Der Babadook

Filmposter Der Babadook

7/10

Originaltitel: The Babadook
AU | 2014 | ca. 93 Min. | FSK: ab 16
Horror, Drama
Regie: Jennifer Kent
Drehbuch: Jennifer Kent
Besetzung: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall u.a.
Kinostart: 07.05.15
DVD/Blu-Ray VÖ: 18.09.15

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © Thimfilm

Worum geht’s?

In der Nacht, als ihr Sohn Samuel geboren wurde, verlor Altenpflegerin Amelia ihren Mann durch einen Autounfall. Sechs Jahre später lässt sie der Schicksalsschlag immer noch nicht los. Samuel wird zunehmend verhaltensauffällig, die einsame Beziehung zwischen Mutter und Kind ist angespannt. Eines Abends zieht Samuel für seine Gutenachtgeschichte ein Popup-Buch aus dem Regel, das Amelia noch gar nicht kennt: Mister Babadook. Es beschreibt ein schattenartiges Monster, das seine Opfer nicht mehr loslässt. Bald darauf scheint die makabre Kinderbuchfigur Wirklichkeit zu werden.

Wie ist der Film?

Vordergründig erscheint „Der Babadook“ bloß als weitere Variante im Pool der heimgesuchten Horrorhäuser, neben „Conjuring“, „Die Frau in Schwarz“ & Co. Über weite Strecken handelt es sich tatsächlich um einen geradlinigen Gruselschinken nach bekanntem Muster, doch diverse Lobeshymnen von verschiedenen Seiten lassen erahnen, dass noch etwas mehr dahintersteckt.

Szenenbild Der BabadookRegisseurin und Langfilmdebütantin Jennifer Kent setzt wertvolle Akzente im ausgelutschten Genre. Zunächst einmal behauptet sie sich als Frau in einer absoluten Männerdomäne, hat das Drehbuch selbst geschrieben und verleiht der Geschichte dadurch eine besonders persönliche, einfühlsame Note. Das Erfolgsgeheimnis von „Der Babadook“ liegt in einer tieferen Bedeutung hinter der Schauermär, gepaart mit einem sehr eigenen, wirkungsvollen Look. Den Rest erledigt das gelungene Sounddesign, wie der ganze Film nach der Devise ‚nicht zu viel und nicht zu wenig‘.

Eine reduzierte, sehr blaugraue Farbpalette deutet bereits an, dass Kent sich vom expressionistischen Stummfilm à la „Das Cabinet des Dr. Caligari“ inspirieren lässt, was in diversen Monster-Momenten besonders zum Tragen kommt und eine elegant-düstere Grundstimmung erzeugt. Für den titelgebenden Störenfried vertraut der Film auf charmante, praktische Kamera-Effekte statt Computerbilder. Im Vergleich zu anderen namhaften Filmgeistern sieht der Babadook nicht sonderlich furchteinflößend aus, doch im Zusammenspiel mit seinen beiden Opfern sorgt er für Unbehagen auf einer tieferen Ebene.

Anders als die meisten artverwandten Filme nutzt „Der Babadook“ den Geist eigentlich nur, um die menschlichen Hauptfiguren zu erforschen. Mutter und Kind erweisen sich als bemerkenswert vielschichtige Charaktere, die sich teilweise gründlich danebenbenehmen, letztlich aber nachvollziehbar bleiben. Hauptdarstellerin Essie Davis und ihr Filmsohn Noah Wiseman meistern ein enormes Gefühlsspektrum. Die starke Fokussierung auf die Mutter-Kind-Beziehung bewahrt den Film trotz altbekannter Genrebausteine davor, beliebig zu wirken.

Auch mit einem klassischen Showdown gibt sich Jennifer Kent nicht zufrieden, sondern reiht im letzten Akt einige ziemlich verstörende Szenen aneinander. Dabei wird nochmal sehr deutlich, dass der Babadook nicht nur eine Bedrohung, sondern verdrängte Emotionen verkörpert. Eine schöne Metapher. So kann es sich also doch lohnen, einen Kurzfilm auf anderthalb Stunden aufzublasen (Kent adaptierte ihr eigenes Werk namens „Monster“). „Der Babadook“ ist eine liebevoll inszenierte, emotional mitreißende und hervorragend gespielte Geschichte über die Kraft der Liebe. Als Gruselschocker zwar nur knapp überdurchschnittlich, als Horrordrama dafür sehr sehenswert.

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2 Kommentare

    • Ja, ich denke das ist ein ganz guter Vergleich, gemessen an den gefühlvollen Familiengeschichten. Horrorgrad… hm. Ich würde sagen, „Der Babadook“ geht noch ein bisschen mehr ab.

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