Glaubensfrage

Filmposter Glaubensfrage

7/10

Originaltitel: Doubt
USA | 2008 | 104 Min. | FSK: ab 6
Drama, Theateradaption
Regie: John Patrick Shanley
Drehbuch: John Patrick Shanley
Besetzung: Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams, Viola Davis u.a.
Kinostart: 05.02.09
DVD/Blu-Ray VÖ: 16.07.09

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

St. Nicholas, eine katholische Privatschule in der Bronx, 1964. Schwester Aloysius Beauvier regiert als Direktorin mit strenger Hand und schüchtert fast ihr ganzes Umfeld ein. Pater Brendan Flynn jedoch plädiert für ein moderneres Schulsystem. Er kümmert sich auch um den ersten farbigen Schüler in St. Nicholas, der sich täglich den Schikanen von Mitschülern aussetzen muss. Eines Tages haben einige Schwestern Grund zur Annahme, dass Pater Flynn sich an dem Jungen vergangen hat. Die Direktorin ist von seiner Schuld überzeugt. Nur die junge Schwester James ist hin und her gerissen.

Wie ist der Film?

Zu den prächtigen, bunten Werken von epischer Länge gesellt sich mit „Glaubensfrage“ (Originaltitel: „Doubt“ = Zweifel) ein sehr schlichter Film zu den Nominierten für den Oscar 2009, welcher durchaus auch Beachtung verdient hat. Das eigentlich sehr brisante Thema des Films wird allerding nur oberflächlich behandelt, wodurch fast nur noch eines übrig bleibt: das Vergnügen an einem hervorragenden Schauspielensemble.

Meryl Streep glänzte schon in „Der Teufel trägt Prada“ als strenge Chefin, in „Glaubensfrage“ zwar mit deutlich weniger Modebewusstsein, aber nicht weniger überzeugend. Philip Seymour Hoffman gibt einen fantastischen Geistlichen ab. Die Bestürztheit in seiner Mimik angesichts der Vorwürfe gegen ihn, und die Leidenschaft, mit der er diskutiert, sind brillant, da er sehr ausdrucksstark spielt, aber nie zur Übertreibung neigt. Seine sehr hörenswerten Predigten gehören zu den besten Momenten des Films. Da denkt man fast darüber nach, mal öfter in die Kirche zu gehen.

Amy Adams stellt, nach dem Prinzessinnenauftritt in „Verwünscht“, ihr Können eindrucksvoll unter Beweis, indem sie die unschuldige Schwester James verkörpert, der man ansieht, wie sie innerlich ständig mit sich selbst ringt. Sonst bleibt nur noch Viola Davis zu erwähnen, die im Grunde genommen nur eine einzige Szene beherrscht, aber für ihre Rolle, genau wie alle anderen oben genannten Darsteller, eine Oscar-Nominierung erhielt. Das spricht für sich.

Schön ist, dass auch das Publikum zum Zweifeln gebracht wird – ein weiterer Grund, an der Geschichte festzuhalten. Stellenweise weiß einfach niemand, was man glauben soll und was nicht; darin liegt die dezente Spannung in „Glaubensfrage“. Eine große Auflösung darf man aber auch nicht erwarten, das Ende fällt unspektakulär aus und wirkt etwas verbraucht. Regisseur und Autor John Patrick Shanley scheint gänzlich auf den Appell zur Reflexion über die Geschichte zu setzen.

Shanley bringt gekonnt sein eigenes Bühnenstück auf die Leinwand. „Glaubensfrage“ ist definitiv kein Muss, aber ein großartig gespieltes, kleines Drama mit einigen Denkanstößen zu immer aktuellen ethischen Themen. An sich bieten der Inhalt und die Figuren nichts Neues, doch die Inszenierung macht den Film, fast zweifellos, sehenswert.

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