Coffy – Die Raubkatze

Filmposter Coffy

6/10

Originaltitel: Coffy
USA | 1973 | ca. 87 Min. | FSK: ab 18
Exploitation, Action, Thriller, Krimi
Regie: Jack Hill
Drehbuch: Jack Hill
Besetzung: Pam Grier, Booker Bradshaw, Robert DoQui, William Elliott, Allan Arbus, Sid Haig u.a.
Kinostart: 28.03.74
DVD/Blu-Ray VÖ: ?

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia

Worum geht’s?

Ihre Geschwister sind den Drogen verfallen, ein befreundeter Polizist muss teuer bezahlen, dass er sich der Bestechung durch Dealer verweigerte. Krankenschwester Coffin, genannt Coffy, sieht rot. Auf eigene Faust macht sie sich auf, um sich bei den Gangstern, die an allem schuld sind, blutig zu rächen. So arbeitet sie sich über einen dealenden Zuhälter hoch bis zum Mafiaboss und setzt dabei mehr als nur ihren Charme ein.

Wie ist der Film?

Unmittelbar nach Cleopatra Jones und dem gleichnamigen Film erklimmt Pam Gier alias Coffy das Podest der nicht ersten, aber erfolgreichsten Heldin des afroamerikanischen Exploitationfilms. Seinen schwierigen, aber daher vielleicht auch umso interessanteren Stand erhält der Film dadurch, dass er ein emanzipatorisches Abenteuer mit klarer Antikorruptions- und Antidrogenbotschaft schildert, dies allerdings in moralisch völlig verwerfliche Gewaltakte und schlüpfrige Erotikunterhaltung verpackt.

Ein wenig unfundiert baumeln hier und da die Brüste in „Coffy“. Etwa die auf mehrere Minuten ausgedehnte Catfight-Szene, in der angestachelte Prostituierte bis aufs Blut rangeln und sich die Kleider vom Leib reißen, während die Männerschaft daneben tatenlos zusieht und genießt, ist witzig, aber schmälert den eleganten Eindruck, den die Handlung durch oft geschickt miteinander verknüpfte Szenen und den beachtlich langen, ausgefeilten Racheplan der Hauptfigur gewinnt. Zu den Stärken des Films gehört ganz klar auch der launige Funk- und Soul-Soundtrack, nur wird dessen Überstrapaziertheit zu deutlich, wenn sich eine andere, einen neuen Akt einleitende Szene künstlich in die Länge zieht, nur damit ein weiterer Coffy huldigender Song Platz darin findet.

Natürlich würde es dem Genre nicht gerecht werden, das alles allzu eng zu sehen, zumal es ja ganz bewusst und vordergründig um Sex und (leicht überzeichnete) Gewalt gesehen soll, nur haben sich diese beiden Faktoren anderorts auch schon stimmiger mit sonstigen Handlungsansprüchen vertragen. An dieser Stelle sei vor allem die nicht ganz so gefeierte, allerdings unterhaltsamere und runder wirkende Quasi-Fortsetzung „Foxy Brown“ erwähnt. Doch auch „Coffy“ funktioniert ganz gut, nämlich dank Hauptdarstellerin Pam Grier, die nicht nur durch ihren geradezu aufdringlichen Sexappeal besticht, sondern auch glaubhaft ein Spektrum von der eisigen Harten mit zynischen Sprüchen bis zur sensiblen Liebenden gibt, die auch mal weinen muss.

Es macht Spaß, Pam Grier alias Coffy zuzusehen. Nicht nur wegen ihrer Kurven, auch wegen ihrer sonstigen Talente, etwa wenn sie einen auf Jamaikanerin macht oder einen ihrer fiesen Selbstverteidigungstricks anwendet. Ganz entscheidend ist aber auch die bunte Schar kauziger Nebenfiguren, allen voran Zuhälter King George, der mit seinem senffarbenen Einteiler unvergleichlich skurrile Auftritte absolviert, oder auch Sid Haig (heute als böser Clown in „Haus der 1000 Leichen“ bekannt) als ansteckend gut aufgelegter Handlanger des Gangsterbosses.

Wenn der schmutzige Selbstjustizthriller dann ohne geringste Umschweife sein schnelles Ende findet, bleiben gemischte Eindrücke zurück, steht die Explizitheit doch der ernsthaften Geschichte, die viele Zeichen setzen will, im Weg (oder umgekehrt), obwohl man beides, mit dem gleichen erzählerischen Grundton auch hätte vereinen können. Hier kann schlichtweg nicht gut genug kaschiert werden, dass der Regisseur gegen Studiovorgaben ankämpfte. Nichtsdestotrotz ist „Coffy“ verhältnismäßig gut gespielte Unterhaltung voller amüsanter Figuren und schafft es, neben der Befriedigung niederer Instinkte auch mehrere Konventionen überzeugend zu durchbrechen.

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