Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn

DVD-Cover Tim und Struppi

8/10

Originaltitel: The Adventures of Tintin
USA, NZ | 2011 | 107 Min. | FSK: ab 6
Animation, Abenteuer
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Steven Moffat, Edgar Wright, Joe Cornish
Synchronisation: Jamie Bell / Nicolás Artajo, Andy Serkis / Lutz Schnell, Daniel Craig / Dietmar Wunder u.a.
Kinostart: 27.10.11
DVD/Blu-Ray VÖ: 21.03.12

Links zum Film:
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Bild © Sony Pictures Home Entertainment

Worum geht’s?

Kaum ersteht der berühmte Reporter Tim auf dem Flohmarkt ein prächtiges Schiffsmodell – die Einhorn –, ist schon jemand hinter ihm und seiner neuen Anschaffung her. Jemand, der über Leichen geht. Denn die Einhorn hält ein bedeutendes Schriftstück versteckt. So wird Tim Teil eines jahrhundertealten Rätsels, das es auf einer Reise um die halbe Welt mit Hilfe des treuen Gefährten Struppi, dem launigen Kapitän Haddock und den schusseligen Detektiven Schultze und Schulze zu lösen gilt.

Wie ist der Film?

Wenn es Regisseure gibt, die Kino in Reinform machen, die den Begriff des klassischen Kino-Erlebnisses maßgeblich geprägt und dabei neue Maßstäbe gesetzt haben, dann sind das vor allem Steven Spielberg und seit Beginn des neuen Jahrtausends auch Peter Jackson. Diese beiden Traumfabrik-Besitzer haben sich nun also zusammengetan und – siehe da – Kino gemacht, im klassischen Sinne, wie es sein soll und sein darf. „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ ist ein Erlebnis zum Staunen für Groß und Klein; der Inbegriff des Abenteuerfilms.

Die Wiederauferstehung der vom belgischen Künstler Hergé ersonnenen Comicfiguren ist vorwiegend eine Mischung aus drei Bänden der „Tim und Struppi“-Comicreihe, die sich diverse Freiheiten nimmt, aber auch stets den Geist des Originals atmet, was ein paar nette Anspielungen auf die 2D-Vorlage unterstreichen. Allerdings verbaut man sich selbst ein Stück weit den Spaß, wenn man zu sehr an Hergés charakteristischem Stil festhält. Respekt vor den Kultfiguren, deren Nutzungsrechte sie erstanden haben, zeigen Spielberg und Jackson allemal. Doch es geht nicht darum, denjenigen, die mit Hergé aufgewachsen sind, möglichst wenig auf den Schlips zu treten, sondern eher darum, auch eine eigenständige Ästhetik zu schaffen.

Wer unvoreingenommen ist, gewöhnt sich schnell an den eigenen Look von „Das Geheimnis der Einhorn“ und lernt, ihn zu lieben. Die nahezu fotorealistische Animation mittels der perfekt ausgereiften Performance-Capture-Technik ist fulminant. Bei den Stichworten Performance-Capture und Peter Jackson darf natürlich auch Andy „Gollum“ Serkis nicht fehlen. Dieser erweckt den alkoholkranken Kapitän Haddock zum Leben und ist das klare Glanzstück des Ensembles. Jamie Bell („Billy Elliot – I Will Dance“, „Jumper“) ist als Tim aber auch sehr treffend und sympathisch.

Ein gerne gesehener Gag ist das britische Dreamteam Simon Pegg und Nick Frost („Shaun of the Dead“, „Paul – Ein Alien auf der Flucht“) als Schultze und Schulze. Obwohl sich die beiden im wahren Leben nicht ähnlich sehen, überzeugen sie mühelos als die zwei fast identischen Interpol-Spürnasen. Nicht nur die Animationstechnik ist schier makellos, auch die Stimmen des Ensembles leisten hervorragende Arbeit. Erst durch sie und die klotzende Musik von Altmeister John Williams, die jeden Schritt zu kommentieren weiß, typisch wie passend, kann man so richtig in das Abenteuer eintauchen.

Obwohl das Drehbuch von TV-Autor Steven Moffat („Sherlock“), Peggs / Frosts Stammregisseur Edgar Wright („Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“) sowie dem mit diesem befreundeten „Attack the Block“-Regisseur Joe Cornish – alle aus Großbritannien – stammt, besitzt „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ eindeutig eine amerikanische Spielberg-Handschrift und erinnert stark an die besten „Indiana Jones“-Zeiten. Es gibt tolle Kamerafahrten, darunter eine der eindrucksvollsten Plansequenzen aller Zeiten, liebevolle Szenenübergänge, atemberaubend choreografierte Actionsequenzen und auch eine gute Portion Humor zu bewundern. Kino eben!

Dramaturgisch wohlüberlegt packt das Team von „Das Geheimnis der Einhorn“ so viel Abenteuer zu Wasser, zu Lande und in der Luft wie möglich in einen Film. Dass die Action manchmal die Aufnahmefähigkeit des Publikums übersteigt und die Handlungsentwicklungen sehr naiv ausfallen, ist der Preis dafür. Allerdings entsteht so auch dieser unschuldige Charme, welcher zu Abenteuerfilmen der alten Schule (in diesem Fall gepaart mit modernster Technik) einfach dazugehört. Die Performance-Capture-Technik wird in „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ glänzend ausgeschöpft, mit löblicher Nähe zu, aber auch gesundem Abstand von der Vorlage.

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