Halloween – Die Nacht des Grauens

Filmposter Halloween - Die Nacht des Grauens

7.5/10

Originaltitel: Halloween
USA | 1978 | 91 Min. | FSK: ab 16
Horror, Thriller
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter, Debra Hill
Besetzung: Donald Pleasence, Jamie Lee Curtis, P.J. Soles u.a.
Kinostart: 06.07.79
DVD/Blu-Ray VÖ: 31.03.03

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Die Kleinstadt Haddonfield an Halloween, 1963. Der sechsjährige Michael Myers ersticht seine Schwester, woraufhin er in eine Heilanstalt eingeliefert wird. Obwohl sein Psychiater Dr. Loomis in ihm das pure Böse sieht, kommt Myers im Alter von 21 Jahren wieder auf freien Fuß – er bricht aus. Nach 15 Jahren, wieder zu Halloween, kehrt Myers in seine Heimatstadt zurück. Er trägt eine weiße Maske, bewaffnet sich mit einem großen Küchenmesser und lauert der Schülerin Laurie Strode auf. Loomis versucht fieberhaft, Michaels Spur aufzunehmen, doch der kranke Mörder ist nicht zu stoppen.

Wie ist der Film?

John Carpenters „Halloween“ ist wieder so ein Film, den man vor allem wegen seines Verdienstes an die Filmwelt schätzen muss. Er war der Auslöser für die kommerziell unheimlich erfolgreiche Welle eines neuen Subgenres. Die Versatzstücke, aus denen „Halloween“ besteht, gab es allesamt schon in früheren Werken – Alfred Hitchcocks „Psycho“ (1960) gab den entscheidenden Impuls, Filme wie Wes Cravens ‚rape-and-revenge‘-Urgestein „Das letzte Haus links“ (1972) oder Tobe Hoopers Kettensägenmassaker von Texas (1974) lieferten die grundlegenden Elemente. Doch „Halloween“ ist offiziell der erste Film, der alles zu einem Goldrezept zusammensetzte und den sogenannten Slasher-Film begründete.

„Halloween“ schuf mit einem selbst für damalige Verhältnisse geringen Budget dank John Carpenters Geschick einen enorm effizienten Horrorfilm und etablierte damit die Regeln des Subgenres, nach denen in fast sämtlichen Schlitzerfilmen der Folgejahre gehandelt wird, die zum Teil bis heute gelten und die im satirischen Slasher-Comeback „Scream“ (1996) so treffend auf den Punkt gebracht werden: Sex bedeutet Tod, wer sagt „Ich komm‘ gleich wieder“ kommt nicht wieder und so weiter.

Nur weil man in etwas der erste ist, muss man deswegen noch lange nicht unantastbar und unübertrefflich sein. In „Halloween“ geht es um die starken Ideen, sodass fast sämtliche Kritiker über die kleinen Schnitzer in deren technischer Umsetzung großzügig hinwegsehen. Im Prolog starren Michaels soeben angekommene Eltern den Kleinen mit dem blutigen Messer in der Hand ganze 20 Sekunden lang einfach nur an, statt irgendetwas zu tun. – Das ist völlig unglaubwürdig, sieht aber eben verdammt eindrucksvoll aus, wenn die Kamera von diesem praktisch eingefrorenen Bild langsam wegfährt. Manchmal ist der Text einer Nebenfigur künstlich in die Länge gezogen, nur damit derweil etwas Unheimliches passieren kann (das Gelaber über Bücher, während Laurie Michael um die Ecke fahren sieht). Soweit ein paar Beispiele, die zeigen, dass in „Halloween“ gerne mal recht hanebüchen konstruiert wird, um eine gute Idee unterzubringen. Schwamm drüber.

Keineswegs hanebüchen ist allerdings die Spannungserzeugung im Film. Gerade weil die Spannungs- und Schreck-Momente verhältnismäßig wenig effekthascherisch daherkommen und in einen unaufgeregten Grundton eingebettet sind, funktionieren sie so gut. Der mitunter wichtigste Indikator dafür ist die schlichte, recht anspruchslose, fast penetrante aber dafür enorm eingängige Filmmusik, von Regisseur und Autor Carpenter selbst komponiert. Ein echtes Markenzeichen. Genau wie die Figur des Dr. Loomis, der dem „final girl“ hilft und dem Film seine ganz eigene Komponente gibt, die in den zahlreichen Nachahmern nicht automatisch mit übernommen wurde. Loomis ist es auch, der glaubhaft erzählt, dass es sich bei Michael um das pure Böse handelt, weshalb selbiges in der Geschichte nicht mal mehr großartig bewiesen werden muss. Man glaubt es einfach ehrfürchtig, beim Anblick dieses undurchsichtigen Kerls mit der Maske.

Inhaltich oft als erzkonservativ verschrien, da Sünde (Sex) mit Ermordung bestraft wird und die Jungfrau überlebt, ist „Halloween“ durchdachter als es zunächst scheinen mag, da es doch vielmehr um auf ganz unterschiedliche Weise kompensierte sexuelle Frustration geht – dargestellt mit unterschwelliger Symbolik – und sich das Überleben des „final girl“ nicht nur aus ihrer Reinheit ergibt, sondern aus ihrer gewissen Nähe zum Mörder, was in Teil 2 sogar bekräftigt wird.

Jamie Lee Curtis erntete mit dieser, ihrer ersten Kinofilmrolle den Titel „Scream-Queen“, was wohlgemerkt mehr am Stellenwert des Films liegt als an angeblich überragenden Schreifähigkeiten. Denn in „Halloween“ gibt es außer Michael keine Übermenschen; es herrscht ein „slice of life“-Eindruck, wie schon Kritiker-Papst Roger Ebert anmerkte. Aber Curtis macht ihre Sache als Trägerin der Handlung durchaus gut. Carpenter holt aus der simplen Grundgeschichte und dem simplen Vorstadt-Setting beachtlich viel heraus und beweist ein ausgezeichnetes Gespür für effektive Kameraarbeit, Schnitt und Tongestaltung, auch wenn die damalige Gewalthemmschwelle nie angetastet wird und handwerklich bei weitem nicht alles glatt ist.

„Halloween“ ist eine Pionierleistung und hat Maßstäbe gesetzt, obwohl der Film selbst auch schon reich an Zitaten und Referenzen an noch ältere Werke ist. Das besonders gelungen inszenierte Ende gibt nochmal einen letzten Anstoß, der folgendes Fazit bekräftigt: Selbst wenn einem der filmhistorische Wert egal ist, handelt es sich bei „Halloween“ im Preisleistungsverhältnis um mehr als guten Horror.

Ähnliche Filme

Halloween II – Das Grauen kehrt zurück
Halloween (2007)
Halloween II (2009)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*