Gegen die Wand

Filmposter Gegen die Wand

6.5/10

Originaltitel: Gegen die Wand
DE | 2004 | ca. 116 Min. | FSK: ab 12
Drama, Liebesfilm
Regie: Fatih Akın
Drehbuch: Fatih Akın
Besetzung: Sibel Kekilli, Birol Ünel, Catrin Striebeck u.a.
Kinostart: 23.09.04
DVD/Blu-Ray VÖ: 11.03.04

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter | film zeit

Worum geht’s?

Hamburg. Der verwitwete und verwahrloste Deutsch-Türke Cahit rast eines Nachts mit dem Auto ungebremst gegen eine Wand. Im Krankenhaus lernt er die junge Sibel kennen, die ebenfalls einen Suizidversuch hinter sich hat. Sie bittet Cahit, mit ihr eine Scheinehe einzugehen, da ihre konservativen türkischen Eltern ihn aufgrund seiner Herkunft akzeptieren würden. Nach anfänglicher Ablehnung willigt Cahit schließlich ein und lässt Sibel bei sich einziehen. Sibel kann nun endlich so frei und zügellos leben, wie sie es immer wollte. Doch Cahit beginnt nach und nach, echte Gefühle für sie zu entwickeln.

Wie ist der Film?

In diesem, seinem vierten Spielfilm widmet sich der außerordentlich erfolgreiche Nachwuchsregisseur Fatih Akın ganz besonders dem Thema, über das wohl kein zweiter in seiner Branche besser Bescheid weiß: Der ‚Clash of Cultures‘ zwischen Deutschland und Türkei – von beiden Seiten aus gleichermaßen beleuchtet; Identitätskrisen, innere Zerrissenheit und die Reibung zwischen Tradition und Freiheitsdrang. Das alles bettet Akın in eine Liebesgeschichte ein, die allerdings zu düster und viel zu energiegeladen ist, um einfach nur als Liebesgeschichte bezeichnet zu werden.

Sibel Kekilli, die praktisch von der Straße weg für die Hauptrolle engagiert wurde, nachdem sie sich gegen rund 350 Mitbewerberinnen durchgesetzt hatte, legt in ihrem Kinofilmdebüt eine irgendwie faszinierende Ausstrahlung an den Tag und hat auf der Leinwand viel Präsenz. Gerade ihre nicht vorhandene Schauspielerfahrung macht ihren Charme aus. Dass Akın sein Drehbuch untypischerweise chronologisch verfilmte, kommt besonders ihr zugute und untermauert sowohl die Entwicklung ihrer Figur als auch ihre Entwicklung als Darstellerin. Profi Birol Ünel, der glänzend in seine Rolle passt und schlichtweg den Begriff ‚abgefuckt‘ definiert, harmoniert mit ihr, indem er nicht mit ihr harmoniert.

„Gegen die Wand“ gibt sich mit den Handkameras, Achsensprüngen und einer fast penetranten Soundtrack-Flut sehr impulsiv, dynamisch, wild und hochemotional bis ins Groteske. Ein Film, der sich bei seinem Streben nach Schonungslosigkeit und Authentizität regelrecht überschlägt, was sich nicht nur in den teils unnötig expliziten Nackt- und Gewaltszenen äußert. Ein intensives, drogengetränktes, interessant gespieltes Drama, das im letzten Viertel einer befremdlichen Tempodrosslung unterliegt. Akın erzählt in seiner nach eigenen Angaben bis dato persönlichsten Arbeit von Weiterentwicklung und Selbstzerstörung. Erfrischend unparteiisch arbeitet er dabei die Tragik der Unvereinbarkeit zweier Welten – hier repräsentiert von Hamburg und Istanbul – heraus.

In dieser sehr lauten Geschichte fällt es nicht leicht, die leisen Töne, mit denen sich die Liebe zwischen den Hauptfiguren entwickelt, wahrzunehmen und zu schätzen. Akın inszeniert „Gegen die Wand“ als Sturm-und-Drang-Regisseur. Da muss sich nicht alles von selbst verstehen (etwa die teilweise überflüssig wirkende Kapiteleinteilung in Form musikalischer Intermezzi). Da wird auch mal zu Klischees gegriffen, die allerdings in aufgeweckten Ideen verkochen, bevor es zu abgedroschen wird. „Gegen die Wand“ ist ein fast hypnotischer Trip, der vielleicht noch mehr hätte aussagen können, wäre er etwas geerdeter.

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