Mary & Max oder Schrumpfen Schafe wenn es regnet?

Filmposter Mary & Max

8.5/10

Originaltitel: Mary and Max
AUS | 2009 | 92 Min. | FSK: ab 12
Animation, Komödie, Drama
Regie: Adam Elliot
Drehbuch: Adam Elliot
Synchronisation: Philip Seymour Hoffman / Helmut Krauss, Toni Collette / Gunthild Eberhard u.a.
Kinostart: 26.08.10
DVD/Blu-Ray VÖ: 02.12.10

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Eine australische Kleinstadt in den 70er Jahren: Die achtjährige Mary hat keine Freunde und leidet unter einer alkoholkranken Mutter. Eines Tages wählt sie aus einem Telefonbuch willkürlich eine Adresse in New York aus und schreibt einen Brief dorthin, um sich nach dem Leben in Amerika zu erkunden. Gelesen wird der Brief von Max, einem 44jährigen, dickleibigen, sozial völlig verkümmerten Juden, der nicht mehr an Gott glaubt. Zwischen den beiden einsamen Seelen entstehen ein langjähriger Briefverkehr und eine ungewöhnliche Freundschaft.

Wie ist der Film?

2003 wurde der australische Autorenfilmer Adam Elliot bereits mit einem Oscar für den besten animierten Kurzfilm („Harvie Krumpet“) bedacht. Mit seiner ersten abendfüllenden Produktion „Mary & Max oder Schrumpfen Schafe wenn es regnet?“ hat er ein Meisterwerk hingelegt. Die Stop-Motion Technik mit Knetfiguren erinnert an die Abenteuer von Wallace & Gromit oder „Coraline“, hat aber einen ganz eigenen Look, spielt auf eine in diesem Genre neuartige Weise mit Farben und Kontrasten und ist auch inhaltlich auf einem anderen Niveau. Es herrscht ein stets kindergerechtes Vokabular, auch durch den amüsanten Erzähler, doch aufgrund verstörender Themen wie Tod und Depression spricht „Max und Mary“ in Wahrheit ein reiferes Publikum an.

Die Geschichte präsentiert sich bewusst mit einer kindlichen Naivität, obwohl sich dahinter sehr ernste Themen des täglichen Lebens verbergen. Gerade durch diese einfache Art, wie der Film mit seinen Themen umgeht, entfaltet er eine unheimlich berührende Wirkung. Eigentlich traurige Umstände werden mit Humor aufgebrochen und sorgen für viel mitfühlendes Schmunzeln. Dagegen schafft „Mary & Max“ es gegen Ende aber auch, zu Tränen zu rühren. Selten ist ein Animationsfilm so fernab von Hollywood und gleichzeitig so gefühlvoll.

Mit immensem Aufwand wurden die verschiedenen Welten von „Mary & Max“ kreiert. Die sehr zeitaufwändige Machart erforderte laut offiziellen Angaben eine fünfzigköpfige Crew, die etwa zweieinhalb Minuten Animation pro Woche schaffte, 212 Figuren, 475 Miniaturrequisiten, 133 verschiedene Sets, zwölf Liter Gleitmittel für Tränen u.Ä. sowie insgesamt über 132.000 Einzelbilder. Für die Musikuntermalung wurde eine bunte Auswahl bekannter Stücke zu einem perfekt passenden Soundtrack vereint.

Max wird im englischen Original von Oscarpreisträger Philip Seymour Hoffman („Capote“, „Glaubensfrage“) gesprochen. Für die deutsche Fassung übernahm den Part Helmut Krauss, bekannt geworden als Nachbar von Peter Lustig in „Löwenzahn“ und Synchronstimme von Samuel L. Jackson in „Pulp Fiction“. Die erwachsene Mary erhält ihre Stimme von Toni Collette („The Sixth Sense“, „In den Schuhen meiner Schwester“) bzw. Gunthild Eberhardt (deutsche Stimme von Jessica Biel und Charlotte aus „Sex and the City“). Im Original wirkt außerdem der Australier Eric Bana („Hulk“, „Star Trek“) mit. Das sind nicht nur bekannte Namen, sondern auch bestens geeignete Wahlen.

Im fortgeschrittenen Verlauf entzieht sich die Entwicklung der Hauptfiguren teilweise der Nachvollziehbarkeit. Doch im Großen und Ganzen ist „Mary & Max“ eine sehr einfühlsame Charakterstudie, wo Form und Inhalt gleichermaßen zu begeistern wissen. Eine Pionierleistung für Australien. Leider schaffte es der Film nicht in die Nominiertenliste der Oscars 2010 und ist hierzulande nur ein Geheimtipp, der in alternativen Kinos läuft. Aber es lohnt sich! „Mary & Max“ ist einer der sensibelsten Animationsfilme, die es gibt. Eine unheimlich niedliche, lustige, tiefgründige und berührende Tragikomödie, mit Themen direkt aus dem wahren Leben, auf eine ganz frische Art.

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2 Kommentare

  1. „„Mary & Max“ ist einer der sensibelsten Animationsfilme, die es gibt. Eine unheimlich niedliche, lustige, tiefgründige und berührende Tragikomödie, mit Themen direkt aus dem wahren Leben, auf eine ganz frische Art.“

    Oh ja. Habe den Film soeben gesehen und bin begeistert, wie erstklassig hier die Geschichte zweier Außenseiter erzählt wird. Mal wegen des hintergründigen Humors zum Schreien komisch, mal todtraurig. Kinokunst at its best.

  2. Der Film kam gestern wieder auf EinsFestival. Ein unglaublich gefühlvoller und durchweg ideenreicher Film mit vielen Wendungen, tollen Sichtweisen über die Welt und einem rührenden Ende.

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