Serien-Spezial: Breaking Bad

Breaking Bad Komplettbox

8/10

Originaltitel: Breaking Bad
USA | 2008–2013 | ca. 47 Min. | FSK: ab 16
Drama, Krimi, Thriller
Idee: Vince Gilligan
Drehbuch: Vince Gilligan u.a.
Besetzung: Bryan Cranston, Anna Gunn, Aaron Paul, Dean Norris, Betsy Brandt, RJ Mitte u.a.
DVD/Blu-Ray VÖ: 28.11.13

Links zur Serie:
IMDb | Wikipedia
Bilder © Sony Pictures Home Entertainment

Worum geht’s?

Der Chemielehrer Walter White erkrankt an Lungenkrebs und besteht darauf, aus eigener Kraft eine Lösung zu finden, um die teure Behandlung bezahlen und seine Familie finanziell absichern zu können. Dazu arrangiert er sich heimlich mit seinem früheren Schüler Jesse Pinkman und rutscht ins Drogengeschäft. Seine Chemie-Kenntnisse machen Walter zu einem immer gefragteren Anbieter der Droge ‚Cystal Meth‘. Ausgerechnet Walters Schwager arbeitet bei der Drogenbekämpfungsbehörde.

Wie ist die Serie?

„Breaking Bad“ steht für ‚auf die schiefe Bahn geraten‘ oder ‚vom rechten Weg abkommen‘ – und spätestens seit 2013 ebenso für nichts geringeres als die beliebteste Dramafernsehserie der Welt. Ein Massenphänomen, das auf den ersten Blick wenig Sinn ergibt, handelt es doch von einer harten Droge, die zuvor fast nur Chemie-Fans ein Begriff war. Doch die wirklich entscheidende Frage ist eben nicht die nach dem Inhalt, sondern die nach der Machart. „Breaking Bad“ verfügt schlichtweg über glänzend geschriebene, glänzend gespielte Charaktere und ein hohes Maß inszenatorischer Kreativität, auch mit geringen Mitteln.

Szenenbild 1 Breaking BadDie erstmals 2008 auf dem amerikanischen Kabelsender AMC ausgestrahlte Serie wirkt beachtlich simpel und dynamisch gefilmt, fast ohne (sichtbare) Spezial- und Computereffekte, so lange bis sich die späten Folgen dann doch sichtlich eines größeres Budgets erfreuen. Aber von Anfang bis Ende beweist „Breaking Bad“ ein ausgezeichnetes Gespür für Erzählrhythmus und Mis en Scène. Immer wieder eingestreute, ungewöhnliche Kameraperspektiven machen den Reiz aus, weshalb man auch bei weniger spannenden Sequenzen am Ball bleibt. Die originelle Musik erledigt den Rest; immerhin bekommt jede Folge im Abspann ihre ganz eigene Variante der Titelmelodie verpasst. Es sind solche Details, die Laune machen.

Und dann sind da natürlich die Charaktere. Allen voran Bryan Cranston, den man noch als aufgedrehten Familienvater in „Malcom Mittendrin“ kennt. Als Walter White verkörpert er wieder einen Familienvater, doch schlägt er schauspielerisch eine völlig andere Richtung ein. Im Kern spielt er einen ganz normalen Typen, das aber perfekt authentisch, in sich ruhend, mit spürbarer Präsenz. Sein unverhoffter Partner: ein Kleinkrimineller in albernen Schlabberklamotten, von dem man zunächst nicht glaubt, er würde das Publikum durch die ganze Serie hindurch begleiten – Aaron Paul als Jesse Pinkman. Doch auch das macht „Breaking Bad“ aus: ein erfrischend unkonventioneller Umgang mit den Figuren.

Jesse, Mike und GusGnadenlos treibt uns Serienschöpfer Vince Gilligan in einen Konflikt. Der Protagonist ist die durchgehende Identifikationsfigur, wendet sich aber gleichzeitig dem moralisch Verwerflichen zu, bis die Ausreden ausgehen. Das Spannende an „Breaking Bad“ ist, dass es hier keine Helden gibt. Nicht einen. Selbst der halbstarke Sohn, der sich mit jugendlicher Energie aufbäumen und einen Umbruch herbeiführen könnte, ist als Behinderter proträtiert und weiß von allen am wenigsten. Alle Hauptfiguren sind erstaunlich ‚normal‘, nur dass sie in Extremsituationen landen, in denen sie nicht selten scheitern. Und jetzt kommt der Knaller: Es gibt nicht einmal die typische Sexbombe. Keinen einzigen offensichtlich attraktiv präsentierten Blickfang für die Zielgruppe. Tatsächlich nur Charaktere. Je länger man darüber nachdenkt, desto einzigartiger wirkt „Breaking Bad“.

Auf clevere Weise bewahrt die Serie sich selbst vor Leerlauf. Erst verschlechtert sich Walters Gesundheitszustand immer mehr, sodass man sich nach einem Ausweg fragt. Hat die Serie erst eine Lösung für dieses Problem gefunden, entwickelt sich Walter immer mehr zum Drogenprofi und läuft parallel dazu auch immer mehr Gefahr, gefasst zu werden. „Breaking Bad“ hat ein Konzept mit klaren Zielen, und so traurig die Fans nach dem Finale sind, es hätten nicht mehr als fünf Staffeln sein sollen. Denn so liegt eine Serie vor, die sich zu steigern weiß, statt sich zu dehnen und in unwichtigen Nebenhandlungen zu verstricken.

Zugegeben: Ohne Füllmaterial kommt selbst „Breaking Bad“ nicht aus. Und gerade weil alles so harmlos beginnt, ist der Bann nicht zwingend sofort vorhanden. Diverse Durchhänger erleidet die Handlung in den frühen Staffeln dann, wenn sie sich etwas zu lange darum dreht, ob Walter und Jesse nun wieder zusammenarbeiten oder nicht. Doch das Durchhalten – wenn man es überhaupt so nennen will – wird definitiv belohnt. Wenn „Breaking Bad“ Gefahr läuft, vor sich hin zu dümpeln, dann ist ein wachrüttelnder Schock-Moment nicht weit. Und das Finale entschuldigt in seiner Konsequenz eigentlich sämtliche Schwächen der Serie.

„Breaking Bad“ entpuppt sich als klassische Tragödie. So kompromisslos, wie das Finale in die Magengrube schlägt, hat man selten eine Serie enden sehen. „Breaking Bad“ biedert sich eben nicht an, sondern testet Grenzen aus. Und dafür lieben die Leute Walter Whites Abenteuer umso mehr. Das richtige Maß an Mut und Kreativität, um etwaige Schwächen vergessen zu machen, erbringt „Breaking Bad“ nicht zu Unrecht einen Sonderstatus.

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