Der seidene Faden

DVD-Cover Der seidene Faden

7/10

Originaltitel: Phantom Thread
USA | 2017 | 131 Min. | FSK: ab 12
Liebesfilm, Drama
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson
Besetzung: Daniel Day-Lewis, Lesley Manville, Vicky Krieps u.a.
Kinostart: 01.02.18
DVD/Blu-Ray VÖ: 07.06.18

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia
Bild © Universal Pictures Home Entertainment

Worum geht’s?

London in den 1950er Jahren: Der bei der High Society angesehene Damenschneider Reynolds Woodcock lebt für seine Arbeit und entwirft die schönsten Kleider weit und breit. Für Frauen hat der begehrte Junggeselle wenig Zeit, doch als er sich in die Kellnerin Alma verguckt, hat diese eine ungeahnte Wirkung auf ihn.

Wie ist der Film?

Es ist eine regelrechte Erleichterung: Nach längerer Zeit hat Querkopf Paul Thomas Anderson („The Master“, „Inherent Vice – Natürliche Mängel“) mal wieder einen allgemein zugänglichen, ja, klassisch erzählten Film geschaffen. Erstmals im vornehmen England zu drehen tat ihm gut. Die Geschichte verläuft geradlinig und konzentriert sich auf zwei Hauptcharaktere, die interessante Entwicklungen durchmachen, das alles in moderaten 130 Minuten und, wie immer bei Anderson, hervorragend gespielt. „Der seidene Faden“ ist ein angenehmer Filmgenuss.

Der seidene FadenDer Inhalt bestimmt die Form, und da es in „Der seidene Faden“ um Schönheit und Eleganz geht, gefällt auch die Inszenierung durch Schönheit und Eleganz. Protzige Kamerafahrten interessieren Anderson längst nicht mehr, dafür gestaltet er seine Bilder geschmackvoll und präzise. Umschmeichelt werden die Bilder von Johnny Greenwood, Andersons Stammkomponist, und die Musik zu „Der seidene Faden“ dürfte dessen bis dato beste Arbeit sein.

Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis perfektioniert die Rolle des charmanten, aber cholerischen Gentlemans. In Auftreten und Duktus gibt der Verwandlungskünstler quasi das Gegenteil seiner Figur aus „There Will Be Blood“, wobei beide auch viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Der große Besetzungscoup heißt indes Vicky Krieps („Wer ist Hanna?“). Die Luxemburgerin ist wunderbar unverbraucht und authentisch; gleichzeitig begegnet sie ihrem mächtigen Leinwandpartner auf Augenhöhe. Anderson hätte viele Weltstars haben können – dass er mit Krieps eine in Übersee bis dato unbekannte Hauptdarstellerin wählte, ist ein feiner Zug. Zu erwähnen bleibt noch Lesley Manville, die als strenge Schwester des Protagonisten eine spannende Würze in die Handlung bringt.

In die fast schon konventionelle Romanze eines Künstlers und seiner Muse mischt sich herrlich subtil eine Prise Perversion. „Der seidene Faden“ ist eine leise und langsame, jedoch nicht zähe Geschichte über toxische Beziehungen, sei es zwischen Paaren oder zwischen Mensch und Arbeit. Ein würdevoller Abschied für Schauspiellegende Daniel Day-Lewis (sollte er tatsächlich in Frührente gehen, wie er 2017 verkündete), und eine würdevolle Rückkehr für Regisseur/Autor Paul Thomas Anderson.

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