Captain America – The First Avenger

Filmposter Captain America – The First Avenger

7.5/10

Originaltitel: Captain America: The First Avenger
USA | 2011 | 124 Min. | FSK: ab 12
Comicadaption, Science-Fiction, Action
Regie: Joe Johnston
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely
Besetzung: Chris Evans, Tommy Lee Jones, Hugo Weaving, Hayley Atwell, Sebastian Stan, Stanley Tucci u.a.
Kinostart: 18.08.11
DVD/Blu-Ray VÖ: 19.12.11

Links zum Film:
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Worum geht’s?

1942 möchte Steve Rogers unbedingt seinem Land im Krieg dienen, wird jedoch wegen seines labilen Körpers bei der Musterung abgelehnt. Ein Wissenschaftler wird auf den Jungen aufmerksam und rekrutiert ihn für ein neuartiges Experiment, bei dem Rogers schließlich zum muskelbepackten Supersoldaten namens Captain America transformiert wird. Zunächst als Werbemaskottchen für die Army missbraucht, zieht Captain America bald selbst in den Kampf gegen die Nazis, allen voran Johann Schmidt alias Red Skull, der offenbar mit übersinnlichen Mächten hantiert.

Wie ist der Film?

Es steht kurz bevor, das erste Abenteuer der ultimativen Supergroup der Marvel Comics – „The Avengers“. Nach „Iron Man“, „Der unglaubliche Hulk“ und „Thor“ – jene Marvel-Verfilmungen, die im selben Universum spielen – ist „Captain America“ das letzte Teil des Puzzles, welches 2012 als große Superheldenvereinigung in die Filmgeschichte eingehen soll. „Captain America“ erweist sich dabei weder als stärkstes noch als schwächstes Segment und ist einfach eine im positivsten Sinne typische, mitreißende Comicverfilmung.

Mit Regisseur Joe Johnston („Jumanji“, „Wolfman“), der als Spezialeffektdesigner und Szenenbildner auch die alte „Star Wars“-Trilogie mitgestaltete, wurde ganz klar der richtige Mann gefunden, um „Captain America“ zu dirigieren. Während sich die spektakuläre Optik aus biografischen Gründen von selbst erklärt, bringt Johnston mit seinem Team noch einen beinahe trashigen und nostalgischen Charme, der an gute alte Indiana-Jones-Zeiten erinnert, in die Geschichte mit ein. Das ist vor allem den Bösewichten zu verdanken: geradezu futuristisch ausgerüstete Nazis, die mittels okkulter Kräfte die Weltherrschaft anstreben – ein Klassiker, der immer wieder Laune macht. Passend dazu wird der im Vorfeld häufig befürchtete Pathos und Patriotismus – schließlich entstammt die Titelfigur ursprünglich aus einem im Zweiten Weltkrieg veröffentlichten Propaganda-Comic – nicht zum Verhängnis, sondern mit einem gesunden Augenzwinkern behandelt.

Hauptdarsteller Chris Evans („Fantastic Four“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“) war ja schon öfter in Comic-Stoffen zu sehen und ließ dabei seinen Charme für sich spielen, beweist in „Captain America“ jedoch erstmals, dass er ein Projekt dieser Größenordnung auch als alleiniger Mittelpunkt stemmen kann. Hugo Weaving, der sich immer noch recht erfolgreich vorm Älterwerden versteckt, spielt des Captains Erzfeind Red Skull lustigerweise fast genau so, wie er damals Neos Endgegner Agent Smith in der „Matrix“-Trilogie spielte und ist damit wunderbar passend. Schön ist es auch, den für das Mainstream-Kino wieder ausgegrabenen Tommy Lee Jones als grimmigen Colonel mit trockenem Humor zu sehen. Er kann’s noch. Die Sahnehäubchen der Besetzung sind ein unheimlich sympathischer Stanley Tucci als Wissenschaftler und der noch eher unbekannte Dominic Cooper als Howard Stark, dem man sofort abkauft, dass er einmal einen Sohn namens Tony zeugen wird.

„Captain America“ schöpft die Quintessenz aus den sich über sieben Jahrzehnte erstreckenden literarischen Vorlagen. Heraus kam, mit dem 40er-Jahre-Ambiente und der dazu stark an Spider-Man erinnernden Geburt von Held und Bösewicht, ein angenehm altmodisches Comic-Abenteuer, das auf neueste Computertechnik trifft. Die schicken 3D-Effekte lenken dabei kaum vom eigentlichen Film ab. Die Handlung kommt trotz ihrer stattlichen Laufzeit stets fix zum Punkt und schafft Platz für satte Action-Sequenzen, die sich manchmal gefährlich nah an der Reizüberflutung bewegen. Es ist ja auch alles etwas absurd in „Captain America“, doch der Film schafft es, seine Absurditäten so einzusetzen, dass man richtig Spaß an ihnen hat. Nur wer generell wenig für Comic- und B-Movie-Stoff auf der Leinwand übrig hat, sollte insbesondere „Captain America“ meiden. Es wäre wohl ein Schock.

Es ist schade, dass trotz attraktiver Besetzungsliste einige Figuren recht blass bleiben und der Film somit manchmal fast zum Videospiel auf Autopilot wird. Und man hätte es sich wirklich sparen können, die Nazis durch nicht vorhandene Hakenkreuze und einen abgewandelten Hitlergruß zu entpolitisieren, da die Geschichte ob ihrer Überspitztheit sowieso recht harmlos ist. Doch mit einer großen Portion Retro-Charme macht „Captain America“ seine kleinen Schwächen wieder wett. Einen alten Superhelden mit so einem Hintergrund und so einem Namen heutzutage ins Kino zu bringen, ist zweifellos heikel, die Marvel Studios haben dies aber beachtlich gut gelöst, sodass man prächtig unterhalten und mit Hunger auf „The Avengers“ zurückbleibt.

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4 Kommentare

  1. „Passend dazu wird der im Vorfeld häufig befürchtete Pathos und Patriotismus – schließlich entstammt die Titelfigur ursprünglich aus einem im Zweiten Weltkrieg veröffentlichten Propaganda-Comic – nicht zum Verhängnis, sondern mit einem gesunden Augenzwinkern behandelt.“

    Weil sie Steve Rogers in seinem Kostüm nen paar Propaganda-Shows absolvieren lassen? Nee, das reicht mir nicht als Augenzwinkern. Abgesehen davon schlagen USA-Patriotismus und Pathos nämlich voll durch, da sich die Hauptfigur von Anfang bis Ende völlig unreflektiert in den Dienst der USA stellt (man beachte den Dialog im Finale, der etwa so geht: Red Skull: „In Zukunft zählen keine Flaggen mehr“ Captain America: „Für mich schon!“). Klar, das ist wohl in der Vorlage so angelegt, ich finde es aber dennoch bedenklich. Zumal der Film zwar – wie Du ja schreibst – schnell zum Punkt kommt und ne nette Optik sowie nen paar trockene Sprüche hat, seine Handlung aber völlig ohne clevere Ideen oder interessante Figuren auskommen muss. Ich habe ihn nur der Vorbereitung auf die „Avengers“ wegen geschaut und auch nicht mehr bekommen als einen Film, den seine sympathisch-trashige Machart wegen der genannten Schwächen am Ende bloß ins Mittelfeld rettet.

    • Das ist dann wohl einfach Ansichtssache. Ich denke einfach es hätte bei so einer Vorlage viel schlimmer kommen können. Weniger Patriotismus wäre glaube ich nicht gegangen, sonst wäre es auch nicht mehr Captain America gewesen.

  2. Von allen Marvel Comicverfilmungen die einzige, die ich nicht mag bisher (von denen die ich gesehen habe… Glaube ich habe keine wirklich verpasst…)

  3. Echte Überraschung diesen Sommer.
    Altmodisch und erträglich patriotisch.
    Herrlich ausgestattet und ohne die blöden „lässigen“ Witze die man sonst so serviert bekommt.

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