Der Hobbit: Smaugs Einöde

Der Hobbit: Smaugs Einöde

7/10

Originaltitel: The Hobbit: The Desolation of Smaug
USA, NZ | 2013 | 161 Min. | FSK: ab 12
Fantasy, Abenteuer, Romanadaption
Regie: Peter Jackson
Drehbuch: F. Walsh, P. Boyens, P. Jackson, G. del Toro
Besetzung: Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Amitage u.a.
Kinostart: 12.12.13
DVD/Blu-Ray VÖ: ?

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Bilder © 2013 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND METRO-GOLDWYN-MAYER PICTURES INC.

Worum geht’s?

Zauberer Gandalf, Hobbit Bilbo Beutlin und die 13 Zwerge sind ihrem Reiseziel schon ein Stück näher. Doch bevor sie das einstige Zwergenkönigreich, in dem jetzt der riesige Drache Smaug nistet, zurückerobern können, müssen die Freunde noch weitere gefährliche Gegenden durchqueren und die sie jagenden Orks besiegen. Gandalf trennt sich von der Gruppe, um eine nahende Bedrohung von ganz Mittelerde auf eigene Faust zu erkunden.

Wie ist der Film?

Die unerwartete Reise geht weiter, und zwar im Großen und Ganzen wie gehabt. Der Mittelteil der rund neunstündigen Trilogie, die auf einem rund 400seitigen Buch basiert, weist weitgehend dieselben Knackpunkte auf wie der Beginn. Wer sich jedoch bereits von „Eine unerwartete Reise“ restlos begeistert zeigte, muss sich bei „Smaugs Einöde“ natürlich keine Sorgen machen.

Einen Vorteil hat „Smaugs Einöde“ natürlich sofort inne: Das Publikum hat die lange Exposition bereits überstanden und kann sich mit Bilbo & Co nahezu sofort ins Abenteuer stürzen. Hinzu kommt, dass man mit diesen 13 Zwergen inzwischen warm geworden ist. Sie erscheinen verstärkt als Individuen; nicht nur Anführer Thorin und der Dienstälteste Balin bleiben im Gedächtnis. Der junge Kili kristallisiert sich als der menschlichste unter den Zwergen heraus. Unterdessen gehört dem fettleibigen Bombur einer der besten Action-Momente des ganzen Films.

Szenenbild Der Hobbit – Smaugs EinödeMartin Freeman und Ian McKellen liefern als Bilbo und Gandalf gewohnt gute Leistungen ab. Mit Legolas, wieder gespielt von Orlando Bloom, tritt nun eine weitere aus „Der Herr der Ringe“ bekannte Figur auf und erfüllt offensichtlich wenig mehr als die Funktion des Publikumsmagneten (und Gollum-Ersatzes). Clever eingebaut. An Blooms Seite kämpft Evangeline Lilly in der Rolle der Tauriel, nicht nur als Steigerung der verheerenden Frauenquote, sondern auch als perfekt besetzter Neuzugang. Schon in der Serie „Lost“ war ihr die zarte Schönheit einer Elbin anzusehen. Darüber hinaus ist der Abenteuertrip mit weiteren, mal mehr (Beorn), mal weniger (Bard) willkürlich eingesetzt wirkenden Nebenfiguren bestückt.

Ob Vorteil oder Nachteil: In „Smaugs Einöde“ geht es ein Stück brutaler zu als im Vorgänger. Mit der Anzahl der abgetrennten Körperteile schwindet der Eindruck einer Kinderbuchverfilmung. Also wieder mehr „Der Herr der Ringe“-Feeling? An sich ja. Entscheidend ist aber nur das grimmige Finale um den titelgebenden Drachen. Smaug sieht wirklich großartig aus, detailverliebt animiert und schlichtweg mächtig. Spätestens in seinen Szenen zeigen sich die Vorteile und Möglichkeiten der 3D-Technik, welche Peter Jackson hier ein weiteres Mal sehr effektiv, aber unaufdringlich einzusetzen weiß. Die kraftvolle Stimme von Benedict Cumberbatch (Martin Freemans Partner in „Sherlock“) gibt der Bestie den letzten Schliff. Schade, dass der blasse Ork Azog – der andere CGI-Hauptbösewicht – im Vergleich seltsam unfertig aussieht, wie schon in Teil 1 der Trilogie.

„Der Hobbit: Smaugs Einöde“ könnte eine klare Steigerung der Reihe darstellen, würde dieser zweite Teil nicht noch abrupter enden als sein Vorgänger. Einen derart unbefriedigenden Nicht-Schluss mit brachliegenden Handlungssträngen hat das kräftig zahlende Kinopublikum nicht (nochmal) verdient, zumal zwei Filme durchaus genügt hätten, um die Vorgeschichte zu „Der Herr der Ringe“ knackig zu erzählen. Stattdessen wird wieder munter gedehnt, dazu- und umgedichtet. Viele selbstzweckhafte Gefahrensituationen, wenig Haupthandlung, kein Spannungsbogen – stattdessen viele, viele kleine. Das alles sieht immerhin beeindruckend aus. Howard Shores Musik erledigt den Rest; da der Komponist hier allerdings viele neue Themen einführt, verspielt er den Assoziations- und Ohrwurmbonus seiner etablierten Melodien.

Nach reichlichem Hin- und Her lässt sich sagen: Die Mitte der Hobbit-Trilogie ist ein technisch nahezu perfekter, meistens mitreißender Trip durch fantastische Welten und hat den wahrscheinlich eindrucksvollsten Drachen der Kinogeschichte zu bieten. Im historischen Kontext betrachtet ist „Smaugs Einöde“ ein dramaturgisch fragwürdiges Wiederkäuen von Bekanntem, das sich in etwa auf dem Niveau des Vorgängerfilms einpendelt.

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4 Kommentare

  1. Ich finde es eigentlich ganz gut, dass Howard Shore für den Soundtrack wieder neue Motive entworfen hat. Gerade den Abschnitt mit den Waldelben empfinde ich musikalisch aus sehr gelungen. Außerdem ist der typische Herr-der-Ringe-Klang trotzdem vorhanden, weshalb man sich weiterhin sehr heimisch in Mittelerde fühlen kann. Mir gefällt der Soundtrack in jedem Fall besser als der von Teil 1; und das eben gerade wegen der thematischen Vielfalt…

  2. Gute Unterhaltung – nur leider kein eigenständiger Film.

    Leider sehen wir in Der Hobbit die Vorgeschichte zu Der Herr der Ringe. Wir sehen ein Prequel das natürlich keines ist, da es den Hobbit ja schon vor Herr der Ringe gab. Der Hobbit hat tauschende Anspielungen an die Herr der Ringe-Filme. Es sind besonders diese Zitate die mich an dem Film nerven. Legolas, das komische Kraut, der König mit Komplex…
    Die kleinen einzelnen Geschichten trösten aber über die Längen und die Unlogik der Handlung hinweg.
    Technische Perfektion sieht allerdings anders aus. Die VFX ist an vielen stellen noch auf HdR-Niveau. Wasser, Pferde, animierte Kampfszenen und das flüssige Gold bekommt man heut schon wesentlich besser hin. Siehe Pacific Rim.
    …und das ein Cliffhanger in einem Prequel überflüssig ist, versteht sich wohl von selbst.
    Aber was solls. Rituale müssen eben immer das ewig Gleiche wiederholen. Bis nächstes Weihnachten also.

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