Der unsichtbare Dritte

Filmposter Der unsichtbare Dritte

7.5/10

Originaltitel: North by Northwest
USA | 1959 | 131 Min. | FSK: ab 12
Thriller, Abenteuer, Mystery, Action
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Ernest Lehman
Besetzung: Cary Grant, Eva Marie Saint, James Mason u.a.
Kinostart: 18.12.59
DVD/Blu-Ray VÖ: 22.03.01/04.12.09

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Der nichtsahnende Werbefachmann Roger Thornhill wird während einer geschäftlichen Verabredung von ein paar Gangstern entführt und fälschlicherweise für einen gefährlichen Geheimagenten gehalten. Ohne zu wissen, wie ihm geschieht, schliddert er von einer halsbrecherischen Situation in die nächste. Hilfe naht in Gestalt einer attraktiven wie geheimnisvollen Frau namens Eve Kendall, die der Verfolgte im Zug von New York nach Chicago kennen lernt.

Wie ist der Film?

„North By Northwest“ eilt ein großer Ruf voraus, allein schon weil es neben „Das Fenster zum Hof“ und „Psycho“ der Hitchcock-Film ist, den die meisten Leute gesehen haben. Dazu erfuhr er als erster eine Bluray-Auswertung und bleibt durch die viel beworbenen Szenen mit der Flucht vor dem Flugzeug, wo in der hellen, friedlichen Umgebung bewusst gegen das Klischee eines bedrohlichen Szenarios gearbeitet wird, oder der Verfolgungsjagd auf dem Mount Rushmore im besonderen Maße im Gedächtnis. Es ist augenscheinlich Hitchcocks bis dato aufwändigstes und längstes Filmprojekt und kann inhaltlich als die Summe von Hitchcocks amerikanischen Produktionen betrachtet werden, wie es schon François Truffaut in dem berühmten Interview mit Hitchcock feststellte. Den Rest der großen Popularität des Films sichert Cary Grant als Hauptdarsteller.

Es gibt also genug Gründe, den Film auf dem Siegertreppchen abzufeiern. Trotzdem beeindruckte Hitchcock sein Publikum schon deutlich mehr, berührte es tiefer. Dafür ist „Der unsichtbare Dritte“ die bunteste und vergnüglichste Variante von Hitchcocks Lieblingsthema – dem zu Unrecht Gejagten – und wirkt im Vergleich zu dem inhaltlich sehr ähnlich angesiedelten „Die 39 Stufen“ stimmiger, wenn Onkel Alfred sich auch nach wie vor im Film seine eigene Art von Realität schafft, wo die erstaunlichen Zufälle sich aneinanderreihen, weil es einfach gut unterhält.

Nicht zu vergessen ist auch der Status des Films als einer der letzten Hitchcocks mit heiterem Grundton. Das meiste davon hat man natürlich Cary Grant zu verdanken, der auch in „Der unsichtbare Dritte“ das tut, was er am allerbesten kann: Cary Grant sein. Der Mann, der, nur in leicht abgewandelter Form, schon in Filmen wie „Berüchtigt“ und „Über den Dächern von Nizza“ als stilsicherer Komiker die Frauen schwach machte. Hinzu kommen hoch amüsante Drehbucheinfälle wie die sturzbetrunkene Autofahrt. Ein echter Höhepunkt im ersten Drittel, der angesichts der berühmteren, eingangs erwähnten Szenen gerne mal vergessen wird.

Eva Marie Saint, wenn auch nur einmal von Hitchcock eingesetzt, kann sich übrigens durchaus in die Reihe der reizenden Hitchcock-Blondinen, angeführt von Grace Kelly, eingliedern. Ihr leicht kühler aber nicht arroganter Sexappeal funktioniert gut in ihrer übrigens alles andere als eindimensionalen Rolle. Darüber hinaus gefallen auch die finster-eleganten Schurken wie aus dem Lehrbuch; in erster Linie James Mason („Lolita“) und Martin Landau („Ed Wood“).

Zu kritisieren bleiben unter dem technischen Aspekt eigentlich nur ein paar holprige Schnitte (womit natürlich nicht der witzige Match-Cut am Schluss gemeint ist) und vielleicht ein arg abruptes Ende. Für letzteres wird man jedoch mit einer viel zitierten Sex-Symbolik entschädigt, mit der den Zensurbehörden damals so gelungen wie selten die lange Nase gezeigt wurde. Alles in allem ist „Der unsichtbare Dritte“ ein hübsches und nicht selten spektakuläres Krimi-Abenteuer rund um die Schauspiellegende Cary Grant, erneut eingängig und passend begleitet von Komponist Bernard Herrmann. Dass man nie erfährt, um welche Regierungsgeheimnisse es genau ging und sich stattdessen auf die turbulenten Abenteuer des Protagonisten und dessen Liebesgeschichte konzentriert wird, ist Ehrensache. Das gute MacGuffin-Hitchcock-Kino, wie es kein Zweiter macht.

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