Psycho

Filmposter Psycho

7.5/10

Originaltitel: Psycho
USA | 1960 | 108 Min. | FSK: ab 16
Thriller, Horror
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Joseph Stefano
Besetzung: Anthony Perkins, Janet Leigh, Vera Miles u.a.
Kinostart: 07.10.60
DVD/Blu-Ray VÖ: 03.02.03

Links zum Film:
IMDb | Wikipedia | Filmposter

Worum geht’s?

Sekretärin Marion Crane macht sich mit 40.000 Dollar, die sie eigentlich für ihren Chef zur Bank bringen soll, aus dem Staub. Nervös flüchtet sie bei strömendem Regen in ein Motel. Der dortige Hausherr Norman Bates, dessen einziger Gast Marion ist, scheint ein auffällig seltsames Verhältnis zu seiner alten Mutter zu haben.

Wie ist der Film?

Nach dem heiteren Krimi-Abenteuer „Der unsichtbare Dritte“ schlug der „Master of Suspense“ nur ein Jahr später eine komplett neue Richtung ein und wendete sich an ein neues, etwas reifer gewordenes Publikum. Zurück zu Schwarzweiß, Low Budget, Humorlosigkeit. Warum? Weil er’s kann. Heraus kam der berühmteste, wahrscheinlich auch meistzitierte und einflussreichste Hitchcock aller Zeiten: „Psycho“.

In diesem häufig als Vorbote des Giallo und Slasher bezeichneten Film legt Hitchcock höchst genüsslich und sorgfältig falsche Fährten, um aus den Überraschungen der Romanvorlage die größtmögliche Intensität heraus zu holen. Er machte kein Geheimnis daraus, dass die Art der Inszenierung ihn weit mehr als die eigentliche Geschichte interessierte.

So ergibt sich für den Zuschauer eine Mischung aus Verwirrung und Beklemmung, unterbrochen von gelegentlichen Schocks. Man darf sich durchaus veräppelt vorkommen, bis man dahinter steigt, warum Hitchcock einige spannend aufbereitete Szenen im ersten Drittel völlig im Sand verlaufen lässt. Nämlich um die Überraschungseffekte zu maximieren. Hitchcock erzählt weniger als er Mittel zum Zweck aneinanderreiht. Die Ausstattung ist spartanisch, alles zielt auf ein Wechselbad der Zuschauergefühle – vor allem was die Verteilung der Sympathien für die verschiedenen Figuren angeht – bis hin zum Schocker.

Mit mehr als geschickter Kameraarbeit sowie der stimmungsvollen Musik (hier verewigte Bernard Herrmann sein ultimatives Meisterwerk) lenkt Hitchcock sein Publikum dorthin, wo er es haben will und kreiert dabei ein paar Szenen, die in puncto Eindringlichkeit alle seine vorigen Werke übertreffen. Darunter natürlich die legendäre Duschszene, deren Aufnahme im Gegensatz zu den sonst sehr raschen Dreharbeiten eine ganze Woche in Anspruch nahm und die mit dem ausgeklügelten Schnitt zu einem Pionier filmischer Gewalt heranwuchs.

Janet Leigh („Im Zeichen des Bösen“) gibt die hübsche Blondine, die durch ihre vergleichsweise ausformulierte Erotik besticht. Anthony Perkins (später: „Der Prozeß“) verkörpert in erster Linie einen fast sympathischen Zeitgenossen, der sich bis zu seiner erschreckenden Demaskierung nur durch eine seltsame Nervosität verdächtig macht. Ein interessantes Minenspiel. Die Komponenten Erotik und Beklemmung, aus der die Geschichte maßgeblich besteht, wird von den beiden angetrieben. Ansonsten ist „Psycho“ jedoch ganz von seinen inszenatorischen Stilmitteln dominiert.

„Psycho“ ist ein fast ohne faule Tricks auskommendes Spiel mit dem Publikum, überaus geschickt gefilmt, sehr atmosphärisch und in praktisch jeder Hinsicht überraschend radikal. Freilich ein Meilenstein in Hitchcocks Karriere und der Filmwelt an sich. Dafür muss man eben eine teils wirre Erzählweise mit angestaubtem Look und einigen Sackgassen durchstehen.

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Frenzy
Augen der Angst – Peeping Tom
Schatten der Wahrheit
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Psycho III
Psycho IV – The Beginning

5 Kommentare

  1. Hallo Philipp,

    dass du (erst) 22 bist, merkt man…

    Ich habe mich jetzt ungefähr 15 Minuten durch deine „Kritiken“ gewühlt, 15 Minuten meines Lebens, komplett für den Arsch.

    Hier schreibt ein Pseudo-Marcel-Reich-Ranicki seinen Senf zu Filmen, der Senf wäre besser auf dem nächsten Würstchen gelandet. Nach 13 Jahren Internet bist du definitiv in den Top 10 der peinlichsten Auftritte 😀 Selten habe ich soviel Müll gelesen, wie in den letzten 15 Minuten. Da gibts du einen Klassiker wie Psycho lächerliche 7,5 Punkte auf der Richterskala, mal im ernst: Zuviel gekokst?! Oder keine Freundin? Junge, such dir eine andere Beschäftigung, denn von Filmen respektive Kritiken schreiben hast du keine Ahnung, noch nicht mal ansatzweise! Deine rudimentäre „Bildung“ im Bezug auf Filme ist wie du dich ausdrückst „absolut spoilerfrei“ 😉

    • Hallo Peter,

      danke, dass du dir die Zeit genommen hast.
      Klassiker zu hinterfragen halte ich für sehr gesund, und ich bin in jedem Fall jemand, der Argumente hat.
      Tatsächlich lässt sich so ein aufwändiges Hobby als Single besser verfolgen, aber ich glaube nicht, dass sich das auf den Schreibstil auswirkt. Drogen gibt’s bei mir keine.

      Das Schöne an Filmen und Kriken ist doch gerade, dass es nicht immer zwingend um Wissen und Nichtwissen, sondern auch um ganz persönliche, individuelle Eindrücke, Beobachtungen, Assoziationen und Erfahrungen geht. Und mit der Mischung aus beidem können sich Leserinnen und Leser ein Bild vom jeweiligen Film machen und/oder mitdiskutieren.

      Schade, dass du dich hinter einem Pseudonym versteckst; vielleicht hätte ich ja von deinem eigenen Auftritt noch was lernen können, wenigstens ansatzweise.

  2. Manchmal bewundere ich deine demütige Gelassenheit, die du ob eines solchen Geschreibsels wie dem von Mister Suppengrün, der mit „Klassiker“ und „Alter“ gleich zwei der dümmsten Argumente in einer Reihe von dummen Contra-Kritiker-Phrasen aufgreift, an den Tag legst 🙂

    Zum Film selbst: Ich takte ihn selber auch eher höher ein, was aber vor allem an meiner Vorliebe für das daraus resultierende Genre, und den vielen Deutungsebenen auf denen PSYCHO funktioniert, liegt. Trotzalledem halte ich VERTIGO für den tiefsinnigeren und wahrscheinlich auch besseren Hitchcock-Film, und PEEPING TOM für einen mindestens ebenbürtigen, und leider etwas in Vergessenheit geratenen Vorläufer des Serienmörders mit psychologischem Unterbau.

    btw: Wenn noch nicht geschehen, lohnt es sich auf jeden Fall, einen Blick auf PSYCHO II zu riskieren 🙂

    • Auch ich halte „Verticgo“ für das eigentliche Hitchcock-Meisterwerk, überzeugte mich deutlich mehr. „Peeping Tom“ sagt mir nichts, behalte ich vielleicht mal im Hinterkopf 😉

      „Psycho II“ ist schon lange vorgemerkt, und nachdem ich den ersten Teil kürzlich im Rahmen des Studiums zum dritten Mal gesehen hab und du und Rajko die Fortsetzungen aktuell wieder in Diskussion bringen, werde ich das wohl ganz bald in Angriff nehmen. Aber vorher mache ich mich erstmal wieder unbeliebt, indem ich „High Tension“ gleich hoch bewerten werde wie „Psycho“. 😀

  3. Naja,PSYCHO III und vor allem IV kann man sich eigentlich getrost sparen; die bewegen sich beide kurz vor der Brechmittelgrenze, und fügen der Handlung nur noch unwichtigen Nonsense hinzu.

    HIGH TENSION ist natürlich ein schrecklich überbewerteter Film, insofern bist du zumindest von der Tendenz her ja nicht gänzlich falsch. Was an diesem 08/15-Backwood-Gedöns gut sein soll, konnte mir allerdings noch niemand so wirklich sagen, aber vielleich schaffst du diesem Zustand ja Abhilfe 😛

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