Midnight in Paris

Filmposter Midnight in Paris

7.5/10

Originaltitel: Midnight in Paris
ES, USA | 2011 | 94 Min. | FSK: ab 0
Komödie, Liebesfilm
Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen
Besetzung: Owen Wilson, Rachel McAdams, Marion Cotillard u.a.
Kinostart: 18.08.11
DVD/Blu-Ray VÖ: 16.12.11

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | film zeit
Bilder © Concorde Filmverleih

Worum geht’s?

Wenn Paare in Urlaub fliegen, kommt oft die Wahrheit ans Licht. Das erfährt auch Drehbuchautor Gil, der mit seiner Verlobten Inez und deren Eltern sein geliebtes Paris bereist, wo er einen Roman fertigstellen will. Als Inez mit Bekannten unterwegs ist und Gil lieber allein durch die Straßen schlendert, geht für ihn ein Traum in Erfüllung. Es verschlägt ihn in das Paris der 20er Jahre, seine Lieblingsepoche, in der ihm seine Vorbilder aus Kunst und Literatur Rede und Antwort stehen.

Wie ist der Film?

Mit dieser, seiner 42. Regiearbeit bleibt Woody Allen seinem Vorhaben, jedes Jahr einen neuen Film zu drehen, weiterhin treu und zeigt eine weitere Variation seines typischen Stils, fügt glücklicherweise aber auch frische Elemente hinzu. So bekommt „Midnight in Paris“ einen gewissen Pepp, den so manche Verfolger von Allens Werk bereits verloren glaubten, ohne allzu anders zu sein als es der Fan erwartet.

Szenenbild Midnight in ParisNach vier Mal London („Match Point“, „Scoop – Der Knüller“, „Cassandras Traum“, „Ich sehe den Mann deiner Träume“), einem Spanien-Ausflug („Vicky Cristina Barcelona“) und der zwischenzeitlichen Rückkehr in die Heimat New York („Whatever Works – Liebe sich wer kann“) widmet sich Weltenbummler Allen nun endlich mal voll und ganz der Stadt der Liebe, Paris. Und wenn er einen Film in so einer Stadt spielen lässt, kann man auch sicher sein, dass die Stadt selbst als Hauptfigur dient. In nahezu jeder Einstellung stellt Allen sicher, dass Paris mit im Bild ist. Nur wenn der Protagonist und Allens Alter-Ego Gil (sympathisch gespielt von Owen Wilson, der sich nach „Darjeeling Limited“ im Rahmen seiner Möglichkeiten endlich wieder etwas mehr beweisen darf) seine nächtlichen (Traum-) Reisen antritt, verdichten sich die Bilder. Dann werden Gedanken und Gesichter eingefangen, hauptsächlich die von wichtigen Personen der Weltgeschichte, denen Allen der Reihe nach huldigt.

Spätestens im Sammelsurium der Charaktere aus der Vergangenheit offenbart sich eine Topbesetzung mit vielen höchst amüsanten Auftritten, angeführt von Marion Cotillard („Nine“, „Inception“), bezaubernd wie eh und je, da ganz in ihrem Element. Neben weiteren großen Namen wie Kathy Bates („Misery“) ist besonders die großartige und bislang unterbewertete Alison Pill („Milk“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“) als quirlige Zelda Fitzgerald hervorzuheben. Dass auch noch Frankreichs First Lady Carla Bruni in ihrer ersten richtigen Filmrolle auftaucht, ist ein Gag, der natürlich nicht hätte sein müssen, aber auch nicht negativ auffällt.

In „Midnight in Paris“ hat der Regisseur und Autor kein Interesse daran, die raue Gegenwart der Metropole herauszuarbeiten, sondern zeigt Paris als Ort des Widerhalls einer aufregenden Geschichte, schlichtweg aus der Perspektive des angetanen Touristen, und das ist auch aufrichtig und in Ordnung so. Dabei spielt er inmitten einer Postkartenästhetik verschmitzt mit Klischees, etwa auch, indem er das typisch-französische Akkordeon bist fast zum Schluss zurückhält.

Die Fantasy-Komponente durch die jähen Zeitreisen erscheint zunächst ziemlich albern, doch Allen zieht das neben seinen üblichen Beziehungskisten so charmant durch, dass man diese Barriere bald überwindet und gerne mit Gil in dessen Welt eintaucht. Schließlich fühlt man sich sehr wohl in diesem Film – sein wichtigster Verdienst, zumal er keinen großen Anspruch auf Tiefgang erhebt. Zwar sind in Schlüsselszenen ein paar antinostalgische Denkanstöße eingeflochten, doch bleibt keine Zeit, diese auszuweiten. – Zu viele Hommagen hat Allen abzuarbeiten, zugunsten einer stets leichtfüßigen Atmosphäre.

„Midnight in Paris“ ist eine lockerflockige Ode an die Träume, die man leben soll. Leichte, aber auch schlaue Kost, für deren Genus ein solides Allgemeinwissen im Bereich der Schönen Künste übrigens von großem Vorteil ist. Und wie nebenbei entlarvt Allen mal wieder eine zum Scheitern verurteilte Beziehung und streut immer wieder urkomische Schmunzel-Momente ein. In Anbetracht der nachdenklichen Ansätze wirkt das Ende leider arg einfach und glatt, wie der Protagonist selbst: zu romantisch. Statt mit einem subtilen Weckruf zu enden, bleibt Allen im Zelebrieren der Romantik, Hoffnung und Unbegrenztheit der Möglichkeiten hängen. Das kostet den Film in gewisser Weise etwas Klasse, aber ist natürlich auch schön.

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