Martyrs

Filmposter Martyrs

7/10

Originaltitel: Martyrs
FR | 2008 | ca. 94 Min. | FSK: ab 18
Horror
Regie: Pascal Laugier
Drehbuch: Pascal Laugier
Besetzung: Morjana Alaoui, Mylène Jampanoï u.a.
Kinostart:
DVD/Blu-Ray VÖ: 01.04.09/03.11.16

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Schnittbericht
Szenenbild © Tiberius Film

Worum geht’s?

1971 entwischt Lucie als junges Mädchen aus einem Fabrikgebäude, wo sie monatelang festgehalten und gefoltert wurde. In einem Waisenhaus versucht sie, das Trauma zu verarbeiten und findet in der etwa gleichaltrigen Anna eine enge Freundin. 15 Jahre nach ihrer Flucht sieht Lucie die Chance, sich an ihren Peinigern zu rächen und zieht Anna unweigerlich mit in ihren Abgrund.

Wie ist der Film?

Szenenbild MartyrsVergleicht man mit seinem Debüt „Saint Ange – Haus der Stimmen“, behandelt Pascal Laugier in seinem zweiten Film „Martyrs“ wieder Frauen und ihre Traumata. Die Kameraarbeit ist indes rauer, die Musik reduzierter geworden – ein scheinbarer Rückschritt, doch das passt zur Geschichte. Und im Gegensatz zum Vorgänger schafft „Martyrs“ das wohl Beste, was einem Film passieren kann: Kontroverse.

„Martyrs“ begegnet dem menschlichen Körper mit extremer, humorfreier Härte und reiht sich so in die ‚New French Extremity‘-Bewegung ein, zu der Schocker wie „Irreversibel“ (2002), „High Tension“ (2003) und „Frontier(s)“ (2007) gehören. Kritische Stimmen werfen „Martyrs“ vor, ein ‚Folterporno‘ à la „Hostel“ unter peinlichem Vorwand zu sein, doch dafür stellt Laugier zu interessante Fragen. Eher lässt sich der Film als Kommentar zu ebenjener ‚Torture Porn‘-Welle begreifen, wobei die Grenzen hier fließend sind. (Zum Vergleich: Jeder Anti-Kriegsfilm ist ja auch ein Kriegsfilm.) Nicht nur die zahlreichen Gewaltspitzen wissen das Publikum zu packen, sondern auch das zur Interpretation anregende Ende.

Der Film zerfällt in zwei Hälften – die erste besteht aus Vergeltung und mutet weniger innovativ an, die zweite hat einen spirituellen Anstrich und spaltet die Gemüter. Insgesamt fällt auf, dass Laugier nicht in einem Fluss erzählt, sondern eher Momente aneinanderreiht und dabei viele Auf- und Abblenden benötigt. Auch wenn es ein bewusstes Stilmittel sein mag, wirken seine Drehbuchkünste noch ausbaufähig. Nichtsdestotrotz gehen viele Momente durch Mark und Bein, was auch am passionierten Schauspiel sowie an den ausgezeichneten Makeup-Effekten liegt. „Martyrs“ ist eine unangenehm nachfühlbare, bitterböse Studie über Schmerz. Nicht die absolute Genre-Revolution, für die sie oft gehalten wird, aber ein selten intensives Horror-Erlebnis, das nachhallt.

Hinweis: Die in Deutschland erschienenen Fassungen mit FSK-18-Siegel sind alle auf sinnraubende Weise gekürzt. Österreich schafft Abhilfe.

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Hostel
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