Eine wahre Geschichte – The Straight Story

Filmposter Eine wahre Geschichte – The Straight Story

7/10

Originaltitel: The Straight Story
USA, FR | 1999 | 111 Min. | FSK: ab 0
Drama
Regie: David Lynch
Drehbuch: John Roach, Mary Sweeney
Besetzung: Richard Farnsworth, Sissy Spacek, Harry Dean Stanton u.a.
Kinostart: 02.12.99
DVD/Blu-Ray VÖ: 18.12.00

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Der 73-jährige Alvin Straight lebt mit seiner Tochter in der ruhigen Kleinstadt Laurens, Iowa, und erfährt eines Tages, dass sein Bruder Lyle einen Schlaganfall erlitt. Schon seit vielen Jahren sind die Brüder entfremdet und zerstritten, doch nun spürt Alvin, dass er zu Lyle muss, bevor es zu spät ist. Da er aufgrund einer Sehschwäche keinen Führerschein besitzt, die Reise aber allein antreten will, benutzt er seinen Rasenmäher mitsamt Anhänger, in dem sich alles notwendige Gepäck befindet, um die Strecke von rund 390km zu Lyle nach Mount Zion, Wisconsin zurückzulegen.

Wie ist der Film?

Inmitten der verstörenden und heiß diskutierten Mystery-Thriller „Twin Peaks – Der Film“, „Lost Highway“ und „Mulholland Drive – Straße der Finsternis“ platziert Filmemacher David Lynch einen überraschend simpel gestrickten, bodenständigen Film. Da wundert es auch nicht, dass es der einzige seiner Spielfilme ist, zu dem er das Drehbuch nicht selbst verfasste. Der doppeldeutige Name ist bei „The Straight Story“ Programm: eine geradlinig erzählte, wahre Geschichte über Alvin Straight, der sich im Sommer 1994 tatsächlich auf seinen Rasenmäher schwang, um seinen Bruder im Nachbarstaat zu besuchen.

Obwohl „The Straight Story“ inhaltlich so gut wie gar nicht mit Lynchs anderen Werken vergleichbar ist, macht sich die Handschrift des Regisseurs dennoch dezent bemerkbar. Nur werden die schleichenden Kamerabewegungen diesmal nicht für das Erzeugen von Unbehagen, sondern für eine angenehm ruhige, friedliche, an den leisen Grundton der Geschichte angepasste Erzählweise genutzt. Die träumerische Musik von Angelo Badalamenti erinnert an die Titelmelodie der „Twin Peaks“-Folgen – da auch von ihm – und ist sehr schön geworden, nur wird das Thema vielleicht ein wenig ausgereizt, was nun mal auffällt, wenn ein Film praktisch ohne Action auskommt.

Richard Farnsworth („Misery“), der sich kurz nach Ende der Dreharbeiten wegen seines Krebsleidens erschoss, strahlt durch seine gebrechliche aber stets würdevolle Erscheinung ganz ohne große Gesten viel Sympathie aus und zieht den Film, wie er darin seinen Anhänger zieht. Daneben erwähnenswert bleibt nur noch Sissy Spacek („Badlands – Zerschossene Träume“) als geistig leicht behinderte Tochter.

„The Straight Story“ ist sehr romantisch, ohne ein Liebesfilm in klassischen Sinne zu sein. Dabei wird auch mal der Kitsch gestreift, da das Bild entsteht, grundsätzlich alle Leute, die man so trifft, seien liebenswerte Gesprächspartner. Nicht weiter schlimm. Das Beste ist, wie sich der Film unbekümmert Zeit für Menschen nimmt und mit Gefühl ein wenig in ihre Leben eintaucht, ohne Anspruch auf kalkulierte Zusammenhänge, angenehm frei von moralischen Zeigefingern, aber auch so, dass man etwas für sich herausziehen kann. Der rote Faden ist die Straße, der Weg das Ziel. Ein berührendes, gelungenes Roadmovie. Es zum Meisterwerk aufzuplustern, würde der Stimmung des Films gar nicht gerecht werden. Hier hat man schlichtweg eine entzückende Abwechslung im Lynch-Kosmos.

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2 Kommentare

  1. Wie es der Name schon sagt nach einer wahren Begebenheit und dann noch von David Lynch…
    Wer ihn kennt (ich liebe ihn) wird wohl etwas verwirrt sein, da man was total verschicktes erwartet und dies eigentlich unmöglich für ihn ist, finde den Movie aber sehr schön und bringt die Situation glaubwürdig über den Flimmerkasten… 😉

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