Die Verachtung

Filmposter Die Verachtung

6/10

Originaltitel: Le Mépris
FR, IT | 1963 | ca. 103 Min. | FSK: ab 6
Drama, Liebesfilm, Romanadaption
Regie: Jean-Luc Godard
Drehbuch: Jean-Luc Godard
Besetzung: Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Fritz Lang u.a.
Kinostart: 29.08.02
DVD/Blu-Ray VÖ: 03.12.02/18.09.09

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Ein amerikanischer Produzent lädt den Drehbuchautor Paul Javal und dessen schöne Frau Camille zu sich ein, um über ein von Fritz Lang dirigiertes Filmprojekt zu sprechen, das umgeschrieben werden soll. Der Produzent nähert sich Camille ungeniert an. Da Paul nichts dagegen unternimmt, wird Camilles Bild von ihrem Gatten erschüttert. Genau wie das Filmprojekt finden sich die beiden in einer Krise wieder.

Wie ist der Film?

Jean-Luc Godard, wichtiger Vertreter der französischen Stilrichtung Nouvelle Vague, welche sich ab Ende der 50er gegen die öden Konventionen des kommerziellen Kinos zur Wehr setzte, drehte mit „Die Verachtung“ einen schlichten und doch schwierigen Film, der seine Handlung benutzt, um vielerlei Botschaften und Meinungen sowie Frustrationen in Form von Seitenhieben zu verbreiten. Es ist ein Film mit Film im Film, über Film, aber auch über Liebe; mal satirisch, mal autobiografisch, mal eine Hommage und mal eine Parabel.

Die Verwendung von Sexgöttin Brigitte Bardot sichert dem Film seinen Bekanntheitsgrad; zur Unterhaltung ist er jedoch ungeeignet. Godards betont unkonventionelle Bildsprache ist die Hauptattraktion. In meist beobachtender Perspektive und langen Einstellungen schleicht man mit den Darstellern herum und gleitet hin und her. Am gelungensten findet dieser Stil im Mittelteil Verwendung, wo eine komplette Liebesbeziehung portraitiert wird, indem die Kamera bemerkenswert konsequent – eine halbe Stunde am Stück! – die Frau und den Mann in ihrer Wohnung begleitet, hin- und hergeworfen zwischen An- und Ausziehen, Streit und Versöhnung, Liebe und Verachtung.

Die titelgebende Verachtung bedeutet sowohl die Verachtung einer von ihrem (Ex-) Geliebten enttäuschten Frau als auch die Verachtung des Regisseurs gegenüber der kommerziellen Hollywood-Filmindustrie. Letztere ist hier personifiziert in einem arroganten amerikanischen Produzenten, dessen Darstellung besonders wirkungsvoll gelang, da er, in Italien, umgeben von Franzosen, als schonungsloser Störenfried in der italienisch-französischen Ästhetik besonders unsympathisch herauskommt. Das Verachtungs-Thema ist gewürzt mit einer seltsamen Verbeugung vor Regielegende Fritz Lang. Seltsam weil er selbst auftritt und sich selbst spielt, über seine eigenen Filme spricht und außerdem als Sprachrohr für Godards Lieblingszitate und sonstige Ergüsse fungiert.

Die verschiedenen Komponenten finden zusammen in einem ereignisarmen aber bedeutungsschwangeren Film, dominiert von einer ausgeklügelten Kameraarbeit und einem kurzen, immer wiederkehrenden musikalischen Thema, das die Melancholie im Repeat-Modus bedient. Auf der einen Seite ist „Die Verachtung“ ein wirklich geschickter Experimentalfilm, auf der anderen Seite ein selbstverliebtes Stück intellektueller Kunst von einem Künstler für Künstler, und solche, die es gerne wären.

Dass die Bardot nur deshalb so oft nackt zu sehen ist, weil Godard die nervigen Bitten der vor Misserfolg an den Kinokassen geängstigten Produzenten ironisch überspitzt erfüllte, ist eine Info, die einem zugespielt werden muss. Mit diesem Zusatzwissen kann der Film noch einen Extrapunkt gewinnen, bleibt aber dennoch eine harte Nuss. Intelligent und hübsch anzusehen, aber, je nach Blickwinkel, genauso faszinierend wie einschläfernd.

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