Lebanon

Filmposter Lebanon

7/10

Originaltitel: Lebanon
IL, DE, FR, LB | 2009 | ca. 89 Min. | FSK: ab 16
Kriegsfilm, Drama
Regie: Samuel Maoz
Drehbuch: Samuel Maoz
Besetzung: Yoav Donat, Itay Tiran, Oshri Cohen u.a.
Kinostart: 14.10.10
DVD/Blu-Ray VÖ: 13.05.11

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter | film zeit

Worum geht’s?

1982, der Beginn des Libanonkrieges. Vier junge, unerfahrene Soldaten betreiben einen Panzer, der hinter feindliche Linien dringt und dort zusammen mit einer Fußtruppe Gebiete abgrasen soll, die bereits von der Luftwaffe angegriffen wurden. Hin und wieder besteigt ein höherer Offizier kurz den Panzer, um weitere Befehle zu geben. Durch das Zielfernrohr bieten sich dem Panzerschützen verstörende Bilder von Leichen und verletzten Zivilisten, bis das Fahrzeug selbst angegriffen wird.

Wie ist der Film?

Die israelisch-deutsch-französisch-libanesischen Koproduktion findet einen verhältnismäßig originellen Ansatz für einen (Anti-) Kriegsfilm und sticht allein deswegen schon aus vielen Schlachtfeld-Epen heraus. Leider ist die ausgefallene Grundidee dem Film auch gleichzeitig sein Verhängnis. Da sich der Schauplatz fast gänzlich auf einen Panzer beschränkt (und das, was man durch dessen Zielfernrohr sieht), mag zwar eine leicht klaustrophobische Atmosphäre entstehen, doch bleibt dem Publikum so eine deutliche Distanz zum Kriegsgeschehen, das sich ja außerhalb des Panzers abspielt.

Gewiss bieten die unverbrauchten Jungdarsteller in den Hauptrollen eine gelungene Vorstellung, bei der sich das Grauen des Krieges in ihren Gesichtern und Diskussionen nachfühlbar widerspiegelt. Doch um einen ganzen Film zu tragen reicht so ein Kammerspiel nicht ganz, trotz angenehm kurzer Laufzeit. Das bleibt wenigen Klassikern wie „Die Zwölf Geschworenen“ oder „Das Rettungsboot“ vorbehalten. Als entscheidenden Zusatz gibt es in „Lebanon“ ja auch die eigentlichen Kriegsszenen, die durch die Ich-Perspektive (um nicht zu sagen: Ego-Shooter-Perspektive) des Panzerzielrohrs gezeigt werden. Leider wirken die so entstehenden, unkommentierten Momentaufnahmen recht plakativ und haben einen etwas schalen Beigeschmack, weil sie an diverse Mitleids-Werbung erinnern, wo mit Fotos von traurigen Kinder-Kulleraugen Spendengelder erbeten werden.

„Lebanon“ entfaltet mit der minimalistischen Musik eine ruhige, nachdenkliche, zuweilen auch beklemmende Stimmung und findet im stark begrenzten Handlungsspielraum eine gute, ausgefeilte Bildkomposition. Es gibt starke Momente – darunter die von einem der Soldaten erzählte Kindheitsanekdote, obwohl diese eigentlich nichts mit dem Krieg zu tun hat, oder auch das schöne Schlussbild – nur mangelt es letztendlich doch ein wenig an der gewünschten Intensität. Der Regisseur und Autor verarbeitet mit „Lebanon“ seine eigenen Kriegserfahrungen und schafft damit eine Schwester für „Waltz with Bashir“ (2008), der das gleiche Thema ebenfalls auf ausgefallene Weise aufgreift. Aber für das Publikum funktioniert der Kriegsfilm als Kammerspiel nur bedingt – schließlich ist man vor dem erschütternden Hauptgeschehen gepanzert.

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