Nine

Filmposter Nine

8/10

Originaltitel: Nine
USA | 2009 | ca. 118 Min. | FSK: ab 6
Musical, Musicaladaption
Regie: Rob Marshall
Drehbuch: Michael Tolkin, Anthony Minghella
Besetzung: Daniel Day-Lewis, Marion Cotillard, Penélope Cruz, Judie Dench, Nicole Kidman, Kate Hudson, Sophia Loren u.a.
Kinostart: 25.02.10
DVD/Blu-Ray VÖ: 27.08.10

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Der gefeierte Filmregisseur Guido Contini steckt in einer Krise. Der Erwartungsdruck von allen Seiten ist groß, doch für sein neues, bereits groß angekündigtes Projekt wollen die nötigen Ideen einfach nicht kommen. Guido flüchtet sich in Tagträume und balanciert dabei zwischen den vielen Frauen, die sein Leben beeinflussen.

Wie ist der Film?

„Nach ‚Sieben‘ kommt nicht Acht, sonder ‚SAW‘“ hieß es einst auf dem Cover der gleichnamigen DVD; jedoch nach „Achteinhalb“ kommt „Nine“. Hierbei hat man es mit einer Musicaladaption eines italienischen Klassikers von 1963 zu tun. Das musikalische Bühnenstück entstand in den 70er Jahren und wurde nun wiederum mit einer Fülle von Filmstars auf die große Leinwand übertragen.

Sechs Oscarpreisträger in einem Film – da schellen bei Vielen die Alarmglocken. Von was will man mit diesem prunkvollen Schachzug wohl ablenken? Da kann doch nur ein mageres Drehbuch dahinter stecken, oder? Tatsächlich schwimmt „Nine“ in ominösen Gewässern, statt eine Geschichte im klassischen Sinne zu erzählen. Dabei gilt es aber zwei Sachen zu beachten. Erstens: Es ist immerhin ein Musical! Zweitens: Als ursprüngliche Vorlage diente ein stark autobiografisch beeinflusstes Werk, in dem Erfahrungen verarbeitet werden, und zwar eben gerade über die Unfähigkeit, ein Drehbuch zu schreiben.

„Nine“ kann einen Eindruck wie eine inhaltsarme Parade von Anzüglichkeiten machen. Andererseits packt „Nine“ die Thematik beim Kern und mischt einfach noch eine ordentliche Portion Glamour dazu. Ein Regisseur, der in der Mitte seines Lebens angelangt ist, hat eine kreative Blockade, die sich neben seinem Job auch auf Gesundheit und Liebesleben auswirkt. Halb verzweifelt sucht er, häufig in Tagträumen verloren, Halt bei den einzigen Geschöpfen, die ihn retten könnten: Die Frauen. Musen, Fürsorgerinnen, Objekte der Begierde, Motoren der Leidenschaft, Fluch und Segen zugleich. Von Mutter über Ehefrau und Affäre bis hin zu prägnanten Kindheitserinnerungen in weiblicher Gestalt. Was gibt es daran nicht zu verstehen?

So ergibt sich eben das kuriose Bild eines Protagonisten, der ständig von Damen umkreist wird, ohne dass dabei eine fortlaufende Entwicklung zu verfolgen ist. Man könnte „Nine“ vorwerfen, er würde nur vor sich hin dümpeln, doch er ist lediglich auf sein zentrales Thema abgestimmt. Der Stillstand ist die Geschichte; nicht leicht zu begreifen, wenn einem das Vorbild unbekannt ist. Alles dreht sich buchstäblich um eine Hauptfigur, die festgefahren ist. Eine oberflächliche Behandlung des Themas gegenüber des analytischen Originals ist da übrigens auch nur eine logische und akzeptable Konsequenz, da „Nine“, ein Musical, immer noch hauptsächlich eine atemberaubende Show schaffen will. Und was Frederico Fellini in „Achteinhalb“ einst als surreales und undurchsichtiges Gemisch aus Traum und Realität präsentierte, macht „Nine“ in der sexy Musicalversion für das heutige Publikum letztendlich nur zugänglicher. Ein Musical verlagert die Realität in eine eigene Welt, wo den persönlichen Gefühlen Ausdruck verliehen wird – genau wie „Achteinhalb“. „Nine“ macht somit absolut Sinn, statt lediglich ein gefeiertes Original zu schänden, sowohl auf der Bühne als auch im Kino.

Spätestens jetzt ist klar: „Nine“ ist ein Film, für den man sich wirklich rechtfertigen muss, wenn man ihn mag, denn die allgemeine Kritik mag ihn nicht. Doch man kann dem Film eben auch durchaus freundlich begegnen, wenn man die Gründe für die entwicklungsarme Geschichte kennt und sich einfach mal der hinreißenden Optik hingibt und den Songs eine Chance lässt.
Allein schon rein technisch ist „Nine“ ein Genuss, dazu auch noch absolut traumhaft besetzt. Daniel Day-Lewis („There Will Be Blood“) ist auf eine neue Art wieder mal brillant, die aufblühende Judie Dench („Ein Quantum Trost“) macht dem Zuschauer so viel Spaß wie nie und von den jüngeren Darstellerinnen ist wahrlich eine bezaubernder als die andere, ohne zu übertreiben. Penélope Cruz („Vicky Cristina Barcelona“) liefert die wohl erotischste Szene des Kinojahres und haut einen schlichtweg um. Dagegen kann eine Sophia Loren aus ihrem gelifteten Körper zwar nur noch wenig Schauspielerei herausholen, aber hey, es ist Sophia Loren! Soll heißen: In „Nine“ darf durchaus einfach mal das Star-Ensemble genossen werden.

Selten war eine oberflächlichere Version eines Klassikers so charmant und köstlich. Man bekommt einen bunten Blumenstraus aus starken Schauspielern, die auch noch mit mehr als akzeptablem Gesang überraschen (bei Fergie umgekehrt). Es gibt ein paar Schwächen, wie vielleicht der arg hinein konstruiert wirkende Auftritt von Kate Hudsons („Almost Famous“) Figur, doch „Nine“ überzeugt als prächtig anzusehender Unterhaltungsfilm über das Schicksal des Künstlers und die Wirkung der Frau.

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