Boogie Nights

Filmposter "Boogie Nights" Retro-Style

9/10

Originaltitel: Boogie Nights
USA | 1997 | ca. 149 Min. | FSK: ab 16
Drama, Satire, Erotik
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson
Besetzung: Mark Wahlberg, Burt Reynolds, Julianne Moore u.a.
Kinostart: 04.06.98
DVD/Blu-Ray VÖ: 09.06.06

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Eddie Adams steigt vom Küchengehilfen eines Nachtclubs zum gefeierten Pornostar „Dirk Diggler“ auf, dank des Regisseurs Jack Horner, der ihn und sein mächtiges Talent entdeckt. Als die 70er zu Ende gehen und die 80er beginnen, erfährt die Pornobranche samt ihrer Stars einen Wandel, der einige Opfer fordert.

Wie ist der Film?

Nach seinem Erstling „Last Exit Reno“ feierte Autorenfilmer Paul Thomas Anderson einmal eine Party ohnegleichen, bevor er mit „Magnolia“, „Punch-Drunk Love“ und „There Will Be Blood“ etwas leiser und schwerer verdaulich wurde. Diese Party nennt sich „Boogie Nights“.

Jedes Ensemble-Mitglied in „Boogie Nights“ scheint eine maßgeschneiderte Rolle zu haben, so überzeugend ist die glänzende Besetzung. Allen voran natürlich Marc Wahlberg, der wohl nie passender besetzt wurde. Man sieht ihm an, dass er knapp zehn Jahre älter ist, als der 17jährige Küchenjunge, den er anfangs verkörpert. Doch als seine Figur zum Pornostar aufsteigt und Ecken und Kanten entwickelt, entfaltet sich auch Wahlberg selbst zum glaubhaften Charakterdarsteller. Heather Graham und William H. Macy spielen ihre Paraderollen und Philip Seymour Hofmann („Almost Famous“, „Radio Rock Revolution“) beweist hier zum ersten Mal, wie gut er doch in Retro-Filmen aufgehoben ist. Die Oscarnominierungen für Burt Reynolds und Julianne Moore in Nebenrollen sprechen für sich.

Dank detailgetreuer Ausstattung und fürstlichem Soundtrack gelingt Anderson eine bannende Reise in die 70er, die von einer wunderbar verspielten Bildkomposition lebt. Es ist nicht schwer, in „Boogie Nights“ einzutauchen. Und ist dies erst einmal gelungen, wird es in keiner Minute langweilig, trotz fast zweieinhalbstündiger Laufzeit.

Irgendwann lässt Anderson die bunte Seifenblase langsam platzen und schickt seine Figuren in alle Richtungen verstreut aufs raue Pflaster, wo sie zusehen müssen, wo sie bleiben. Doch selbst dann läuft die Handlung in einem unterbrechungsfreien Fluss. Die einzige wirkliche Länge im Film findet sich in der nachhaltigen Schlusseinstellung. Kenner des Films wissen, was damit gemeint ist.

„Boogie Nights“ ist eine interessante Analyse einer Zeit des Umbruchs, die als Gemisch aus spaßigen, satirischen Elementen und dramatischen, nachdenklich stimmenden Teilen funktioniert. Dieses kleine Epos verzichtet sowohl auf ein Happy End als auch auf eine konsequente Schraube nach unten und schließt stattdessen mit einem gewissen offenen Lichtblick, der einfach Charme hat. Dennoch sieht man eine eindrucksvolle Geschichte über den Aufstieg und den unvermeidlichen Fall eines Stars, und in gewisser Weise auch einer ganzen Branche. Der eindeutig dichteste und unterhaltsamste Film von Paul Thomas Anderson.

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