Mutter muss weg

DVD-Cover Mutter muss weg

5.5/10

Originaltitel: Mutter muss weg
DE | 2012 | 88 Min. | FSK: ab 12
Komödie, Direct-to-DVD
Regie: Edward Berger
Drehbuch: Marc Terjung
Besetzung: Bastian Pastewka, Judy Winter, Karoline Eichhorn u.a.
Kinostart:
DVD/Blu-Ray VÖ: 12.10.12

Links zum Film:
IMDb
Bilder © Studio Hamburg Enterprises

Worum geht’s?

Tristan hat nicht nur Schwierigkeiten mit seiner beruflichen Karriere, sondern leidet vor allem unter seiner Mutter, eine ehemalige Erotikfilmikone, die ihn ständig ihre Enttäuschung spüren lässt und ihn zum verklemmten Nichtsnutz degradiert. Tristans Therapeutin rät ihm, sich von seiner Mutter zu lösen. In einer Kneipe lernt Tristan Josip kennen, der zufällig ein Auftragsmörder ist. Josip macht Tristan klar: die Mutter muss weg. Eine Kette unvorhergesehener Ereignisse nimmt ihren Lauf.

Wie ist der Film?

Szenenbild Mutter muss wegEin TV-Serien-Stab wagt sich mit demonstrativ überbeleuchteten, weichgezeichneten Bildern auf kinoähnliches Terrain. Am 18. Oktober 2012 lief „Mutter muss weg“ als Erstausstrahlung im ZDF und verbuchte eine hervorragende Quote für sich. Sehr löblich, dass er sich dem Einheitsbrei widersetzen will, was grundsätzlich gelingt, doch um seinen TV-Erfolg auszuweiten und im Gespräch zu bleiben ist dieser undurchsichtige Genre-Mix einfach zu verzettelt, weil überambitioniert – schade.

Bastian Pastewka („Der Wixxer“) ist einer der wenigen deutschen Komiker mit Niveau, was er etwa in seiner aktuellen Serie „Pastewka“ unter Beweis stellt. Dementsprechend meistert er in „Mutter muss weg“ sowohl lustige als auch ernste Szenen mit vortrefflichem Körpergefühl. Er ist für die Hauptrolle einerseits die Idealbesetzung, andererseits verleitet er aber auch zu falschen Erwartungen, wodurch Enttäuschung bei Fans vorprogrammiert ist. Denn hier ist Pastewka mal nicht Pastewka, was die ungewohnte Brille auf der Nase mehr schlecht als recht verdeutlichen will. Zu fest ist sein Image in den Köpfen des Publikums verankert, um gänzlich zu überzeugen. Die eigentliche Schuld trägt aber das sehr unentschlossen wirkende Drehbuch.

Inszenatorisch wirkt „Mutter muss weg“ zwar etwas aufgesetzt, aber elegant, mit ein paar hübschen Ideen. Pastewka versammelt ein durch die Bank gutes Ensemble um sich, allen voran die zurückgekehrte Judy Winter („Club Las Piranjas“). Problematisch ist die Handlung, denn zwischen Slapstick, schwarzem Humor und tragischer Charakterstudie im fliegenden Wechsel bleibt Verunsicherung zurück. Welche Töne der Film anschlagen will, wird nie ganz klar. Es sind viele verschiedene, aber damit kann man sich nicht einfach abfinden.

Regisseur Edward Berger und seinem Team gelingen ein paar schöne, emotionale Momente, in denen man ganz bei den Figuren ist, nur um direkt im Anschluss den Bogen wieder gnadenlos zu überspannen. Irgendwann eilen die mal mehr, mal weniger überraschenden Wendungen jeglicher Rechtfertigung voraus und werden zum Selbstzweck. Sich in immer bizarreren Wirrungen zu verstricken kann köstliche Unterhaltung sein, doch braucht es dafür wohl das Fingerspitzengefühl eines Joel oder Ethan Coen („Burn After Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger?“) oder ähnliche Meister des Fachs. „Mutter muss weg“ ist dabei zu bemüht. Interessant und streckenweise lustig bleibt der Krimi mit Mutterkomplex trotzdem. Derartig skurril ist ein deutscher Fernsehfilm so gut wie nie, und das ist immerhin mutig.

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Ödipussi

3 Kommentare

  1. Treffsicher beschrieben! Mir ging es mit dem Film haargenau so! Dass der sehr talentierte und mir stets sympathische Pastewka mal völlig anders spielt, fand ich jedoch positiv. Da kann ich mich nicht zu den Zuschauern mit falschen Erwartungen ihn betreffend dazuzählen. Warum der Film trotzdem nicht wirklich funktionieren will, macht Dein Text sehr deutlich.

    • Ich hätte den Film wirklich gerne besser bewertet, aber die Vernunft hat es nicht erlaubt. Pastewka hätte wahrscheinlich eher noch drastischer gegen sein Image spielen sollen, also wirklich was ganz anderes. Weil so war immer noch viel von seinem typischen Auftreten drin und dann wusste man einfach nicht so recht.

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