Casting: Die besten und schlimmsten Entscheidungen

Was nützt das beste Drehbuch, wenn die Charaktere unglaubwürdig verkörpert werden? Ein Film beziehungsweise eine TV-Serie steht und fällt mit der Besetzung. Film- und Serienfans wissen, wie ärgerlich es ist, wenn ein unpassender Cast eine gute Geschichte ruiniert. Andererseits wusste auch schon so mancher Star ein mäßiges Drehbuch aufzuwerten. Es wird Zeit, sich einmal dem mächtigen Instrument namens Casting zu widmen.Der Joker (Heath Ledger)

Legendär ist John Wayne als Dschingis Khan in „Der Eroberer“ von 1956. Der Inbegriff des Cowboys wird zum Mongolenführer. Warum diese Verkleidung als größte Fehlbesetzung aller Zeiten gilt, muss nicht näher erläutert werden. Schwamm drüber, doch richtig beleidigend wurde es fünf Jahre später, als Mickey Rooney in „Frühstück bei Tiffany“ mit Makeup und Zahnprothese einen klischeehaften Japaner mimte. Gary Oldman indes ließ es sich nicht nehmen, in „Tiptoes“ einen Kleinwüchsigen zu spielen, obwohl er eigentlich durchschnittlich groß ist.

Denise Richards‘ Schönheit ist unbestritten, doch die Atomphysikerin nahm ihr in „James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug“ niemand ab, was ihr den Titel des schlechtesten Bondgirls aller Zeiten einbrachte. Es kann aber auch allein an der Stimme scheitern: Kevin Costner erntete Hohn, weil er als Robin Hood (1991) nicht einmal versuchte, seiner englischen Figur einen englischen Akzent zu verleihen. Genau das – den englischen Akzent – versuchte Keanu Reeves in „Bram Stoker’s Dracula“ so sehr, dass er dabei nur scheitern konnte. Und manchmal, nun ja, manchmal stimmt die Chemie einfach nicht. Dieses Gefühl hatten viele Fans bei Hayden Christensen als Anakin Skywalker in Episode II und III der „Star Wars“-Saga, oder bei Ben Affleck in „Daredevil“.

Ab und an wird eine Rolle trefflich verkörpert, muss für eine Fortsetzung oder ein Remake aber neubesetzt werden, meist zum Leidwesen des Publikums. Nachdem Michelle Pfeiffer als verrückte Katzenlady in „Batmans Rückkehr“ glänzte, versemmelte Halle Berry 2004 die gleiche Rolle in „Catwoman“. Als jüngere Version der Sarah Connor aus der „Terminator“-Reihe scheiterten sowohl Lena Headey in der TV-Serie „The Sarah Connor Chronicles“ als auch Emilia Clarke in „Terminator: Genisys“. Ein ähnlich schweres Los zog George Lazenby, der in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ als erster Bond-Darsteller nach Sean Connery auftauchte – genau ein Mal. Und übrigens mag einfach niemand den umbesetzten Sohn von Dr. Goodweather in der Serie „The Strain“.

Zum Glück gibt es auch die Kehrseite: Besetzungen, die alle Erwartungen übertrafen. Wer war nicht skeptisch bei der Nachricht, dass ausgerechnet Womanizer Heath Ledger den neuen Joker in „The Dark Knight“ spielen würde? Am Ende war es Ledger, der zuletzt lachte. Auch Marlon Brando als Don Corleone in „Der Pate“ hatte damals niemand kommen sehen. Beim Casting kommt es natürlich nicht nur auf Einzelleistungen an, sondern auch darauf, dass Paare und ganze Gruppen miteinander harmonieren. Man denke an die Hits „Lola Rennt“ und „Das Boot“, um auch deutsche Beispiele zu nennen. Die Entscheidungen fällen nicht nur Regisseure. Casting Directors beziehungsweise Casting-Agenturen treffen essentielle Vorauswahlen und haben schon so manchen Newcomern zur Rolle ihres Lebens verholfen. Wenn sich findet, was zusammengehört, dürfen wir alle dankbar sein.

Welche folgenschweren Casting-Entscheidungen blieben euch im Gedächtnis?

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