Helden – Wenn dein Land dich braucht

DVD--Cover Helden

5/10

Originaltitel: Helden – Wenn dein Land dich braucht
DE, AT | 2013 | 140 Min. | FSK: ab 12
Drama, Action, Abenteuer
Regie: Hansjörg Thurn
Drehbuch: Derek Meister, Simon X. Rost
Besetzung: Christiane Paul, Hannes Jaenicke u.a.
Kinostart:
DVD/Blu-Ray VÖ: 03.10.13

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia
Bild © KNM Home Entertainment

Worum geht’s?

Im Genfer Forschungszentrum erzeugt ein Experiment mit dem weltweit größten Teilchenbeschleuniger ein schwarzes Loch, das Satelliten vom Himmel stürzen lässt und die Erdgravitation verändert. Wissenschaftlerin Sophie reist auf Geheiß des Kanzlers nach Genf, um das Schlimmste zu verhindern, in Begleitung von Marc. Marc sucht seine Schwester und seine Tochter, die im Forschungszentrum eingeschlossen sind. Ganz Deutschland ist im Ausnahmezustand.

Wie ist der Film?

Selten, vielleicht noch nie vorher hat ein deutscher TV-Film einen so weitreichenden Shitstorm ausgelöst. Kritik und Publikum sind sich in unzähligen Verrissen erbarmungslos einig. Doch in Wirklichkeit ist „Helden – Wenn dein Land dich braucht“ von Regisseur Hansjörg Thurn („Die Wanderhure“) nicht wesentlich schlimmer als andere RTL-Eigenproduktionen, nur teurer.

Verständlich, dass sich das Publikum veräppelt fühlt, wenn ein zum Großteil aus Fördergeldern bestehendes Budget von 8 Millionen Euro verpulvert wird, um zur besten Sendezeit den US-Katastrophenfilm nachzuahmen und mit möglichst vielen Einzelschicksalen auf Deutschland zuzuschneiden, ohne sich dabei auf eine gute Geschichte zu konzentrieren. Ärgerlich ist hier aber weniger das angeblich ach so kläglich gescheiterte Filmschaffen an sich, sondern viel mehr, wie tief selbst eine derart aufwändige Produktion im seelenlosen System der rein auf Quote ausgerichteten deutschen TV-Unterhaltungsreglements gefangen ist. Im Kern ist „Helden – Wenn dein Land dich braucht“ einfach nur banales Kalkül mit Schauwerten.

Eine auf ihre aalglatte Art durchaus geschmackvolle, präzise Fotografie kann man „Helden“ nicht absprechen. Die satten Bilder verstehen es, das Gefühl eines „großen“ Films zu erzeugen. Die visuellen Effekte sind gerade gut genug, um ernst genommen werden zu können. Die musikalische Dauerpenetration durch dramatische Bläser und Streicher lullt einen dermaßen ein, dass man die ganz eigene Logik und den ulkigen Pathos der Geschichte dann auch einfach mal hinnehmen kann. Leider sorgen die zu vielen, zu belanglos wirkenden Charaktere und ihre gnadenlos standardisierten, teils schlicht dümmlichen Dialoge dafür, dass der Film nie wirklich in Fahrt kommt.

Wenn RTL eine Spezialität hat, dann ist das die Zuschaustellung persönlicher Hintergrundgeschichten als nach Emotionen haschendes Beiwerk zum Hauptgeschehen, welches eigentlich auch ohne sie auskommen würde, siehe „Das Supertalent“ oder „Deutschland sucht den Superstar“. Genau von diesen Minigeschichten strotzt „Helden“. Natürlich braucht ein guter Katastrophenfilm einzelne Bezugspersonen. Doch „Helden“ entscheidet sich gleich für quasi alle möglichen Perspektiven auf einmal und versammelt verschiedenste bekannte Gesichter in verschiedensten Rollen, damit für jeden etwas dabei ist. Diese berechnende Schaulauf-Strategie hat nicht nur einen schalen Beigeschmack, sondern bremst den Film auch völlig aus.

Zwar mögen die mehr als fünf Handlungsstränge relativ geschickt ausbalanciert und miteinander verknüpft sein, doch gebührt keinem von ihnen genügend Zeit und Sorgfalt, um wirklich fesselnd zu sein. So kommt es, dass der überlange „Helden – Wenn dein Land dich braucht“ mit Inhalten vollgestopft und trotzdem spannungsarm ist. Neben gut gezeichneten und dafür nicht ganz so vielen Figuren fehlt es dem Film vor allem auch an knackigen Actionszenen, wie sie das Genre verlangt. Außer, dass dann und wann etwas kaputt geht, passiert nämlich kaum etwas. Da wurde eindeutig am falschen Ende gespart. Diese Schwäche gipfelt in der Passivität des von Heiner Lauterbach blass gespielten Bundeskanzlers, der offenbar stundenlang auf einen Countdown starrt. Eine Farce, die am deutlichsten zeigt, was amerikanische Genrefilme den unseren voraushaben.

Schließlich plädiert „Helden – Wenn dein Land dich braucht“ überdeutlich für Zusammenhalt und den Glauben an sich selbst. Eine niedliche Botschaft zum Tag der deutschen Einheit, auf den die Fernsehausstrahlung ausgerichtet war. Es gibt Schlimmeres. Tatsächlich lässt das prinzipiell hübsch anzusehende TV-Ereignis Potential erkennen. Irgendwann muss der deutsche Film ja mal ernsthaft versuchen, Blockbuster-Niveau zu erreichen. Nur um damit durchzukommen braucht es neben ein paar weiteren Milliönchen erst einmal einen gehörigen Befreiungsschlag rund um die Drehbuchkonzeption und -absegnung, wie die plumpe, schwülstige Dramaturgie aufzeigt. Und davon scheint Deutschland im Jahr 2013 leider immer noch weit entfernt.

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