Possession

DVD-Cover Possession

7.5/10

Originaltitel: Possession
DE, FR | 1981 | 123 Min. | FSK: ab 16
Drama, Horror, Thriller
Regie: Andrzej Żuławski
Drehbuch: Andrzej Żuławski, Frederic Tuten
Besetzung: Isabelle Adjani, Sam Neill, Heinz Bennent u.a.
Kinostart:
DVD/Blu-Ray VÖ: 06.11.09

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia
DVD-Cover © 2009 BILDSTÖRUNG
Szenenbild © 1981 OLIANE PRODUCTIONS

Worum geht’s?

Mark, der für einen Geheimdienst arbeitet und Hausfrau Anna leben mit ihrem gemeinsamen Sohn Bob in West-Berlin. Die Ehe der beiden droht, zu zerbrechen, als Anna sich immer weiter von Mark entfernt und ihm gesteht, dass sie eine Affäre hat. Besessen von Eifersucht macht Mark Annas Liebhaber Heinrich ausfindig und stellt ihn zur Rede. Doch die psychisch zunehmend labilere Anna hütet ein Geheimnis, von dem beide Männer zunächst nichts wissen.

Wie ist der Film?

Isabelle Adjani gewann 1981 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes den Preis für die beste Hauptdarstellerin, doch der zugehörige Film war derart schwer zu vermarkten, dass es erst 2009 durch das Nischenfilm-DVD-Label Bildstörung zu einer deutschen Veröffentlichung kam, mit dem englischen Originalton und Untertiteln – eine deutsche Synchronisation existiert nicht. Das sagt schon einiges über „Possession“ aus. Es ist ein Film, der Drama-, Thriller- und Horroranleihen besitzt und sich nicht klassifizieren lässt, ein Film genau zwischen Grindhouse und Arthouse, also wirtschaftlich gesehen für ein nicht existentes Publikum – und doch gerade deshalb mittlerweile ein Kultfilm.

Szenenbild PossessionDer seit Karrierebeginn von der Zensur geplagte, polnische Exil-Regisseur Andrzej Żuławski drehte mit internationaler Besetzung auf Englisch in Berlin, und der Schauplatz kommt nicht von ungefähr, denn „Possession“ ist ein Berlin-Film, laut Jörg Buttgereit („Nekromantik“) „der einzig wahre Berlinfilm“. Die Hauptfiguren befinden sich unmittelbar neben der noch stehenden Mauer in West-Berlin, spüren eine Einengung, die sich auch in den kahlen Wohnungen fortsetzt. Die geteilte Stadt wird zum Spiegel der gebrochenen Psychen und der Isolation.

Es ist nicht allzu wichtig – und objektiv betrachtet auch nicht möglich – „Possession“ zu verstehen. Dieser Film muss einfach gefühlt werden. Ähnlich wie David Lynch („Eraserhead“, „Lost Highway“), allerdings politischer motiviert, arbeitet Żuławski assoziativ, statt mit klassischer Dramaturgie. Daher lässt sich „Possession“ auch keinem Genre zuordnen. Der Regisseur benutzt Genrewerkzeuge für die Übersteigerung einer zwischenmenschlichen Auseinandersetzung, die letztlich sogar das Gegenteil eines Genrefilms darstellt. Żuławskis stark autobiografisch geprägtes Beziehungsdrama ist eine bis zur Perversion weitergedachte Seifenoper.

Lange, oft ober- oder untersichtige Einstellungen ziehen in einen surrealen Bann, wenn die dynamische Handkamera sich durch die triste, blaustichige Stadt bewegt, passend begleitet von Andrzej Korzynskis experimenteller Musik, zwischen elektronisch und orchestral, melancholisch und dissonant. Anders als manch anderer wirrer Kunstfilm bleibt „Possession“ durch die spezielle Art der permanenten Verunsicherung stets unterhaltsam. Dafür sorgt auch die von Żuławski in ungewohnte Sphären gepushte Besetzung. Sam Neill (später: „Jurassic Park“) ist stark, Heinz Bennent („Die verlorene Ehre der Katharina Blum“) ist herrlich schräg, Isabelle Adjani („Nosferatu – Phantom der Nacht“) ist der Wahnsinn, im doppelten Sinne.

„Possession“ ist ein höchst physischer Film. Das beginnt beim Abfahren der sehr präsenten Architektur und gipfelt in einem Monster als personifizierter Nervenzusammenbruch vor lauter Lust und Leid, der sich weiterentwickelt. Darin liegt auch die Essenz des Films: eine Vergegenständlichung von Emotionen, hauptsächlich Verzweiflung. „Possession“ ist ein Scheidungsdrama auf Avantgardeniveau, mit ausgeklügelter Farbdramaturgie aus kühlem Blau, tristem Grau und warnendem Gelb und Rot, bestehend aus Symbolik, die von politisch bis spirituell verschiedenste Bereiche abdeckt. Technisch spannend, beeindruckend gespielt, blutig und verstörend. Auch sperrig, aber interessant und stimmungsvoll genug, um sich näher mit der Bedeutung zu beschäftigen.

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