Geständnisse

Filmposter Geständnisse

8.5/10

Originaltitel: Kokuhaku
JP | 2010 | ca. 106 Min. | FSK: ab 16
Psychothriller, Drama
Regie: Tetsuya Nakashima
Drehbuch: Tetsuya Nakashima
Besetzung: Takaku Matsu, Yoshino Kimura, Masaki Okada u.a.
Kinostart: 28.07.11
DVD/Blu-Ray VÖ: 18.11.11

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © Rapid Eye Movies

Worum geht’s?

Klassenlehrerin Frau Moriguchi verkündet der wilden Schülerschar, dass sie ihren Beruf Ende des Monats niederlegen wird. Sie erzählt vom Tod ihrer vierjährigen Tochter, deren Leiche in einem Swimmingpool nahe der Schule gefunden wurde, und enthüllt, dass es sich bei den beiden Mördern um Schüler ihrer Klasse handelt. Ihr Racheplan, welcher von ‚Schüler A‘ und ‚Schüler B‘ sehr unterschiedlich aufgenommen wird, ist bereits in Gang gesetzt.

Wie ist der Film?

Vergeltung – ein simples wie effektives Thema, das fester Bestandteil der japanischen und koreanischen (Film-) Kultur ist, erscheinen aus dortigen Gefilden doch seit Jahrzehnten, mit anhaltender Beliebtheit und weitreichendem Einfluss brutale Rache-Epen, von „Lady Snowblood“ bis „Oldboy“, „I Saw the Devil“ & Co. Unter diesem Deckmantel entfaltet sich „Geständnisse“, mehr auf der psychischen Ebene als die anderen genannten Genrevertreter, zu einem ungeahnt vielseitigen, tiefsinnigen, ästhetischen Sog, der zum faszinierendsten gehört, was man 2011 im Kino erleben konnte.

Szenenbild GeständnisseInmitten des ach so disziplinierten Schulsystems entführt Regisseur Tetsuya Nakashima schonungslos zynisch in tiefe Abgründe und erzählt weit entfernt von Hollywood von schmerzlichem Liebesentzug sowie der verrohten Jugend, wenn nicht gar vom Untergang der Kindheit. Es ist ein Film voller Verlorener. Die Charaktere sind entweder zu naiv, um das Leben zu verstehen, oder wissen zu viel, um es ertragen zu können. So begegnen sich Schüler und Lehrer in erschreckender und ungewohnter Weise auf Augenhöhe, und man weiß nicht, welche der beiden Parteien sich dafür herabgelassen oder hochgearbeitet hat.

Kaum ein Film feuert so viele Wendungen nacheinander ab, ohne dass das Stilmittel zur Farce wird, und kaum ein Film bedient sich dermaßen vieler schöner Zeitlupen, ohne auch nur im Geringsten ein straffes Erzähltempo zu vernachlässigen. Die Romanadaption ist eine überaus inspirierte Umsetzung des klassischen Rachemotivs, geschickt aufgeteilt in mehrere Erzählstränge, deren Enthüllungen die Geschichte immer weiter hochschaukeln, mit spannenden visuellen Effekten und einem traurig-stimmungsvollen Soundtrack, darunter der inflationär aber wirkungsvoll eingesetzte Song „Last Flowers To The Hospital“ von Radiohead.

„Geständnisse“ ist ein sehr japanisch gespielter und inszenierter Film, also gewöhnungsbedürftig. Man kann ihn durchaus pathetisch und überinszeniert nennen. Doch die Faszination sollte überwiegen, schließlich sind die kalte Grundstimmung und die absolute Unvorhersehbarkeit immer sehr präsent, schließlich verhalten sich die fulminant komponierten Bilder stimmig zu der zugunsten vieler Überraschungen sprunghaften, verwobenen Erzählstruktur. Ein herrlich gemeines, wunderschön düsteres, kleines Meisterwerk zwischen pechschwarzer Komödie, Drama, Horror und Psychothriller.

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