James Bond 007: Skyfall

Filmposter James Bond 007: Skyfall

8/10

Originaltitel: Skyfall
GB, USA | 2012 | 143 Min. | FSK: ab 12
Thriller, Action, Abenteuer, Drama, Krimi
Regie: Sam Mendes
Drehbuch: John Logan, Neal Purvis, Robert Wade
Besetzung: Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem u.a.
Kinostart: 01.11.12
DVD/Blu-Ray VÖ: 27.02.13

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bild © Sony Pictures

Worum geht’s?

James Bond jagt in Istanbul einer gestohlenen Festplatte hinterher, welche die Namen sämtlicher Geheimagenten des MI6 preisgibt. Die Rettungsmission scheitert und Geheimdienstchefin M wird vor Gericht in die Mangel genommen. Nach einem folgenschweren Unfall muss 007 quasi von vorn beginnen, gerade als ein mysteriöser Cyber-Terrorist es auf nichts Geringeres als das Herz des MI6 abgesehen hat.

Wie ist der Film?

Im Anschluss an die obligatorische Eröffnungs-Action und eine schöne, etwas unschlüssige Titelsequenz mit angenehm klassischem Bond-Song liefert „Skyfall“ dem Publikum hingebungsvoll das, was bei „Ein Quantum Trost“ gefehlt hatte. Das 23. Abenteuer von 007 (diesmal übrigens ohne inhaltlichen Bezug zum Vorgänger) steht für das Kennenlernen der Figuren, denen man nun schon eine ganze Zeit lang bei der Arbeit zugesehen hatte, setzt mal ganz eigene Schwerpunkte, ist gleichzeitig aber auch stets darum bemüht, dem Bond-Label gerecht zu werden. Ein Spagat, der zwangsläufig nicht immer aufgeht, letztlich aber einen tiefsinnigen, erfrischenden, eleganten und mehr als würdigen Eintrag in die am längsten laufendende Filmreihe der Kinogeschichte darstellt.

Selbstverständlich führt es den Doppelnullagenten wieder an exotische Orte – erneut zieht es ihn etwa ins Casino, wo Regeln gelten, nach denen man am liebsten jetzt spielen will. Doch kann er es sich in diesem Fall auch leisten, einfach mal ‚daheim‘ zu bleiben, weil der Plot an sich schon spannend genug ist. Auch an Materialschlachten hat der neue Regisseur verhältnismäßig wenig Interesse – lieber hier und da ein Nahkampf vor ästhetischer Kulisse. Was nicht heißen soll, dass es in „Skyfall“ nicht mehr ordentlich kracht. Aber das feinfühlige Drehbuch hat es einfach weniger nötig, mit Schauwerten um sich zu schmeißen. So ergibt dann auch die Wahl Sam Mendes („American Beauty“) als Regisseur Sinn. Er hat zuvor noch nie etwas Bond-ähnliches inszeniert, aber er kennt die Materie und weiß, wie man ‚große‘ Filme macht, und das genügt.

„Skyfall“ konzentriert sich auf Charaktere. Ins Zentrum rückt die Beziehung zwischen Bond und Chefin M. Zunächst gelingt es Mendes zu erklären, dass die beiden nicht nur coole Säue, sondern auch Berufstätige sind, um dann noch tiefer zu dringen. Daniel Craig erweitert seine souveräne Show um weitere Komponenten und Judi Dench erlangt den Zenit ihrer Rolle als M, die mit der Zeit immer wichtiger zu werden schien und die sie zum nunmehr siebten Mal verkörpert. Noch spannender ist natürlich das Frischfleisch. Die bislang kaum bekannte Bérénice Marlohe besticht durch elegant verschleierte Verletzlichkeit – und wird als Bondgirl gnadenlos verschenkt; ein Skandal in Anbetracht des starken Gesamtbildes. Eine sympathische Alternative stellt Naomie Harris („After the Sunset“) dar, doch im Grunde zählt das nicht, weil sie von Anfang an eine Mitarbeiterin Bonds ist.

Javier Bardem („No Country for Old Men“) ist mit Abstand der beste Superschurke der Craig-Ära. Regisseur Mendes hat verstanden, dass ein Agentenkrimi nur so gut ist wie sein Bösewicht. „Casino Royale“ und „Ein Quantum Trost“ zeigten Männer mit perfiden Plänen, Bardem hingegen gibt einen Wahnsinnigen mit perfiden Plänen, das sind selbstredend die interessantesten. Der Film zelebriert seinen Bösewicht, wie Anfangs auch sein Bondgirl, das merkt man an den ersten Auftritten der beiden – richtig so! Wenn Bardem spielt, nimmt er die Szene spielerisch komplett für sich ein, die Schnitte werden weniger, bravo. Und dann ist da noch Ben Wishaw („Das Parfum“) als der neue, junge Q. Das erste Aufeinandertreffen von 007 und Q ist ganz großes Kino, in aller Schlichtheit, ein herrliches Statement zum Bond-Kosmos. Das zweite gerät dann ein klein wenig albern.

So komisch es klingt, die Parallelen zu den Blockbustern „The Dark Knight“ und „The Dark Knight Rises“ sind beträchtlich, fast zu beträchtlich, allein durch die Art, wie „Skyfall“ die Figurenkonstellation präsentiert und handeln lässt. Mendes und seine Autoren meinen es fast zu gut mit der Personalisierung der Bond-Komponenten und scheinen da einem gewissen Trend zu folgen, doch letztendlich kann man es ihnen nicht wirklich übel nehmen – wenn nicht zum 50. Geburtstag, wann dann? „Skyfall“ nimmt sich Zeit, um James Bond in Vergangenheit und Zukunft neu zu verorten, liefert trotzdem schöne Action, eine klasse Besetzung (Ralph Fiennes!), geschliffene Dialoge und eine unsinnige Duschszene. Dramaturgisch sind minimale Durchhänger zu verzeichnen, doch von Langeweile kann man trotz Überlänge nicht sprechen. Ein Jubiläum mit besten Zukunftsaussichten.

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1 Kommentar

  1. Ohne Zweifel einer schlechtesten Filme des Jahres. Warum? Weil diese angeblichen Neuerungen wie Charakter- und Erzähltiefe nicht stattfinden. Diese Behauptungen einer Tiefe machen Bond noch viel dämlicher, anstatt seiner Figur etwas neues zu geben. Ich müsse die ganze Zeit an den letzten Rambo-Film denken… Und wie gut der doch war.
    Ach ja, natürlich war Skyfall, wie schon der Vorgänger, langweilig.

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