Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben

Filmposter Dr. Seltsam

9.5/10

Originaltitel: Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb
GB | 1964 | 93 Min. | FSK: ab 12
Komödie, Satire, Kriegsfilm
Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick, Peter George, Terry Southern
Besetzung: Peter Sellers, George C. Scott, Sterling Hayden u.a.
Kinostart: 10.04.64
DVD/Blu-Ray VÖ: 11.12.01/05.06.09

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

US-Air-Force-General Jack D. Ripper ist davon überzeugt, dass die Russen sich gegen Amerika verschworen haben und das Trinkwasser verunreinigen. Seine Paranoia treibt ihn dazu, auf eigene Faust mit Atombomben beladene B-52 Bomber zur Sowjetunion zu schicken. Nur er kennt den Rückruf-Code und denkt nicht daran, ihn dem fassungslosen Captain Mandrake, mit dem sich Ripper in seinem Büro einschließt, zu verraten. US-Präsident Muffley erfährt von dem folgenschweren Plan erst, als es schon fast zu spät ist. Der geheimnisvolle Rollstuhlfahrer Dr. Seltsam, der mit dem Präsidenten im „War Room“ sitzt, weiß Rat.

Wie ist der Film?

In straffen 90 Minuten führt Stanley Kubrick die Zustände des Kalten Krieges und die Machtphantasien der männlichen Streitkräfte und Politiker mit treffsicherer Satire ad absurdum. Als der Regisseur sich für diesen Film erneut mit einem seiner Lieblingsthemen – Kritik am Krieg – auseinandersetzte und eine düstere Buchvorlage heranzog, sollte es eigentlich ein ernstes Drama werden, jedoch erkannte er den Wahnsinn und damit das Potential für schwarzen Humor in dem Stoff.

So holte sich Kubrick für sein Drehbuch den satirisch erfahrenen Co-Autor Terry Southern ins Boot und verfasste eine aberwitzige Komödie. Damit wird Kubricks Standpunkt noch viel deutlicher, und auch deutlich unterhaltsamer, denn das Publikum darf sich bei „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ immer wieder bedenkenlos lachend an den Kopf greifen.

Peter Sellers, Star und Träger des Films, meistert seine drei völlig verschiedenen Rollen fantastisch: Den besonnenen Briten Captain Mandrake, den leicht überforderten US-Präsidenten Muffley und den zwanghaften Wirrkopf Dr. Seltsam. Darüber hinaus laufen auch Geroge C. Scott als zappeliger General Turgidson und Slim Pickens als der patriotische Texaner Major „King“ Kong zu Höchstleistungen auf. Die vielen schrägen Figuren agieren in wenigen, dafür aber brillant designten Sets – allen voran der „War Room“ im Pentagon, von dem viele Menschen seither glauben, dass es ihn wirklich gibt, oder auch die für erschreckend originalgetreu befundene Nachbildung des streng geheimen Innenlebens eines B-52 Bombers.

„Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben“ ist eine trotz mancher aufwändiger Komponenten verhältnismäßig schlicht gehaltene, haarsträubende Geschichte, die von Kubrick genauso absurd wie wahrscheinlich vermittelt wird, strotzend vor gewitzten politischen und sexuellen Anspielungen, pfiffiger Musikauswahl sowie einigen urkomischen Details, zusammengehalten von brillanter Schauspielerei – besonders die Darstellung des Improvisationskünstlers Peter Sellers. Nicht umsonst ist der Film in so vielen Bestenlisten weit oben vertreten. Es ist Kubricks bis dato aussagekräftigster, genialster Streich und nichts Geringeres als der König der Kriegssatire.

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