Kill Bill: Volume 2

Filmposter Kill Bill: Volume 2

7.5/10

Originaltitel: Kill Bill: Vol. 2
USA | 2004 | 136 Min. | FSK: ab 16
Action, Thriller, Drama
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Besetzung: Uma Thurman, David Carradine, Michael Madsen, Darryl Hannah, Gordon Liu u.a.
Kinostart: 22.04.04
DVD/Blu-Ray VÖ: 09.09.04/10.11.08

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Worum geht’s?

„Die Braut”, deren Hochzeit durch das blutige Attentat des „Deadly Viper Assassination Squad” ein vorzeitiges Ende fand, hat noch drei Namen auf ihrer tödlichen Rache-Liste: Bills Bruder Budd, die einäugige Rivalin Elle Driver und Bill selbst, der Endgegner und Vater ihrer Tochter. Der Weg zum Ziel ist lang und voller böser Überraschungen.

Wie ist der Film?

„Kill Bill: Volume 2“, vernünftig wissend, dass die Schauwerte des ersten Teils unüberbietbar sind, ist keine zweite Supershow, sondern die Erklärung der Supershow aus dem ersten Teil. Die „Kill Bill“-Welt entmystifiziert sich im zweiten Teil ein Stück weit selbst. Doch Tarantino ist seinem Publikum die Beantwortung der aufgeworfenen Fragen nun mal schuldig, auch wenn die Antworten zum Teil simpler sind als erwartet. „Kill Bill: Volume 2“ ist der Antwortenteil. Das bringt zwangsläufig viel Dialog und weniger Action mit sich. Doch lieber zwei Filme machen, die jeweils ihre ganz eigenen Reize mitbringen, als zwei halbgare.

Reiz Nr. 1 im zweiten „Kill Bill“ heißt Uma Thurman, noch mehr als im Vorgänger. Tarantino vergöttert seine Muse, doch zum Glück auf subtile Weise. In Teil 2 gibt es weniger Uma, die Heldin, den Racheengel, sondern mehr Uma, die Frau. Und das ist auch schön anzusehen. Allgemein bieten die eingangs erwähnten Grundbedingungen mehr Raum für die Beschäftigung mit den Charakteren, welche im ersten Teil lediglich vorgestellt wurden. So lernt man endlich auch Bill kennen, der sich, zur Freude des Zuschauers, als ein ungeheuer charismatischer, vielschichtiger Gentleman erweist. Denn, wie schon Hitchcock wusste, je gelungener der Schurke, desto gelungener der Film. David Carradine spielt großartig.

Daryl Hannah alias Elle Driver gibt gekonnt das sexy Miststück, ist aber verhältnismäßig kaum der Rede wert. Etwas interessanter ist der Auftritt des inzwischen leicht aufgeschwemmten Michael Madsen (Mr. Blonde in „Reservoir Dogs“) als Bills Bruder Budd; das einzige Mitglied der „Deadly Vipers“, das in Teil 1 gar nicht zu Wort kam. Madsen passt (leider?) perfekt in die Rolle des heruntergekommenen Trunkenbolds. Doch statt Mitleid gibt es einen erfreulichen Clou, da er durch etwas Glück und Gerissenheit der Braut übler mitspielt als deren restliche, deutlich fittere Gegner.
So verbringt der Film mit seinen Figuren die Zeit, die im Vorgänger zugunsten von Rasanz gespart wurde, und hält manchmal sogar inne, um einen Schauspieler in einer Nebenrolle ein bisschen zu feiern (Michael Parks, der in „Volume 1“ bereits den Texas Ranger Earl McGraw spielte, brillant da praktisch nicht wieder zu erkennen als Zuhälter Esteban, und Gordon Liu – in „Volume 1“ noch der Anführer der „Crazy 88“ – als Kampfkunst-Guru Pai Mei).

Die meisten Fortsetzungen sind eine unnötige Sache. „Kill Bill: Volume 2“ war immerhin durchaus nötig. Enttäuschungen bleiben nicht aus, die Kurzweile verfliegt hier und da. Teil 2 schöpft einen wesentlichen Teil seiner Kraft aus seinem Vorgänger. Durch kluge Dialoge, eine spaßige Darstellerriege und diverse Aha-Effekte hebt er sich aber auch eigenständig weit über den Durchschnitt. Während nur ein paar herrlich böse Szenen an die Gewaltoper aus dem ersten Teil erinnern, ist das Markenzeichen von Teil 2 der verstärkte Italowestern-Einfluss, bedingt durch den Schauplatzwechsel weg von Asien. Schließlich wird als Haupteinfluss der „Kill Bill“ Saga nicht nur „Lady Snowblood“, sondern auch der Spaghettiwestern „Die Rechnung wird mit Blei bezahlt“ genannt. Dabei verliert der Soundtrack an Einzigartigkeit und Brillanz, gewinnt aber, nicht zuletzt durch die Hilfe von Tarantinos mexikanisch-stämmigen Kollegen Robert Rodriguez, ein hübsch sommerliches Flair.

Die Begeisterungskurve geht freilich nach unten. Dafür umgeht es der zweite Teil von „Kill Bill“, eine bloße Kopie des erfolgreichen Erstlings zu sein, sondern stellt fast schon provokativ einen Kontrast dar. „Kill Bill: Volume 2“ überrascht durch einen ungeahnten Realismus und eine veränderte Atmosphäre. Seine vielleicht etwas undankbare Aufgabe, die mysteriöse Geschichte zu Ende erzählen zu müssen, lässt einfach keinen zweiten Überknüller zu, wird aber mehr als anständig erfüllt.

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Kill Bill: Volume 1
Die Rechnung wird mit Blei bezahlt

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