Inglourious Basterds

Filmposter Inglourious Basterds

8/10

Originaltitel: Inglourious Basterds
USA | 2009 | ca. 154 Min. | FSK: ab 16
Thriller, Drama, Kriegsfilm, Komödie, Remake
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Besetzung: Brad Pitt, Christoph Waltz, Diane Kruger, Til Schweiger, Mélanie Laurent, Daniel Brühl, Eli Roth u.a.
Kinostart: 20.08.09
DVD/Blu-Ray VÖ: 14.01.10

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

1944: Lieutenant Aldo Raine formt eine skrupellose Truppe aus jüdischen Soldaten, die in Frankreich abgesetzt wird und Jagd auf Nazis macht. Die Briten senden Lt. Hicox, um sich den „Basterds“ anzuschließen. Gemeinsam mit der deutschen Schauspielerin und Doppelagentin Bridget von Hammersmark wird dann ein Plan ausgeheckt, dessen Weg zu Shosanna führt. Shosanna flüchtete einst vor dem „Judenjäger“, SS-Standartenführer Hans Landa, der ihre Familie töten ließ, und baute sich in Paris eine neue Existenz als Kinobetreiberin auf. Sie hat ihre ganz eigenen Rachepläne und macht sich ihr großes Kino dafür zunutze.

Wie ist der Film?

Quentin Tarantino, der Autorenfilmer, der die abgenutzte Bezeichnung „Kultregisseur“ verdammt nochmal verdient, hat wieder zugeschlangen. Und –getreten und gewürgt und vieles mehr. Mit „Inglourious Basterds“ begab er sich erstmals in die Weltkrieg-Thematik und damit in für ihn sehr ungewöhnliches Metier, hatten seine bisherigen Regiearbeiten „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“, „Jackie Brown“, „Kill Bill“ 1+2 und „Death Proof“ doch eher ein 60er- oder 70er-Jahre-Flair. Wenn Tarantino einen im Dritten Reich angesiedelten Film macht, weiß man natürlich, dass historische wie politische Korrektheit seiner Liebe für Trash, B-Movies und vielfältige Zitate zum Opfer fallen. Und genau das ist es eben wieder, was den Reiz des Films ausmacht, wobei „Inglourious Basterds“ gar nicht mal so trashig ausfällt, wie es die Vorschau vermuten lässt.

Ist das Setting noch so Tarantino-untypisch – die charakteristische Handschrift des Regisseurs macht sich immer wieder klar bemerkbar, sei es in Form von Schrifteinblendungen, gewissen Kameraeinstellungen, Schnitten, der Konzentration auf Aspekte, die andere Regisseure außer Acht lassen würden oder natürlich der Musikauswahl. Manche dieser Komponenten lassen letztendlich selbst in diesem Film das erwähnte 60er/70er-Jahre-Flair aufblitzen, was nicht zuletzt daran liegen mag, dass Tarantino einst darüber nachdachte, die Geschichte als (Italo-) Western zu inszenieren. Die musikalische Untermalung wirkt in dem nicht so vertraut wirkenden Setting etwas unstimmig. Doch Tarantino wäre nicht Tarantino, hätte er diese musikalische Varianz nicht beabsichtigt.

Inszenatorische Stilmittel hin oder her, „Inglourious Basterds“ konzentriert sich auf seine Charaktere. Ein großes Kapitel. Für jene, die sowohl Hollywood- als auch Berlinale-Liebhaber sind, ist der Cast von „Inglourious Basterds“ ein wahrgewordener Traum, sofern man überhaupt auf die Idee hätte kommen können, diesen Traum zu träumen. Da stehen Brad Pitt und Til Schweiger Seite an Seite, da kommt ein Daniel Brühl genau wie ein Mike Myers um die Ecke gestiefelt, und alle sind sie gut aufgelegt. Eli Roth betreibt in seiner Nebenrolle ein klein wenig Overacting, doch es war ohnehin nur die Freundschaft mit Tarantino, die dem Regisseur von „Hostel“ seinen amüsanten Part einbrachte.

Die mit Abstand beste Leistung liefert wider Erwarten nicht Pitt, obgleich dieser auch eine famosen Job macht, sondern der Österreicher Christoph Waltz, der als SS-Judenjäger eine interessante, urkomische und schlichtweg fesselnde Figur abgibt. Über die Liste der Schauspieler ließe sich noch so einiges bemerken; jedenfalls ist es eine Freude, in so einem Film so viel deutsche Prominenz zu sehen. Zum Thema bleibt noch zu erwähnen, dass Mélanie Laurent das unterschwellige Duell der schönen Blondinen gegen Diane Kruger haushoch gewinnt. Außerdem werden Adolf Hitler und Joseph Goebbels überzeugender verkörpert, als man es wahrscheinlich erwartet, nur natürlich nicht ohne eine gewisse Ironie.

Was Dialoge betrifft, verleitet „Inglourious Basterds“ nicht ganz so auffällig zum Zitieren und ist nicht ganz so verspielt wie Tarantinos frühere Werke. Doch dafür verfallen die Gespräche im Film diesmal weit weniger dem Selbstzweck. Die vielen ruhigen Momente ohne Action, welche tatsächlich absolut überwiegen, sind meist von einer subtilen Spannung durchzogen, speziell wenn Christoph Waltz‘ Figur anwesend ist. Dafür, dass die Laufzeit über 150 Minuten geht, lassen sich die etwaigen Längen also recht gut durchstehen.

„Inglourious Basterds“ erzählt seine Geschichte herrlich eigenwillig, schrill und konsequent, verpackt darin nebenbei eine originelle Liebeserklärung an das Kino, vergnügt sich fast heimlich mit winzigen Cineasten-Anspielungen und glänzt vor allem durch ein sehr buntes und fast durch die Bank grandioses Schauspielerensemble. (Mit dem sogenannten Originalfilm „Inglorious Bastards“ von 1978 hat das Ganze übrigens überhaupt nichts gemein, bis auf eine lose Inspiration durch die Grundgeschichte.) Quentin Tarantinos siebte und bislang pompöseste Regiearbeit, die über viele Jahre hinweg entwickelt und schließlich in Windeseile abgedreht wurde, schafft es in ihrer facettenreichen Unterhaltung nicht durchgehend zu bannen und reißt mit dem Ende niemanden vom Hocker, ist unterm Strich aber brillantes Kino geworden, womit sie sich in die Reihe der bisher immer mehr als überdurchschnittlichen Werke des Ausnahmeregisseurs eingliedert.

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2 Kommentare

  1. Stellenweise etwas lang, aber erstklassige Besetzung. Brad Pitt (für den ich nicht schwärme…) ist klasse und Christoph Waltz… mal ein Oscar richtig verteilt. Daniel Brühl – Hut ab. Til Schweiger in der einzigen Rolle in der ich ihn mir anschauen kann (moment… da ist noch Replacement Killers, grins). Würde ich mir nochmal anschauen.

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