Netflix-Serien, die man in Deutschland nicht sehen kann – oder doch?

Netflix ist einer der beliebtesten Anbieter für Video on Demand – in Deutschland und weltweit. Mit riesigen Budgets produziert Netflix mittlerweile sogar eigene Serien und hält dabei große Lizenzen, zum Beispiel für die Marvel-Charaktere Luke Cage, Punisher, Daredevil, Iron Fist und andere. Mit bereits etablierten Superhelden lässt sich natürlich ein großes Publikum locken und viel Umsatz generieren. Aber auch Serien wie „Stranger Things“ oder „Master of None“ kommen aus der Schmiede des VOD-Riesen und sorgten für stattliche Erfolge. Trotz seines gewaltigen Marktanteils von 34,1 Prozent (Mitte 2017) sorgt Netflix für Frust: Längst nicht alle Filme und Serien des Anbieters sind in Deutschland zu sehen. Tatsächlich unterscheidet sich die Anzahl und Art der Inhalte von Land zu Land. Seit 2016 gehört fast der gesamte Globus zum Netflix-Sendegebiet. Darüber, wie viele Produkte in welchen Regionen abrufbar sind, hält der Konzern sich bedeckt.

Infografik: Marktanteile der VoD-Anbieter in Deutschland | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Mittlerweile haben sich recht viele Mittel und Wege aufgetan, Ländersperren zu umgehen, aber auch nicht mehr alle davon funktionieren. Dieser Artikel soll klären, welche Netflix-Serien in Deutschland aktuell nicht abrufbar sind, woran es liegen könnte, und wie man sie sich vielleicht doch noch in die eigenen vier Wände holen kann. Eine Top 5.

1.Shooter

In dem US-Thriller-Drama „Shooter“ mit Ryan Phillippe erleben wir einen ehemaligen Scharfschützen, der in eine Falle gelockt wird. Protagonist Bob Lee Swagger soll in der bald 3 Staffeln umfassenden Serie ein Attentat auf den amerikanischen Präsidenten verhindern. Natürlich geht einiges schief und er gerät selbst in den Verdacht, das Attentat geplant und durchgeführt zu haben. In einem Netz aus Lügen, Intrigen und Action schießt sich der ehemalige Spitzenschütze, auf der Suche nach den Schuldigen und Beweisen für seine Unschuld, durch die Gegend. 2016 wurde das Action-Feuerwerk von John Hlavin ins Leben gerufen und flimmerte für eine Staffel auch über deutsche Bildschirme. Seit Ende 2017 gibt es bei Netflix Deutschland keine Chance mehr, „Shooter“ zu sehen, vermutlich wegen einer abgelaufenen Lizenz. Trotz guter Kritiken schien sich das Publikumsinteresse in Grenzen zu halten – ein plausibler Grund, um eine Lizenz nicht zu verlängern.

2. Nikita

Vor einigen Jahren startete die Actionserie über die unfreiwillige Spezialagentin/Killerin im Spätabendprogramm von RTL 2, später RTL Nitro. Nach ernüchternden Quoten blieb es bei der Ausstrahlung von Staffel 1. Wer die sexy Kampfmaschine und ihre neuen Abenteuer verfolgen will, muss bei Netflix USA vorbeischauen. Aber halt, das geht ja aufgrund von Geoblocking in Deutschland nicht. Die deutschen TV-Sender lassen „Nikita“-Fans im Regen stehen. In den USA kann man alle Staffeln (bislang vier) jederzeit bei Netflix abrufen. Warum der deutsche Ableger die Serie nie ins Programm aufnahm, ist ungeklärt.

3. Twilight Zone

Der Mystery-Klassiker, der so manch andere große Serie inspirierte und dessen Ideen hundertfach kopiert wurden, ist in Deutschland ebenfalls nirgends mehr zu sehen. Zuletzt wurde „Twilight Zone“ (das Original aus den 50ern und 60ern!) auf Das Vierte ausgestrahlt. Seitdem ist die Serie auf höchst mysteriöse Weise aus dem Free-TV verschwunden und auch bei Netflix nicht mehr im Angebot. In den USA schon. Auch hier wird vermutlich die Lizenz abgelaufen sein.

4. The Office

Wer „Stromberg“ mochte, wird „The Office“ lieben. (Gemeint ist die US-amerikanische Version. Ursprünglich stammt das Konzept vom Briten Ricky Gervais.) Die Serie wird zwar mittlerweile auch in Deutschland ausgestrahlt, allerdings mit einer massiven Verzögerung. „The Office“ wurde bis 2013 in neun Staffeln produziert, doch längst nicht alle Staffeln fanden ihren Weg nach Deutschland. Im US-Netflix könnte man eigentlich einen Blick auf die jüngsten Abenteuer des chaotischen Büros werfen, wenn da nicht dieses lästige Geoblocking wäre.

5. House of Cards

Auch hier handelt es sich um ein Remake. Zuerst war da die BBC-Miniserie „Ein Kartenhaus“ (1990). Als eine US-Version mit Kevin Spacey in trockenen Tüchern lag, schlug Netflix zu und veröffentlichte alle Folgen der ersten zwei Staffeln gleichzeitig. Viele Serienjunkies entdeckten so das Binge-Watching. In Amerika sind die neuesten Folgen bereits bei Netflix eingepflegt, doch durch einen Sonderfall kommen deutsche User erst viel später in deren Genuss. Der Pay-TV-Sender Sky besitzt hierzulande die exklusiven Ausstrahlungsrechte an „House of Cards“. Erst sechs Monate später darf eine neue Staffel auch auf anderen Plattformen gezeigt werden.

Länderbegrenzungen umgehen

vernetzte WeltEnglischsprachige Serien zu schauen, bevor sie im deutschen Fernsehen erscheinen, ist schon lange Trend. Hardcorefans umgehen nur zu gerne die deutsche Synchronisation, in der Running Gags nicht funktionieren und vor allem Wortwitze verloren gehen. Allein der Titel der britischen Serie „Doctor Who“ schreit nach Wortspielen, die schlicht unübersetzbar sind. Heute ist ein Großteil der Serien in mehreren Sprachfassungen verfügbar. Die Argumentation ist schlichter geworden: Man will einfach nicht auf die Premiere in Deutschland warten müssen.

Als Trick bietet sich an, einen VPN-Server zu nutzen, der Netflix in Deutschland entsperrt. Aber dagegen geht Netflix mittlerweile recht rigoros vor. Es gibt nicht mehr viele VPN-Netzwerke, die noch funktionieren. Netflix hat verständlicherweise gesetzliche Verpflichtungen. Erworbene Lizenzen müssen geschützt werden, ansonsten könnte Netflix irgendwann keine Geschäfte mehr mit der Filmindustrie abschließen, denn kein Unternehmen will Film- und Serienrechte unter schwammigen Bedingungen verkaufen.

Die fadenscheinige Hoffnung namens VPN schwindet. Zwar gibt es bei Anbietern wie vpnMentor Info-Listen darüber, welche VPN-Anbieter noch funktionieren und was sie kosten. Zum anderen gibt es weitere Wege, Netflix USA in Deutschland zu sehen, allerdings keinen komfortableren als den ebengenannten.

Was ist ein VPN-Netzwerk eigentlich?

Ein VPN-Netzwerk ist ein Zusammenschluss aus Servern, die sich auf der ganzen Welt befinden. Man kann gegen ein kleines Entgelt einen Zugang zu diesen Servern mieten. Diese rufen dann die Daten, zum Beispiel den Videostream von Netflix, ab und leiten sie an den Kunden weiter. Der Vorteil ist, dass man mit einem VPN-Server der Website, die man besuchen will, vorgaukelt, man komme aus den USA. Man kann also Netflix so nutzen als würde man sich in Amerika befinden, was natürlich sämtliche Sperren aufhebt.

Ein VPN nutzt die Internetverbindung als reinen Datentunnel, der die Daten verschlüsselt an den Kunden sendet. Eigentlich eine spannende Möglichkeit, wenn Netflix die Dienste nicht hin und wieder einfach sperren würde. Für Netflix selbst ist es recht einfach, diese Dienste zu erkennen, weil von ein- und derselben IP-Adresse viele Anfragen kommen. Ein einzelner Computer/Haushalt würde auch nicht auf 50 oder 100 Fernsehern gleichzeitig Netflix gucken. Deshalb legen trickreiche Serienjunkies Wert darauf, einen guten und zuverlässigen VPN Anbieter zu finden.

Alternativen zu VPN-Netzwerken

VPN-ServerIm World Wide Web gibt es theoretisch funktionierende Alternativen, wie zum Beispiel Smart-DNS-Anbieter. Diese sorgen dafür, dass die eigene IP Adresse kaschiert wird, sodass sie für die besuchte Website aussieht, als käme sie aus dem entsprechend gewünschten Land. Das hat natürlich den Vorteil, so gut wie ohne Geschwindigkeitseinbußen auszukommen. Bei VPN-Anbietern muss man hingegen mit gewissen Einschränkungen rechnen, durch den Umweg über den Server.

Das Problem hierbei liegt allerdings darin, dass der Datenverkehr einen sehr langen Weg zurücklegen muss und keine zusätzliche Verschlüsslung bietet. Daher kann der Datenverkehr über Smart DNS teils sehr einfach zurückverfolgt und angegriffen werden. Ein VPN bietet dank Verschlüsslung eine gewisse zusätzliche Sicherheit; Smart DNS stellt den eigenen Rechner schutzlos ins Internet, und das mit einer falschen IP-Adresse, was ihn unter Umständen besonders interessant für potentielle Angreifer macht. Wer etwas zu verbergen hat, ist immer interessant.

Eine weitere Alternative stellen Proxyserver oder das Tor-Netzwerk dar. Im Prinzip und in der Funktion für den Endkunden, bezogen auf Netflix, sind Tor und Proxys das gleiche. Allerdings sind Proxyserver von Netflix sehr schnell blockiert worden. Natürlich muss jeder Proxy, der seine Dienste im Internet anbietet, neu blockiert werden, wodurch diese einen Vorsprung gewinnen und oft für ein paar Tage funktionieren. Aber es ist recht einfach für Netflix, diese zu erkennen und zu sperren, also keine Dauerlösung. Zudem gehen Proxy-Angebote meist mit sehr geringen Geschwindigkeiten einher. Das Tor-Netzwerk, auch die Brücke zum Darknet, könnte ebenfalls genutzt werden, um Netflix zu empfangen. So manche Hobby-Hacker mögen den Plan schon verfolgt haben, doch ergibt er wenig Sinn.

Im Tor-Netzwerk werden alle Daten zufällig über verschiedene Server auf der ganzen Welt umgeleitet. Das sorgt für Anonymität, bietet aber zeitgleich massive Geschwindigkeitseinbußen, und vor allem ist das Tor-Netzwerk nicht für Streaming oder Downloads gedacht. Man zieht dabei allenfalls die Wut der Community auf sich. Durch die großflächige Verteilung der Daten ist Tor schlicht langsam und das ‚Netflixen‘ somit mehr Qual als Genuss. Zusätzlich stellt sich die Frage, über welche Server die Daten umgeleitet werden. Auch Server außerhalb der USA können erreicht werden – womit wieder das Geoblocking für Netflix eintritt. Ein aussichtsloser ‚Hack‘.

Von allen geringen Chancen, Netflix aus den USA in Deutschland abzurufen, ist VPN die größte. Verfügt man über genügend technisches Verständnis und starke Nerven, bleibt nur noch die Frage der Moral.

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