Der Gott des Gemetzels

Filmposter Der Gott des Gemetzels

7/10

Originaltitel: Carnage
FR, DE | 2011 | 80 Min. | FSK: ab 12
Komödie, Theateradaption
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Roman Polanski, Yasmina Reza
Besetzung: Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly
Kinostart: 24.11.11
DVD/Blu-Ray VÖ: 10.05.12

Links zum Film:
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Bilder © Constantin Film

Worum geht’s?

In Brooklyn, New York treffen sich zwei Elternpaare – die Longstreets und die Cowans – zu Hause bei den Longstreets, um über einen Vorfall ihrer Kinder zu sprechen. Der Sohn der Cowans hat dem Sohn der Longstreets im Park mit einem Stock ins Gesicht geschlagen, weil er eine Petze genannt wurde. Obwohl die Eltern die Sachlage so kultiviert und vernünftig wie möglich klären wollen, läuft die Konversation nach und nach aus dem Ruder.

Wie ist der Film?

Der skandalträchtige Regisseur Roman Polanski („Ekel“, „Tanz der Vampire“, „Der Ghostwriter“) macht endlich wieder damit auf sich aufmerksam, worauf es ankommt: einem neuen Film. Obwohl „Der Gott des Gemetzels“ in New York spielt, wurde er in Paris gedreht, da Polanski im Zuge seiner Kindesmissbrauchsanklage noch immer nicht die USA betreten kann, ohne verhaftet zu werden. Doch das fällt nicht ins Gewicht, gibt es im Film doch lediglich zwei kleine Schauplätze: einen Park sowie eine Wohnung plus Hausflur. Was Polanski aus diesen Gegebenheiten herausholte, ist beachtlich, aber auch den Erwartungen entsprechend, schaut man sich die Liste der Beteiligten an.

Szenenbild Der Gott des Gemetzels„Der Gott des Gemetzels“ basiert auf einem 2006 uraufgeführten, erfolgreichen Theaterstück. Die Theaterherkunft zeigt sich sehr deutlich, und doch hat die Übertragung auf das Medium Film nahezu reibungslos geklappt. Entscheidend dafür ist die Besetzung der vier Charaktere, und da offenbart sich ein wahres Traumensemble voller schauspielerischer Schwergewichte.

Jodie Foster („Das Schweigen der Lämmer“, „Panic Room“) und Kate Winslet („Titanic“, „Der Vorleser“), vermutlich zwei der nächsten Grandes Dames von Hollywood, brillieren authentisch wie komisch als gestresste Ehefrauen, die verzweifelt versuchen, Haltung zu bewahren. Die Wahl für die männlichen Parts ist etwas weniger naheliegend, dafür umso genialer. John C. Reilly, der mühelos zwischen nachdenklichen Dramen („Magnolia“) und albernen Komödien („Stiefbrüder“) balancieren kann, nutzt genau diese Ambivalenz wie unlängst in „Cyrus“ perfekt aus. Der seit „Inglourious Basterds“ zum Senkrechtstarter mutierte Christoph Walz ist einmal mehr eine coole Sau auf höchstem Niveau. Bei diesen vier großen Persönlichkeiten läuft glücklicherweise niemand Gefahr, an die Wand gespielt zu werden. Stattdessen bildet das Quartett eine Einheit, bei der die Chemie stimmt, beziehungsweise nicht stimmt, genau wie es das Drehbuch verlangt.

Schnitt und Kameraarbeit halten sich, den Inhalt unterstützend, elegant im Hintergrund und lassen das Ensemble den gesamten Film auf ihren Schultern tragen. Es funktioniert! Raffiniert wird das eigentlich kurz angebundene Besucherpaar durch diverse Zwischenfälle immer länger beim Gastgeberpaar gehalten, ohne dass dies zu konstruiert wirkt, sodass sich ein keckes, immer weiter zuspitzendes Echtzeitdrama entwickelt, nahezu frei von Durststrecken.

„Der Gott des Gemetzels“ ist ein bravurös gespieltes Kammerspiel, das mit einigen köstlichen Dialogzeilen immer wieder zum Schmunzeln einlädt. Ein Fest für Freunde der Kommunikationswissenschaft, zumal die Möglichkeiten der gegebenen Figurenkonstellation großzügig ausgeschöpft werden. Vom scharfen Blick auf kriselnde Beziehungen und Reibereien der Geschlechter über bröckelnde Fassaden bis hin zum Trugschluss des Erwachsenseins ist alles dabei. Das einzige, große Problem des Films ist, dass man beim Ansehen, wie das besuchende Elternpaar, selbst bald auch endlich weg möchte aus dieser höchst unangenehmen Situation. Es ist eine amüsante Qual, bei der Foster, Winslet, Reilly und Waltz jedoch stets bei der Stange halten. So geht gehobene, aber leichte Unterhaltung, mal ganz ohne Schnickschnack.

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