Ein Prophet

DVD-Cover Ein Prophet

7/10

Originaltitel: Un prophète
FR | 2009 | ca. 150 Min. | FSK: ab 16
Drama
Regie: Jacques Audiard
Drehbuch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain, Abdel Raouf Dafri, Nicolas Peufaillit
Besetzung: Tahar Rahim, Niels Arestrup, Adel Bencherif u.a.
Kinostart: 11.03.10
DVD/Blu-Ray VÖ: 19.08.10

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © Sony Pictures Home Entertainment

Worum geht’s?

Malik, ein Franzose mit maghrebinischer Abstammung, kommt im Alter von 19 Jahren für eine sechsjährige Haftstrafe ins Gefängnis. Dort muss er schnell feststellen, dass das dortige System gänzlich von Korruption und Rassismus regiert wird. Gegen einen hohen Preis bietet César, ältester Gefangener und einflussreicher Anführer, Malik seinen Schutz an und integriert ihn als Helfer in seine korsische Bande. Nach und nach erarbeitet Malik sich Privilegien und wickelt irgendwann seine eigenen Geschäfte ab.

Wie ist der Film?

Der vielfach ausgezeichnete „Ein Prophet“ zeigt nicht mehr und nicht weniger als den Verlauf der Haftstrafe eines jungen Mannes, wo sich selbst die heiteren Momente in einem düsteren Rahmen abspielen. Die Hauptfigur Malik, mit der man die Hölle des Gefängnisses hautnah miterlebt, ist der einzige Sympathieträger, und das auch nur mit Aussetzern – schließlich ist Malik ein Verbrecher und im Gefängnis bleibt er es auch, immer skrupelloser, um sich sein Leben zu erleichtern. „Ein Prophet“ ist ein fast durchgehend unangenehmer Film und kann dadurch mit seinen zweieinhalb Stunden durchaus als etwas zu lang bezeichnet werden.

Szenenbild Ein ProphetHandwerklich ist der komplett mit Handkameras gefilmte „Ein Prophet“ bis auf wenige Momente schlicht, aber sehr kompetent und angenehm dynamisch. Die Charaktere sind außerordentlich authentisch gespielt; hervorzuheben ist neben Hauptdarsteller Tahar Rahim in erster Linie die Leistung von Niels Arestrup („Schmetterling und Taucherglocke“) als Gangsterboss, der den Klischee-Schubladen gerade noch entgeht.

Da merkt man es – es ist nicht leicht, mehr über „Ein Prophet“ zu erzählen ohne sich in Inhaltsangaben zu verlieren. Hintergründe – wie z.B. die Gründe, warum die Hauptfiguren eigentlich ins Gefängnis mussten – werden konsequent verschwiegen. Die sechste Regiearbeit des Autorenfilmers Jacques Audiard schaut nur nach vorne und beschränkt sich auf die Studie der Männerwelt hinter Gittern, wo katastrophale Zustände herrschen. Hinzu kommen nur die gelegentlichen Freigänge, die keineswegs Freiheit bedeuten.

Zwar lässt sich der Mikrokosmos Gefängnis als Bild für die Gesellschaft sehen, doch „Ein Prophet“ stellt bei der Erzählung der Geschichte einfach nur dar, ohne bewusst platzierte Denkanstöße, ohne Clou am Ende. Es bleibt ein geschickt und glaubhaft bebildertes, intensives, sorgfältiges aber auch ernüchterndes Drama über eine Erfolgsstory, die keine ist. Im Kern auch ein Mafiafilm, wie man ihn kennt, nur unter konsequentem Ausschluss des sonst dazugehörigen Glanzes.

„Ein Prophet“ musste sich bei der Vergabe des Oscars für den besten fremdsprachigen Film 2009 überraschend gegen den argentinischen Beitrag „In ihren Augen“ geschlagen geben. Rückblickend kann man diese Entscheidung zwar in Frage stellen, aber nicht wirklich reklamieren.

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