Ekel

Filmposter Ekel

6.5/10

Originaltitel: Repulsion
GB | 1965 | 105 Min. | FSK: ab 18
Thriller, Horror, Drama
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Roman Polanski, Gérard Brach
Besetzung: Catherine Deneuve, Ian Hendry, John Fraser u.a.
Kinostart: 07.07.65
DVD/Blu-Ray VÖ: 12.08.04

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Die schüchterne Maniküre Carol lebt mit ihrer älteren Schwester Helen in einer Londoner Wohnung. Carol wirkt zunehmend geistesabwesend und zurückgezogen. Einen jungen Mann, der ihr den Hof macht, weist sie mehrmals scheinbar grundlos ab. Michael, Helens ein- und auskehrender Freund, ist ihr überaus unangenehm. Als Helen und Michael verreisen und Carol einige Tage allein lassen, steigert diese sich in einen fatalen psychischen Zustand hinein.

Wie ist der Film?

Stilistisch irgendwo zwischen der jugendlichen Experimentierfreude der Nouvelle Vague („Außer Atem“, „Sie küßten und sie schlugen ihn“) und dem Hitchcockschen Suspense-Kino („Im Schatten des Zweifels“, „Psycho“) inszeniert Roman Polanski mit seinem ersten englischsprachigen Film einen Albtraum, der unscheinbar beginnt und sich dann immer weiter zuspitzt. „Ekel“ ist einer dieser Filme, die im Grunde nur daraus bestehen, auf ihr Finale hinzuarbeiten. Das Finale bietet dann keine wirkliche Überraschung mehr, so bleibt nur, sich an der Atmosphäre, den Effekten und vielleicht noch der Attraktivität der Hauptdarstellerin zu ergötzen.

Irgendetwas liegt in der Luft, ist von Anfang an faul – das weiß Polanski gekonnt subtil in Szene zu setzen, bis er sich schließlich zu wirkungsvollen Erschreck-Momenten und einfallsreichen Horror-Szenarien steigert. Mit ein wenig Geduld gewinnt diese Machart durchaus eine gewisse Faszination, für die einen mehr, für die anderen weniger. „Ekel“ ist eine Schritt-für-Schritt-Dekonstruktion einer menschlichen Psyche, die man so hautnah miterlebt, dass Realität und Wahn verschmelzen. Nur dadurch, dass die einzelnen bizarren Sequenzen und Ideen Polanskis oft recht holprig aneinandergereiht sind, statt einen Fluss zu bilden, wird die Sogwirkung des Grauens leider ein stückweit geschmälert.

Polanski hätte mit seiner Geschichte „Ekel“ so viel erzählen können, über einen Blick auf die Gesellschaft hinter ihrer Fassade und über die widerwärtigen Aspekte von Männlichkeit und Weiblichkeit, da der Film mit allerlei Symbolik gespickt ist. Doch Polanski tut es letztendlich nicht. Er spekuliert vor allem auf den reinen Schock, den Grusel, und die Symbole bleiben weitestgehend nur Bilder. Dass die Handlung ohne Zeigefinger, Kommentare und Erklärungen bleibt, was ja eigentlich eine nachhaltige Publikumswirkung fördert, ist damit Vorteil und Nachteil zugleich.

Was bleibt, ist ein handwerklich origineller Psychothriller mit einer faszinierenden Catherine Deneuve (später eine der „8 Frauen“), die für die Betrachtenden gekonnt den Bogen von Sympathie über Skepsis bis hin zu Entsetzen spannt, und mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren, die längst schon auf FSK 16 hätte heruntergestuft werden müssen. Dieser erste Teil von Polanskis „Mieter-Trilogie“ über das psychische Grauen in der eigenen Wohnung, gefolgt von „Rosemaries Baby“ (´68) und „Der Mieter“ (´76), war damals sicherlich mutig, zutiefst verstörend und teilweise bahnbrechend und ist heute noch ein wichtiger Genrebeitrag, nur leicht eingestaubt, außer natürlich für den Polanski-Fanclub.

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