Fanfiction – Albernes Hobby oder die Zukunft des Kinos?

Fanfiction, Spock und KirkFanfiction bezeichnet literarische Werke über bekannte fiktionale Figuren oder Prominente, die nicht von offizieller Seite, sondern eben von Fans stammen. Die Autorinnen und Autoren flüchten sich dabei in grenzenlose Fantasiewelten mit ihren Lieblingscharakteren. Auf diese Weise entstehen teils kurze Artikel, teils ganze Bücher. Aus offensichtlichen Urheberrechtsgründen bleibt Fanfiction meist in kleinen Insiderkreisen. Star Trek Fanzines mit unautorisierten Geschichten über Spock & Co machten Fanfiction in den 60er Jahren populär. Einen echten Boom erlebt das Phänomen aber erst, seit jeder Hobbyschreiberling seine Texte ins Internet stellen kann. Dort tummeln sich viele Archive voller Fantexte – mal mehr, mal weniger aufwändig, von unterschiedlichster Schreibqualität.

Ein Millionenpublikum wartete Mitte der 90er darauf, dass es zwischen Mulder & Scully in „Akte X“ endlich funkt. Um die Sache zu beschleunigen, schrieb so mancher Fan die Romanze einfach selbst. Heute funkt es zum Beispiel zwischen Harry Potter und Draco Malfoy. Vom Romanhelden bis zum YouTube-Star ist keine Berühmtheit vor Fanfiction gefeit. Das meiste spielt sich allerdings im Film- und TV-Bereich ab. Logik ist nicht entscheidend. Obwohl dem Inhalt keine Grenzen gesetzt sind, zielt ein Großteil von Fanfiction auf (verbotene) Liebe oder Pornografie ab. Die Geschichten dienen als Ventil, um alle möglichen Fetische – zumindest gedanklich – auszuleben. Oft baut man sich gleich selbst in den Text ein. Oder man „korrigiert“ einfach nur das doofe Ende seiner Lieblingsserie.

Anne Rice („Interview mit einem Vampir“) sprach sich ausdrücklich gegen Fremdtexte über ihre Figuren aus, während andere Schöpfer von Originalwerken Fanfiction entspannt betrachten. Schriftstellerin Melissa Good schrieb derart populäre Fanfiction zu „Xena“, dass die Produzenten der Fernsehserie sie einluden, um Drehbücher für die sechste Staffel zu verfassen. Das erhebliche Potential von Fanfiction wird spätestens durch E. L. James deutlich. Sie bloggte ab 2009 Fanfiction zur „Twilight“-Saga, aus der nach diversen Änderungen der Welterfolg „50 Shades of Grey“ hervorging.

Fanfiction ist seit ein paar Jahren populärer denn je. Webseiten wie der Hörbücherblog berichten öfter über das Phänomen und erklären zum Beispiel, wie man selbst Fanfiction schreibt. Kritische Stimmen werfen den Fans ein Mangel an eigenen Ideen sowie Missachtung der Originale und Urheberrechte vor. Andererseits kann Fanfiction helfen, Menschen überhaupt erst an das kreative Schreiben heranzuführen, um später vielleicht eigene Figuren zu entwickeln. Und dass Fanfiction sich manchmal in ‚Original-Fiction‘ verwandeln kann, wurde ja bereits bewiesen.

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