Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll

Filmposter Liberace

7.5/10

Originaltitel: Behind the Candelabra
USA | 2013 | 115 Min. | FSK: ab 12
Komödie, Drama, Liebesfilm, Biopic, Romanadaption
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Richard LaGravenese
Besetzung: Michael Douglas, Matt Damon, Dan Aykroyd, Scott Bakula, Rob Lowe, Debbie Reynolds u.a.
Kinostart: 03.10.13
DVD/Blu-Ray VÖ: 21.03.14

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit | Filmposter

Worum geht’s?

1977. Über eine zufällige Bekanntschaft in der Schwulenbar trifft Tiertrainer Scott Thorson den begnadeten Pianisten und Entertainer Liberace. Scott lässt sich trotz des großen Altersunterschieds von Liberace verführen und wird sein neuer Lebenspartner. Über die Jahre gewöhnt er sich an ein Leben voller Reichtum, Sex, Drogen und Schönheitsoperationen, doch die Beziehung zu dem alternden Star kriselt zunehmend.

Wie ist der Film?

Sollte Regie-Tausendsassa Steven Soderbergh mit „Liberace“ tatsächlich seinen letzten Kinofilm vor dem 2013 angekündigten Ruhestand abliefern, so hat der Macher von „Ocean’s Eleven“, „Erin Brockovich“ & Co einen wirklich eleganten Abgang hingelegt. Im Produktionsland ist „Liberace“ ja sogar nur ein Fernsehfilm und damit von den Oscars ausgeschlossen; „zu schwul“ sollen diverse Filmstudios die Geschichte gefunden haben und lehnten sie letztlich wegen geringer Erfolgsaussichten ab. Unter dem Dach des Kabelsenders HBO feiert „Liberace“ allerdings große Erfolge, was wenig überraschend ist. Der Film mag vor Homoerotik nur so strotzen, doch warum ihn als „zu schwul“ bezeichnen, wenn schwul selten so unterhaltsam war?

Basierend auf Scott Thorsons Memoiren „Behind the Candelabra: My Life with Liberace“ zeichnet „Liberace“ ein dezent bissiges, nicht spöttisches, dafür liebevoll schwarzhumoriges Bild von der bizarren Glitzerwelt eines steinreichen Entertainers, den es – manchmal kaum zu glauben – wirklich gegeben hat. Michael Douglas („Basic Instinct“, „Die WonderBoys“), der zuletzt hauptsächlich durch seine Krebserkrankung auf sich aufmerksam machte, zeigt in der Hauptrolle eine der großartigsten Darbietungen seiner Karriere. Ihm als alternder Paradiesvogel zuzusehen ist einfach faszinierend und oft zum Schreien komisch. Matt Damon („Dogma“, „True Grit“) scheint als eher bodenständiger Gegenpol den einfacheren Part zu haben, doch wie er in seinen regelrecht absurden 70er/80er-Jahre-Outfits und Masken stets völlig authentisch bleibt, ist ebenso eine Meisterleistung.

Der Showbusiness-Irrsinn ist perfekt, wenn noch Nebendarsteller wie Dan Akroyd („Ghostbusters“) und Rob Lowe („Lügen macht erfinderisch“) in köstlich überzeichnete Nebenrollen schlüpfen. Als Portrait einer schillernden Traumwelt und deren Niedergang ist „Liberace“ irgendwo zwischen „Casino“ und „Boogie Nights“ anzusiedeln, nur mit weniger epischem Charakter, dafür mit mehr leichtem Humor. Das interessanteste Merkmal: Selbst wenn die Welt von „Liberace“ noch so unwirklich und clownesk in Szene gesetzt sein mag – wenn die beiden Hauptfiguren ihre Konflikte austragen ist das genauso glaubhaft wie jeder Beziehungsstreit im wahren Leben, und diese beiden Aspekte weiß Soderbergh gekonnt miteinander zu vermengen.

Egal ob im Kino, im Fernsehen oder als Video on Demand – „Liberace“ ist ein authentisches wie aberwitziges, herausragend gespieltes Künstler-Biopic und Liebesdrama, so glamourös, dass es manchmal wehtun mag, aber dann ist es ein schöner Schmerz, frei nach Liberaces Zitat „Too much of a good thing is wonderful“.

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