Menschenfeind

Filmposter Menschenfeind

7/10

Originaltitel: Seul contre tous
FR | 1998 | 98 Min. | FSK: ab 18
Drama
Regie: Gaspar Noé
Drehbuch: Gaspar Noé
Besetzung: Philippe Nahon, Blandine Lenoir, Frankye Pain u.a.
Kinostart:
DVD/Blu-Ray VÖ: 05.07.04

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia

Worum geht’s?

Ein ehemals selbstständiger Metzger kommt aus dem Gefängnis frei und will ein neues Leben beginnen. Weil er auf einen Unschuldigen losging, im Glauben, dieser hätte seine Tochter vergewaltigt, hat er alles verloren. Schließlich ist er auf die finanzielle Unterstützung seiner neuen Partnerin angewiesen, die er nicht liebt, jedoch geschwängert hat. Völlig frustriert und hasserfüllt sinnt der Metzger auf Gerechtigkeit.

Wie ist der Film?

In sauber komponierten, widerlich gelbstichigen Bildern der Leere und Tristesse lässt „Menschenfeind“ einen die absolute Bitterkeit der Hauptfigur permanent nachempfinden. Der durch und durch pessimistische innere Monolog des Protagonisten wird zum Gesetz, so kompromisslos trägt er ihn vor. Hauptdarsteller Philippe Nahon beweist eine ungeheure Präsenz und zieht das Publikum mit in den Abgrund, von welchem der Film erzählt. Es gibt sicherlich Schlimmeres als ein Leben in Lille beziehungsweise Paris, doch „Menschenfeind“ beweist, wie hässlich sich ein Mensch das Leben selbst denken kann – und wie erschreckend überzeugend er damit sein kann.

Gaspar Noés abendfüllendes Debüt setzt die Geschichte seines in Cannes ausgezeichneten Kurzfilms „Carne“ stimmig fort, wobei der knackige Prolog alles Wissenswerte noch einmal zusammenfasst. Der berüchtigte Warnhinweis vor dem letzten Akt (man habe 30 Sekunden, um den Film abzubrechen) erscheint etwas übertrieben und selbstzweckhaft, zumindest wenn man filmische Gewalt gewohnt ist. Und doch pflegt Noé einen so direkten Umgang mit Tabuthemen, wie man ihn im Kino selten erlebt. Das Finale ist ein formvollendeter Pulsbeschleuniger, wobei sich der schlimmste Teil immer noch im Kopf abspielt. Schließlich verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit und Illusion und Noé lässt sein Publikum etwas verwirrt, geplättet, aber mit spannendem Diskussionsstoff zurück.

„Menschenfeind“ ist ein beinhartes Sozialdrama, teils dröge, teils intensiv und immer nihilistisch, glänzend gespielt und originell inszeniert. Ein gezielter Schlag in die Magengrube mit Denkanstoß, überzeichnet und doch sehr unmittelbar. Off-Kommentar und Texteinblendungen hämmern einem die Botschaften regelrecht ein, und eben jene Drastik, mit der Noé diese eigentlich abgegriffenen Werkzeuge benutzt, birgt eine faszinierende Authentizität. Dieses Erstlingswerk hallt gehörig nach.

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