Le Passé – Das Vergangene

Filmposter Le Passé

7.5/10

Originaltitel: Le passé
FR, IT | 2013 | 130 Min. | FSK: ab 12
Drama
Regie: Asghar Farhadi
Drehbuch: Asghar Farhadi
Besetzung: Bérénice Bejo, Tahar Rahim, Ali Mosaffa u.a.
Kinostart: 30.01.14
DVD/Blu-Ray VÖ: 07.08.14

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia
Bilder © Camino Filmverleih

Worum geht’s?

Marie lässt ihren Ex Ahmad aus dem Iran anreisen, um die Scheidung endlich offiziell zu machen. Nur beiläufig erwähnt Sie, dass sie bereits mit ihrem neuen Partner Samir zusammenlebt. Vor allem Maries ältere Tochter Lucie und Samirs Sohn Fouad leiden unter der ungewohnten Situation. Ahmad, selbst in einer unangenehmen Lage, versucht, die Konflikte der Patchwork-Familie zu lösen und lüftet dabei folgenschwere Geheimnisse.

Wie ist der Film?

Nachdem der iranische Autorenfilmer Asghar Farhadi mit „Nader und Simin – Eine Trennung“ internationale Anerkennung inklusive Oscar erlangte, verlagerte er eine Produktion erstmals ins Ausland, doch sein Stil bleibt bodenständig wie eh und je. „Le Passé – Das Vergangene“ spielt in einem verregneten, leicht abgenutzten Paris, das mit Postkarteneindrücken nichts zu tun hat, und spiegelt die titelgebende Vergangenheit wider, die die Charaktere einholt. Das Ausschlaggebende ist bereits passiert, bevor die Erzählung einsetzt – es geht beinahe nur um Auswirkungen und Erklärungen. So erreicht Farhadi nicht das Tempo und die Spannung seines Vorgängerwerks, glänzt aber erneut mit einer raffiniert geschriebenen, zutiefst menschlichen Geschichte.

Szenenbild Le PasséGenaugenommen besteht der Film aus mehreren, ineinander verwobenen Geschichten, sodass sich nach und nach immer mehr Zusammenhänge erschließen. Durch die überraschenden Handlungsentwicklungen kann sich „Le Passé – Das Vergangene“ auch einen sehr ruhigen, in das Innenleben der Figuren dringenden Inszenierungsstil leisten. Fast erst im Nachhinein fällt auf, dass praktisch keine Musik benötigt wird.

Alles steht und fällt mal wieder mit der Schauspielkunst. Mit Bérénice Bejo („The Artist“) und Tahar Rahim („Ein Prophet“) sicherte sich Farhadi zwei renommierte Stars, die der weniger bekannte, doch nicht minder talentierten Iraner Ali Mosaffa anführen darf. Mosaffa überzeugt durch seine einnehmend geerdete Art, während Bejo und Farhadi die Emotionen zum Brodeln bringen. Pauline Burlet – ein bezauberndes Jungtalent – rundet das hochwertige Ensemble ab. So unterschiedlich die Figuren auch sind, das Publikum kann sich in jede von ihnen hineinfühlen; alle haben ihre durchaus nachvollziehbaren Befindlichkeiten. Diese sensible Charakterzeichnung ist die große Stärke von Farhadis Filmen.

Diesmal verzichtet der Regisseur und Autor weitestgehend auf einen politischen, sein Heimatland betreffenden Unterbau, erzählt dafür aber umso allgemeingültiger vom mühsamen Abschluss mit der Vergangenheit. Ob seiner sehr gemächlichen Machart zieht sich der Film ein wenig in die Länge, weiß durch diverse Wendungen aber interessant zu bleiben. „Le Passé – das Vergangene“ erfordert ein wenig Geduld und Aufmerksamkeit, belohnt dafür aber mit einer hervorragend gespielten, bemerkenswert natürlichen Familien- und Kommunikationsstudie.

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