Der Diktator

DVD-Cover Der Diktator

6/10

Originaltitel: The Dictator
USA | 2012 | ca. 83 Min. | FSK: ab 12
Komödie
Regie: Larry Charles
Drehbuch: Sacha Baron Cohen, Alec Berg, David Mandel, Jeff Schaffer
Besetzung: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Ben Kingsley u.a.
Kinostart: 17.05.12
DVD/Blu-Ray VÖ: 20.09.12

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © Paramount

Worum geht’s?

Als Admiral General Aladeen von den westlichen Ländern zur Stellungnahme bezüglich Gerüchte um Atomwaffen gezwungen wird, reist er von seiner nahöstlichen Republik Wadiya nach New York City. Dort wird er entführt, seines charakteristischen Barts beraubt und durch einen Doppelgänger ersetzt. Nichtsahnend bietet ausgerechnet die liberale Aktivistin Zoe dem zum Niemand degradierten Diktator ihre Hilfe an.

Wie ist der Film?

Da haben wir nun den Selbstmordattentäter unter den diesjährigen Kinokomödien, denn „Der Diktator“ sprengt mutwillig die Grenzen des guten Geschmacks, ähnlich wie diese Einleitung. Zuvor machte das heimliche Genie Sacha Baron Cohen mit den Mockumentarys „Borat“ und „Brüno“, in denen eine fiktive Figur reale Menschen provoziert und damit oft entlarvt, auf sich aufmerksam. Nach dem antisemitischen Kasachen und dem weniger erfolgreichen schwulen Österreicher ist der Diktator, wieder unter der Regie von Larry Charles, der irgendwie logische nächste Schritt, diesmal allerdings als komplett fiktiver, durchinszenierter Spielfilm, wie schon der erste Kinoausflug eines Cohenschen Alter Ego: „Ali G. in da House“ (2002). Dadurch ergeben sich Vor- und Nachteile.

Szenenbild Der DiktatorAdmiral General Aladeen, seines Zeichens Diktator, ist wieder deutlich näher an Borat. Da ersterer nicht mit echten Menschen, sondern ausschließlich mit anderen gespielten Rollen agiert, sieht das Ganze deutlich eleganter aus, lässt aber auch den Reiz vermissen, der Cohens größte Erfolge überhaupt erst ausmachte. „Der Diktator“ hat keine andere Wahl, als in seiner in sich geschlossenen Welt zu witzeln und driftet dabei völlig in Zoten ab. Dabei gehen die bissige Satire und die Aussage an sich verloren. Wenn es dann doch mal einen Moment gibt, der sich nach Gesellschaftskritik anfühlt, ist die Ironie darin dünn verpackt und hat im Grunde genommen nichts zu sagen, was Charlie Chaplin nicht schon schöner gesagt hat.

„Der Diktator“ ist ein Film, über den man lacht, weil man sich nicht anders zu helfen weiß. Damit ist er immer noch ein lustiger Film. Was Cohen sich wieder traut, ist ziemlich unvergleichlich, wie hoch die Gag-Trefferquote auch sein mag. Aber auch an dieser Stelle muss erwähnt werden, dass der Autor und Hauptdarsteller schon punktgenauer unter die Gürtellinie zu zielen wusste. Immerhin hat er sich in „Der Diktator“ seinen bislang besten Sidekick (Jason Mantzoukas) zugelegt. Auch Anna Faris („Scary Movie“) passt mit ihren ständigen Grimassen in den verrückten, oft wenig Sinn ergebenden Plot, Ben Kingsley („Der Love Guru“, „Hugo Cabret“) verkauft mal wieder seine Seele und ein paar illustre Gastauftritte runden das chaotische Gesamtbild stimmig ab.

Scharfe politische Kommentare unter genüsslichem Vorführen des amerikanischen Volks, wie man sie wohl erwarten durfte, entpuppen sich in „Der Diktator“ als bloße Reihe von Albernheiten. Wer Sacha Baron Cohens Humor mag, wird das Zotenfeuerwerk immerhin als nettes Anhängsel an sein bisheriges Gesamtwerk betrachten können.

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1 Kommentar

  1. Besser als erwartet. Nach brüno wollte ich den Film eigentlich nicht gucken. Aber habe es dann doch getan.
    Es handelt sich hierbei diesmal wie oben gut beschrieben um einen normalen Spielfilm der in gewohnter Tradition versucht so viele „Tabus“ wie möglich zu brechen.
    Meine Lieblingszene ist die im Hubschrauber als er von seinem lieblingsauto dem 911er erzählt – einfach herrlich.
    War überrascht dass die teilweise doch etwas brechstangenartigen Witze bei mir doch so gut gezündet haben.

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