Fack ju Göhte

DVD-Cover Fack ju Göhte

5.5/10

Originaltitel: Fack ju Göhte
DE | 2013 | 118 Min. | FSK: ab 12
Komödie
Regie: Bora Dagtekin
Drehbuch: Bora Dagtekin
Besetzung: Elyas M’Barek, Karoline Herfurth, Katja Riemann u.a.
Kinostart: 07.11.13
DVD/Blu-Ray VÖ: 08.05.14

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © Constantin Film

Worum geht’s?

Zeki Müller wird nach längerer Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen und begibt sich auf die Suche nach einer versteckten Geldbeute, um eine offene Rechnung zu begleichen. Dummerweise steht genau dort, wo das Geld vergraben wurde inzwischen die neue Turnhalle der Goethe-Gesamtschule. Zeki will sich als Hausmeister bewerben, um an das Geld zu kommen, schliddert stattdessen aber in eine Aushilfsstelle als Lehrer. Mit seinen ganz eigenen Methoden mischt der ungebildete Ganove seine Problemklasse gründlich auf und imponiert vor allem der Kollegin Elisabeth Schnabelstedt.

Wie ist der Film?

Szenenbild Fack ju GöhteLaut, bunt und hektisch inszeniert erweist sich „Fack ju Göhte“ schon ab der ersten Minute als Spaß mit dem Holzhammer. Durch penetranten Soundtrack-Einsatz und gnadenlos überzeichnete Figuren wird jeder Witz quasi doppelt erklärt, damit ihn auch der/die letzte „Jugendliche aus bildungsfernen Schichten“ versteht. Dass sich die Farce vor allem an die junge YouTube-Generation richtet, ist offensichtlich, doch funktioniert sie auch für den Rest der breiten Masse. Es ist bedenklich, aber auch nachvollziehbar, dass „Fack ju Göhte“ sich zum erfolgreichsten deutschen Kinofilm seit rund zehn Jahren mauserte. Irgendwo tief drin gibt es ein Herz und stellenweise einen wahren Kern. Der Humor ist dabei dermaßen direkt und albern, dass man sich wenigstens auf eine ironische Art darüber amüsieren kann.

Passend zur Handlung sind Elyas M’Barek („Der Medicus“) und Karoline Herfurth („Vincent will Meer“) in den Hauptrollen wenig mehr als Karikaturen. Schade, weil die beiden eigentlich viel besser sind als das, was sie da spielen müssen. Katja Riemann hingegen überzeugt eine Spur feinsinniger in der Rolle der abgebrühten Schulleiterin. Sympathisch: der Auftritt von Uschi Glas als unerwartet hintergründige Hommage an die Paukerfilme der 60er und 70er Jahre. Lob gebührt schließlich den Jungtalenten, die sich das ‚Asi-Image‘ teilweise erstaunlich gut angeeignet haben. Nicht ganz zu Unrecht hat die Figur Chantal Kultpotential. Leider ungenutzt bleibt all das Potential für echte Sozialkritik, welches die Problemkind-Charaktere bieten.

Immerhin: Wäre „Fuck ju Göhte“ nicht dermaßen abgehoben erzählt, würde die Kernzielgruppe die enthaltenen Anregungen zu Vandalismus und vielen anderen Ordnungswidrigkeiten womöglich für bare Münze nehmen. Was Regisseur und Autor Bora Dagtekin („Türkisch für Anfänger“) da veranstaltet, ist Pseudoanarchismus, denn sein an den Haaren herbeigezogener Plot gibt sich vordergründig rotzfrech, fährt dramaturgisch aber in festen, altgedienten Bahnen. Was passiert, wird niemanden überraschen. Nur das knackige Ende wurde vergessen; irgendwann setzt plötzlich der Abspann ein.

„Fack ju Göhte“ verzichtet weitgehend auf die große Moralkeule gen Ende und bleibt sich dadurch als seichte Proll-Unterhaltung selbst treu. Viele Sprüche wirken arg aufgesetzt, doch Zeilen wie „Chantal, heul leise!“ sind nichtsdestotrotz treffsicher. Hoffentlich orientieren sich zukünftige Sehgewohnheiten nicht zu sehr an grellen Schnittfeuerwerken wie dem von Dagektin, sonst wird Kino zur Kinderdisco. Allerdings ist diese ambitionierte deutsche Produktion immer noch stilsicherer als die Til-Schweiger-Epilepsie à la „Kokowääh“. „Fack ju Göhte“ ist schamlos kalkulierte, formal wie inhaltlich fragwürdige, doof gespielte, aber interessant besetzte und temporeiche Blödelei – zum feierabendlichen Abschalten vertretbar.

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1 Kommentar

  1. Das ist mal wieder ein richtig lustiges Lustspiel mit sympathisch eindimensionalen Figuren und diesem leicht anarchischen Humor, der perfekt zum Tatort Schule passt. Schule kennt ja jeder. Erfreulich ist, das auch dem Macho-Verbrecher-Lehrer und Ober-Checker nicht alles glückt – wie es aus meiner Lehrerfahrung (als Oberchecker… hihi) nur realistisch ist. Alles gut, alles gelungen. (Es ist natürlich klar, dass Chantal ‚Ackermann‘ eine Anspielung auf ‚Die Feuerzangenbowle‘ ist, oder?)

    Mehr zum Film unter: http://friendly101.blogspot.de/2014/07/fack-ju-gohte.html

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