Edward mit den Scherenhänden

Filmposter Edward mit den Scherenhänden

7/10

Originaltitel: Edward Scissorshands
USA | 1990 | ca. 100 Min. | FSK: ab 6
Drama, Komödie, Fantasy
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Caronline Thompson, Tim Burton
Besetzung: Johnny Depp, Winona Ryder, Dianne Wiest, Anthony Michael Hall, Kathy Baker, Alan Arkin, Vincent Price u.a.
Kinostart: 18.04.91
DVD/Blu-Ray VÖ: 01.11.01/31.10.07

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Eine Großmutter erzählt ihrer Enkelin eine Geschichte: Die Kosmetikverkäuferin Peg stiefelt von Tür zu Tür, doch niemand kauft ihre Produkte. Da versucht sie es kurz entschlossen im finsteren Schloss auf dem Hügel am Stadtrand. Dort begegnet sie Edward, einem künstlich erschaffenen Menschen, dessen Erfinder starb, bevor er ihn fertig stellen konnte, weshalb Edward riesige Scheren anstelle von Händen hat. Peg nimmt den einsamen Edward in ihre Familie mit auf. Dort glänz er mit seinen besonderen Talenten, hat aber auch mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Wie ist der Film?

Es ist geradezu frech, wie enorm kindlich-naiv die Handlung von „Edward mit den Scherenhänden“ präsentiert wird. Natürlich darf bei einem Fantasyfilm mal auf Plausibilität verzichtet werden und man sagt dann „Da ist das halt so.“, aber bei „Edward mit den Scherenhänden“, wo die Märchenelemente um den künstlichen Menschen auf eine ans wahre Leben angelehnte, wenn auch leicht verzerrte, überzeichnete Vorstadtidylle treffen, wird man regelrecht für dumm verkauft. Beginnt man die Grundsituation (schwarzes, gotisches Schloss auf einem großen Hügel direkt am Rande einer pastellfarbenen Vorstadt etc.) und die Beweggründe einiger Figuren logisch zu hinterfragen, zerfällt das Story-Gerüst.

Burton kümmert sich bei seiner Erzählung nicht um Fragen wie „Warum?“ bzw. „Warum nicht?“. Damit kann man sich angesichts der prächtigen Ideen und der einnehmenden Atmosphäre im Film durchaus anfreunden. Heikel wird es nur, wenn auffällt, dass die Gefühle der Hauptfiguren (füreinander) nur angedeutet, minimalistisch begründet werden. Auch das Ende ist wunderschön traurig, geht aber eben auch wieder der Beantwortungen von Fragen aus dem Weg. Hier kommt es nun mal auf die Optik und die Intention an.

In dieser ersten Zusammenarbeit von Tim Burton und Johnny Depp (gefolgt von „Ed Wood“, „Sleepy Hollow“, „Charlie und die Schokoladenfabrik“, „Corpse Bride“, „Sweeney Todd“ und „Alice im Wunderland“) lässt sich der typische Burton-Stil schon gut erkennen, nur ohne die massive Computer-Nachbearbeitung seit „Sleepy Hollow“. In „Edward mit den Scherenhänden“ gelingt die leicht surreale Atmosphäre fast allein durch schräge Kostüme und verzerrte Proportionen in den Sets. In Anbetracht von Burtons Gesamtwerk kommt dieser Film geradezu schlicht daher – und das in mehrerlei Hinsicht. So kommt es auch, dass Komponist Danny Elfman zum Erreichen der Wow-Effekte kräftig nachhilft.

„Edward mit den Scherenhänden“ ist (mit Anleihen von „Die Schöne und das Biest“) größtenteils eine Variante der „Frankenstein“-Geschichte, wie schon Burtons Kurzfilm „Frankenweenie“ (1984). Burton inszeniert wieder einmal eine Huldigung seiner Lieblingsfilme, so besetzte er auch Horror-Ikone Vincent Price („Die Fliege“) in der Rolle des Erfinders. Gleichzeitig ist es nach eigenen Angaben auch ein sehr persönlicher Film und enthält viele hübsch verpackte Botschaften über Isolation, Intoleranz, Liebe und Sehnsucht. Die Unterbringung der verschiedenen Themen wiegt hier eben mehr als die stringente Verknüpfung einzelner Handlungspunkte zu einem stimmigen Film. Und da es sich um eine Art Märchen handelt, wird da wohl fast jeder nochmal ein Auge zudrücken, wenn die selbigen nicht ohnehin geblendet sind von Burtons visueller Schaffenskraft, tüchtig angekurbelt von Elfmans pathetischer Chor-Musik, um die Emotionen zu verstärken. – Es funktioniert.

„Edward mit den Scherenhänden“ ist zu blauäugig um erzähltechnischer Kritik standzuhalten, aber hat das Herz am rechten Fleck. Der niedlichen Winona Ryder („Beetlejuice“) und dem tragikomischen Johnny Depp sieht man gern zu. Auch wenn Letzterer den Kindern im Publikum ungewollt richtig Angst einjagen kann – das alte Dilemma der Burtonschen Düsternis, die auf kindergerechte Gutenachtgeschichte trifft. Aber genau das lieben die (beachtlich oft weiblichen) Fans ja an diesem Regisseur.

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