Die Nacht der lebenden Toten

Filmposter Die Nacht der lebenden Toten

9/10

Originaltitel: Night of the Living Dead
USA | 1968 | 96 Min. | FSK: ab 16
Horror, Thriller
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero, John A. Russo
Besetzung: Duane Jones, Karl Hardman, Judith O’Dea u.a.
Kinostart: 13.08.71
DVD/Blu-Ray VÖ: 21.06.04

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Die Geschwister Johnny und Barbara besuchen auf einem abgelegenen Friedhof das Grab ihres Vaters. Als Johnny seine ängstliche Schwester mit Späßen ärgert, wird er von einem wankenden Mann aus der Ferne angegriffen. Barbara muss flüchten und ihren Bruder zurück lassen. Schwer geschockt findet sie sich in einer Hütte wieder, wo sich mehrere Menschen verbarrikadieren. Die Medien berichten von Toten, die plötzlich wieder zum Leben erweckt wurden und Jagd auf Menschenfleisch machen.

Wie ist der Film?

In der heutigen Zeit muss man wohl erst aus dem Teenager-Alter herausgewachsen sein, um diesen Film zu schätzen zu wissen. George A. Romero lenkte 1968 das bereits über 30 Jahre vorher ins Rollen gebrachte Zombie-Genre mit „Night Of The Living Dead“ in eine ganz neue Richtung. Tote wurden nicht mehr durch schwarze Magie, Voodoo und ähnliches zu neuem Leben erweckt, sondern durch Strahlung von einer Raumsonde, die in der Erdatmosphäre explodierte. Soweit zumindest die Theorie im Film. Romero machte Zombies erschreckend greifbar, holte sie weg von exotischem Terrain direkt in die mittelamerikanische Gesellschaft, machte sie zu welchen von uns, zu einer erschreckenden Tragödie für die Menschen, verursacht von den Menschen.

Inspiriert von Filmen wie „The Last Man on Earth“ (1964), schnappte sich Romero unbekannte Schauspieltalente und Laien sowie passende Musik, schrieb das Drehbuch, führte Regie, filmte selbst und übernahm den Schnitt. In Anbetracht der spärlichen Mittel und des großen Einsatzes eines Mannes wurde der schwarz-weiße Albtraum „Die Nacht der lebenden Toten“ zu einem kleinen Low-Budget-Meisterwerk, das im Nachhinein zum absoluten Klassiker heranwuchs, weil es sich als enorm einflussreich herausstellte und von Filmhistorikern wegen der enthaltenen Gesellschaftskritik für wertvoll befunden wird.

Was Romeros Spielfilmdebüt auszeichnet, ist die Tragik der Geschichte, die den wahren Horror entfacht. Jede Szene, in der einer der vor den Untoten geflüchteten Menschen zu Tode kommt, bringt eine besondere Bitterkeit mit sich, und zwar durch die Art wie und den Grund warum die Person stirbt. Da ist alles durchdacht und nichts läuft nach einem faden Schema ab. Außerdem nutzt der Regisseur die geringen Mittel auf brillante Weise aus, indem alle nötigen Informationen über die auferstandenen Toten durch Erzählungen, Radio und Fernsehen gegeben werden, während sich im beengten Schauplatz gleichzeitig die quälende Isolation, Beklemmung, Hilflosigkeit und Handlungsunfähigkeit der Protagonisten entfaltet. So ist es eben gerade der Reiz des Films, dass sich alles „nur“ in einem kleinen Haus und dessen näheren Umkreis abspielt.

Ab und zu ist eine Szene vielleicht mehr gut gemeint als gut gemacht, aber das ist, im Hinblick auf die Umstände der Produktion, alles verzeihlich. Was zählt, sind die geniale Intention und die gelungene Erzeugung einer nihilistischen Atmosphäre. Menschen – angeführt von einem afroamerikanischen Helden, was damals sehr ungewöhnlich war – im Kampf gegen menschenfleischfressende Menschen: Diese Prämisse in ihrer wunderbar grimmigen Form funktioniert schon für sich allein, kann aber zusätzlich auch als kritisches Sinnbild für die Unersättlichkeit des Kapitalismus, groteske Kriegszustände und Rassismus gelesen werden. Schließlich ist Romeros Erfindung keine Willkür; vielmehr ein Zeugnis der aufgewühlten 60er Jahre. Das macht den Film besonders. So oder so ist „Die Nacht der lebenden Toten“ perfekt durchdachter und herrlich gemeiner Horror für die Ewigkeit.

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