Cowboys & Aliens

Filmposter Cowboys & Aliens

4.5/10

Originaltitel: Cowboys & Aliens
USA | 2011 | 118 Min. | FSK: ab 12
Western, Science-Fiction, Comicadaption, Action
Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Damon Lindelof, Alex Kurtzman, Roberto Orci, Mark Fergus, Hawk Ostby
Besetzung: Daniel Craig, Harrison Ford, Olivia Wilde u.a.
Kinostart: 25.08.11
DVD/Blu-Ray VÖ: 13.01.12

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter | film zeit

Worum geht’s?

Nicht lange nach dem Sezessionskrieg im 19. Jahrhundert: Nahe der Kleinstadt Absolution in Arizona erwacht ein Mann ohne Erinnerung, dafür mit einer seltsamen metallenen Manschette am Arm. In Absolution erfährt er, dass er ein gesuchter Verbrecher ist, gejagt von Colonal Dolarhyde, der neben dem Sheriff in Absolution den Ton angibt. Doch statt ihn einzusperren, muss Dolarhyde sich mit dem Gedächtnislosen zusammenraufen, als plötzlich Raumschiffe die Gemeinde angreifen und einige Bewohner entführen. Die Metallmanschette dient als wichtige Waffe.

Wie ist der Film?

Es hätte so schön werden können. „Iron Man“- und „Iron Man 2“-Regisseur Jon Favreau nimmt sich eines Stoffes mit dem für alle Trash-Sympathisanten herzerwärmend skurril klingenden Titel „Cowboys & Aliens“ an, bekommt dafür so viel Geld und Stars, wie man sich nur wünschen kann und erhält dabei auch noch die Möglichkeit, nicht nur eben Cowboys und Aliens beziehungsweise zwei elementare Filmgenres mit ganz unterschiedlichen Blütezeiten, sondern auch zwei Generationen von Actionhelden – Harrison ‚Indiana Jones‘ Ford und Daniel ‚James Bond‘ Craig – in einem epischen Kampf aufeinandertreffen zu lassen. Und dann das. Die Geschichte wurde von allen Seiten so zu Tode gebastelt, dass schließlich ernüchternder Durchschnitt dabei heraus kommt.

Ja, man bekommt, was man bei diesem Titel erwartet. Genaugenommen besteht das Grundgerüst von „Cowboys & Aliens“ tatsächlich aus klassischem Western, ironiefrei angelehnt an berühmte Vorbilder wie etwa „Die glorreichen Sieben“. Dann fallen die Außerirdischen ein, mit Schleim, Raumschiffen und bösen Experimenten, wie aus dem Science-Fiction-Bilderbuch. Doch was nützt es, wenn dabei bewusst auf Trash-Charme verzichtet wird und die beiden Genres sich trotz ihrer gewollten Vermengung irgendwie trotzdem nicht wirklich zu berühren scheinen?

Dass die Cowboys ganz anders als das Volk in „Independence Day“ oder die Kids in „Super 8“ sicher noch nie etwas von fliegenden Untertassen gehört haben, ist ein interessanter Gedanke, wird aber nicht herausgearbeitet. Es wird gestaunt, geritten und gekämpft. Soll dann also das Reiten der besondere Reiz an der Sache sein? Da „Cowboys & Aliens“ statt mit parodistischem Unterton die Geschichte ernsthaft und geradlinig abspult, wird das Augenmerk automatisch auf die Spezialeffekte sowie die Besetzung gelenkt.

Daniel Craig spielt einen Eisblock und Schläger – eine Rolle, die nicht viel hergibt, für Craig aber wie gemacht ist, das kann er definitiv. Paul Dano (sehr gut in „There Will Be Blood“) schafft es als verzogener Sohn des Colonels, dass man ihn binnen Sekunden hasst und anschließend genauso schnell mitleidig belächelt. Genau so soll es bei seiner kleinen Rolle auch sein, ein voller Erfolg also. Die Nerv-Krone geht nicht an das sich in angenehmer Zurückhaltung übende Kind (Noah Ringer, Nachwuchs mit Potential) sondern an das Model, das sich vor die Filmkamera verirrte: Olivia Wilde („Turistas“). Ihr stetig lüsterner Blick auf Craig lässt denken, sie möchte doch endlich über ihn herfallen, damit das ein Ende habe. Passend dazu bekommt Craig die obligatorische Oben-ohne-Einstellung und wird, genau wie Wilde, hier und da auch mal ordentlich nass gemacht, ganz im Sinne der haarsträubend unverblümten Mainstream-Befriedigung jenseits jeder Filmhandlung.

Am besten schneidet wohl Harrison Ford ab, der als alter Haudegen Würde und Charisma behält. Zugegebenermaßen funktioniert er auch deshalb so gut, weil man weiß, dass er mal Han Solo und Indy war, ohne dass im Film darauf angespielt wird. Die Liste der bekannten Namen ist jedoch noch immer nicht zu Ende. Selbst Sam Rockwell („Moon“) wird in ulkiger Verkleidung verpulvert und darf für milden Humor herhalten. Die Spezialeffekte schließlich sind ganz in Ordnung, die Außerirdischen eine Mischung aus quasi allen Sci-Fi-Kreaturen der letzten Jahrzehnte. Das Wahnsinnsbudget von 163 Millionen Dollar muss also hauptsächlich in fürstliche Gagen geflossen sein.

Viele Köche verderben den Brei. Mindestens fünf Drehbuchautoren zerpflückten die Seele des lose auf dem gleichnamigen Comicroman basierenden „Cowboys & Aliens“ und ordneten sich der schlichtweg unglücklichen Entscheidung unter, als Ersatz für jegliche Ironie eine Handvoll trockener, mauer Gags zu bemühen sowie die irrsinnige Handlung ohne wirkliche Erklärungen für sich sprechen zu lassen. Das ist ab und an unterhaltsam und schön krachend, vor allem aber leidlich spannendes, kühl berechnetes, nichtssagendes Sommerkino; ein reines Schaulaufen großer Namen (bis hin zum ausführenden Produzenten Steven Spielberg) und das wohl größte Sammelsurium verschenkter Chancen des Kinojahres.

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