Mann beißt Hund

DVD-Cover Mann beißt Hund

7.5/10

Originaltitel: C’est arrivé près de chez vous
BE | 1992 | ca. 95 Min. | FSK: ab 18
Satire, Mockumentary
Regie: Rémy Belvaux, André Bonzel, Benoît Poelvoorde
Drehbuch: Rémy Belvaux, André Bonzel, Benoît Poelvoorde, Vincent Tavier
Besetzung: Benoît Poelvoorde u.a.
Kinostart: 25.03.93
DVD/Blu-Ray VÖ: 21.03.13

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia
Bilder © STUDIOCANAL

Worum geht’s?

Der charismatische Serienmörder Ben lässt sich von einem dreiköpfigen Filmteam durch seinen Alltag begleiten. Seine Familie ahnt nichts von seinem Verbrecherdasein, doch vor der Kamera schildert er in aller Ruhe seine Vorgehensweisen und persönlichen Ansichten über Gott und die Welt. Die Gefahr spitzt sich immer weiter zu, während die Filmleute zunehmend als Komplizen fungieren.

Wie ist der Film?

Szenenbild Mann beißt Hund„Wenn ein Hund einen Mann beißt, ist das keine Nachricht, denn das passiert sehr häufig. Wenn aber ein Mann einen Hund beißt, dann ist das eine Nachricht.“ – So ein bekannter Journalismus-Leitspruch, durch den der belgische Film zu seinem deutschen Titel kam. Ansonsten hat „Mann beißt Hund“ nichts mit Vierbeinern zu tun, sondern erforscht sehr menschliche Abgründe.

In den 80er Jahren wurde die Mockumentary, also der fingierte Dokumentarfilm, durch die italienischen, Sex und Gewalt huldigenden, vermeintlich sozialkritisch gemeinten Kannibalenfilme à la „Nackt und zerfleischt“ populär. Wenig später landete Rob Reiner mit „This Is Spinal Tap“ einen großen Komödienhit, indem er eine angebliche Heavy Metal Band dokumentarisch begleitete und damit das Rockstarleben genüsslich auf die Schippe nahm. „Mann beißt Hund“ siedelt sich irgendwo dazwischen an – nicht reißerisch, aber doch mit vor den Kopf stoßender Gewaltdarstellung, allerdings verpackt in pechschwarzen Humor. So erhält das schwarzweiße Erstlingswerk einen sehr treffenden satirischen Wert. Darüber hinaus steht es selbst 20 Jahre nach der Premiere noch recht einzigartig da.

Rémy Belvaux (eigentlich aus der Werbebranche, Suizid im Jahre 2006) sowie seine Mitstreiter André Bonzel und Benoît Poelvoorde legen mit „Mann beißt Hund“ eine hintersinnige Satire über Gewalt in den Medien vor, treiben die Provokation auf die Spitze, indem das Filmteam bei den Verbrechen aktive Mithilfe leistet und entlarven das Publikum schließlich als gnadenlos voyeuristisch. Durch den herrlich makabren Grundton steht die Unterhaltung immer im Vordergrund, und doch stellt der Film hintenherum viele interessante Ethikfragen. Die Wackelkamera ist authentisch und stört nicht; Hauptdarsteller Benoît Poelvoorde trägt das Projekt mit seinem wunderbar passionierten Spiel.

Natürlich lebt so ein Mochkumentary-Konzept vom Geheimnisvollen, jedoch hätten mehr Einblicke in die Hintergründe der Handlung nicht geschadet, womit „Mann beißt Hund“ etwas undurchsichtiger als nötig ist. Nichtsdestotrotz bleibt ein schön frecher, urkomischer, sehr konsequenter und vor allem ein bedeutender Film, weil er so manche filmische Stilmittel etabliert und mediale Tendenzen vorweggenommen hat.

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