den typischen Stummfilm-Pathos auf ein Minimum. Die enorm vielseitige und detailverliebte Musik von Alfonso de Vilallonga wird zur Sprache der stummen Geschichte und versteht es, das Publikum völlig in den Bann zu ziehen. Dass einzelne Stellen im Plot plump konstruiert wirken, ist letztlich hinfällig, denn der Märchencharakter verleiht dem Film eine entwaffnende Magie. So geht ergreifendes Kino.

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